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3 Probleme bei Kaugummiprojekten

Ich glaube, jeder von uns kennt manchmal so Projekte, die sich ewig hinziehen. Bei manchen Selbstständigen ist es die Website, andere sind bereits monatelang damit beschäftigt, ein Webinar auf die Beine zu stellen, … Selbst Dinge, die überhaupt keinen großen Aufwand bedeuten – wie wenige Zeilen Kurzprofil für eine Branchendatenbank – ziehen sich bei einigen wochenlang hin.

Das ist ein Riesenproblem!

1. Es raubt den Schwung fürs Weitermachen

Wenn etwas nonstop im Genick sitzt, wird es lästig, anstrengend oder schlichtweg langweilig. Wer etwas entschieden hat und wieder und wieder ein bisschen was dran macht, nur um es dann wieder liegenzulassen, bremst sich immer wieder aus. So kann kein Schwung aufkommen!

Bei manchen Projekten trägt einen am Anfang die Begeisterungswelle. Juhuuuuu, das mach ich jetzt! Ich bin ganz aufgeregt! Ich sprühe vor Ideen! Sobald es ans Tun geht, sieht es auf einmal anders aus. Weil das Ideenhaben mehr Spaß macht, als es umzusetzen. Oder weil klar wird: Holla, das mit der Umsetzung ist komplexer als gedacht. Lieber erst mal Pause machen, denn ich habe … [keine Lust, keine Ahnung, keine Zeit, keine Nerven, keine Zuversicht].

Bei jedem Vorhaben ist das Dranbleiben enorm wichtig. Also entscheiden, tun. Viele Sachen lassen sich in einem Rutsch bearbeiten, andere erfordern systematisches Vorgehen. Das Schlüsselwort ist ZEITNAH.

2. Ständiges Stop & Go ist ineffizient

Wer etwas in die Hand nimmt und dann tage-/wochen- oder gar monatelang liegenlässt, muss sich andauernd erneut ins Projekt einfinden.

Kleinere Sachen, die als Hauruck-Aktion in einem erledigt werden könnten, bläst man es oft mental irre auf. Klassiker sind unattraktive Aufgaben, wie die Steuererklärung, der Bügelberg, die Ablage oder ein ungutes Telefongespräch. Ich bin sicher, du hast genug Erfahrung mit Dingen, die du ewig vor dir hergeschoben hast, nur um am Ende, wenn es schließlich erledigt ist, zu sagen: Mei! Das hätte ich längst machen können. Weil der Aufwand, den du drumherum betrieben hast, und wenn es nur der im Kopf war, ein Vielfaches größer war als die Sache.

War der Widerwille groß oder hattest du Befürchtungen – etwa, dass es sehr schwierig sein könnte oder es zu unschönen Konsequenzen kommt – kam eine emotionale Last dazu. So eine innere Belastung führt zu Ineffizienz im Alltag.

Die eigene Unproduktivität durch Verzögerungs- oder Vermeidungstaktiken geht nie spurlos an uns vorüber.

Bei komplexeren Projekten ist das Problem ganz praktischer Natur: Ständiges Wieder-Einfinden in das Projekt bedeutet einen wahnsinniger Zeitaufwand. Ich merke das bei Webtexten oder Buchprojekten meiner Kunden. Nicht nur geht die eigene Begeisterung flöten, sondern man muss sich immer wieder erst auf Stand bringen:

  • Wo war ich?
  • Was hab ich da schon?
  • Wo muss ich wieder ansetzen?

Je umfassender das Projekt, desto mehr Aufwand braucht es, bis man wieder arbeitsbereit ist. Bei einem Stop & Go reihen sich diese Phasen endlos aneinander.

Hier verschwinden die großen Projekte dann gerne in der Schublade. Bei Schreibprojekten merkt man es dem Ergebnis an, dass es zerstückelt und oft genug lustlos fertiggebracht wurde. Das Schlimmste allerdings ist, dass wir EinzelunternehmerInnen die eigene Arbeitszeit nicht als Kostenfaktor erkennen. Kaugummi-Projekte sind unwirtschaftlich.

3. Es bremst dich aus

Das Ausbremsen, das in den beiden bereits genannten Gründen liegt, ist das eine: Wirtschaftlich gesehen ist es eine Katastrophe:

Kaugummi-Projekte binden immer wieder Zeit, Arbeitskraft und Fokus. Und weil es so schön verteilt ist auf einen längeren Zeitraum, nimmt man es nicht als so teuer war, wie es tatsächlich ist.

  • Die laufende Arbeitszeit, Konzentration und Aktion ist ein Kostenfaktor.
  • Das Ergebnis kann businessrelevant sein. Wer dringend eine neue Website bräuchte, weil die alte überholt ist oder du die neue Fassung unbedingt für dein Marketing brauchst, damit Buchungen reinkommen, versaut sich die Auftragslage. Wer ein Projekt mit einem Kollegen oder Kunden fest vereinbart hat, riskiert einen Image-Schaden oder sogar Vertragsbruch.
  • Wahnsinnig vernachlässigt werden die Opportunitätskosten: Während du wieder und wieder an so einem Kaugummi-Projekt rummachst, kannst – oder willst – du andere Dinge, die dein Business weiterbringen, nicht tun. Du kannst die Zeit nicht für bezahlte Aufträge nutzen, geschweige denn die Zeit + Arbeitskraft dafür nutzen, etwas zu tun, dass dir neue Aufträge bringt. Auch das, was dir da durch die Lappen geht, sind Kosten.

PS: Die problematische Kurz-vor-fertig-Phase

Letztes Jahr hab ich auf schreibnudel.de schon mal darüber geschrieben, dass manche ihr Projekt fast bis zur Ziellinie gebracht haben. Aber dann wird kurz vorher vorgeprescht, umgeworfen, verschlimmbessert, gehadert, rumargumentiert oder gerne mal alles in der Schublade versenkt. Drüben weiterlesen.