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30 Tage Yoga – mein Fazit

Seit Ostern, das war am 10. April, mache ich Yoga.

Dass ich das gerade jetzt probiert habe, lag an Corona und der zwangsweisen mehr Freizeit, weil businessmäßig eher mau war. Direkter Anstoß war allerdings das Video von wheezy waiter, über den ich letztens schon mal geschrieben habe.

Der hat nämlich just am 7. April seinen Yoga-Selbsttest hochgeladen:

Er hat die 30 Days of Yoga (mit Adriene) gemacht.

Adriene kannte ich, sie ist ja eine youtube-Größe, und so hatte ich in den letzten Jahren  vereinzelt Videos von ihr gesehen. Da ich mit Yoga nie arg was am Hut hatte, habe immer nur punktuell was gemacht, wenn ich ein Rückenproblem hatte oder was zu Flexibilität gesucht habe.

Erst habe ich gedacht „Machst halt mal die vier Osterfeiertage, und wenn es blöd ist, hörst du auf.“ Dann hat es mir ganz gut gefallen, sodass ich mir vorgenommen habe, die 30 Tage durchzuziehen.

Das habe ich getan!

Einige Erkenntnisse und Resultate aus den 30 Tagen:

Es ist vielseitiger, als ich dachte

Yoga ist eines dieser Bewegungsdinge, wo ich einerseits immer überzeugt war, dass es gut für einen ist. Andererseits habe ich nie einen Zugang dazu bekommen: Ich war zwischen 20 und 40 viel in Fitnessstudios, wo ich hin und wieder mal eine Yogastunde mitgenommen habe. Dabei geblieben bin ich nie: Entweder waren mir die LehrerInnen zu spirituell von ihrem Gerede, merkwürdiger Musik oder Singsang her. Oder es war das andere Extrem und viel zu sportlich-anstrengend. Beide Richtungen sind sicherlich für viele Menschen passend, mich hat das eher abgeschreckt.

Adriene hat mir sofort sehr gut gefallen, weil sie so normal ist. Sie hat ihr 30-Tage-Programm äußerst vielseitig gestaltet: Es ist wirklich alles drin, von eher ruhigeren, meditativeren Einheiten bis hin zu fordernden, anstrengenden. Außerdem sind sie unterschiedlich lang: Die meisten dauern so 20 Minuten, zusätzlich gibt es kürzere oder längere.

Das habe ich mir zunutze gemacht, indem ich mich gar nicht streng an die Tage gehalten habe: Ich habe einfach am jeweiligen Tag entschieden, wonach mir gerade ist. Hatte ich keine Lust, mich großartig anzustrengen, habe ich einfach eine leichte Lektion ausgesucht. Eine Woche war ich kränklich, da hab ich mir dann außerhalb des 30-Tage-Programms was von ihr gesucht à la „Yoga gegen Kopfweh“.

Im Prinzip bin ich also dem Programm gefolgt, nur eher lose. Einige Lektionen habe ich besonders gern gemocht und sie dann öfter wiederholt. An einigen Tagen hatte ich Lust, zwei oder drei Videos zu machen.

Was mir sehr entgegenkommt, ist, dass Adriene unentwegt betont: Mach, was dir gut tut. Spul nicht einfach ab, was ich sage. Zwing dich nicht in irgendwelche Positionen. Sondern schau, was sich gut anfühlt. Machs dir leichter mit dieser oder jener Variation, nimm eine Hilfe, wie einen Yoga-Block oder eine Decke zum Unterlegen. Und mach Pause, wennst keine Lust auf dies und das hast, was ich jetzt gerade ansage.

Ich atme mehr

Vorausschicken muss ich, dass ich eine so schiefe Nasenscheidewand habe, dass ein HNO-Arzt mal zu mir gesagt hat: „Es ist mir ein Rätsel, wie Sie überhaupt Luft bekommen.“

Haha! Sowas will man von einem Facharzt hören!

Natürlich war das keine Überraschung für mich, ich kenne das ja und atme seit jeher hauptsächlich über den Mund. Yoga hat mir in puncto Atmen extrem viel gezeigt.

Nicht, dass ich dabei bereits „richtig“ atmen könnte. Keineswegs! Diese Atmerei, die beim Yoga mit den Bewegungen synchronisiert wird, war mir seit jeher ein Mysterium. Sobald man mir sagt, ich soll auf meinen Atem achten, kann ich überhaupt nicht mehr atmen, geschweige denn ihn auf Bewegungsabläufe abstimmen. In den Wochen, in denen ich Yoga jetzt regelmäßig mache, gelingt es mir manchmal – oft unabsichtlich – bei einigen Bewegungen richtig zu atmen, das ist meistens eher ein Versehen oder von kurzer Dauer. Macht nichts!

Ich habe separat dazu die Yoga-Atmung“ geübt, speziell den Ujjayi Breath:

Besonders praktisch war, dass ich zu dieser Zeit gerade das Meditieren ausprobiert habe. So habe ich dann zu Beginn des Meditierens ausgiebig das tiefe Atmen geübt.

Dabei habe ich erstaunt festgestellt, dass ich deutlich mehr Sauerstoff in mich reinbekomme. Jetzt ist es nicht so, dass ich flach atmen würde. Ich atme durchaus runter in den Bauch und alles, aber nicht so langgezogen und tief. Das hat mich erstaunt, zumal es nach etwas Übung sogar problemlos durch die enge Nase klappt. Wird immer noch nur ein Bruchteil sein im Vergleich zu Leuten, bei denen die Luft durch die Nasenlöcher ungehindert rein- und rausströmen kann, für mich ist das ein gewaltiger Unterschied!

Mein Rücken hat losgelassen und auch sonst …

… bin ich deutlich flexibler geworden. Das ist mit das allerbeste, was mich total von Yoga überzeugt hat.

Obwohl ich jetzt nicht super unflexibel bin, hatte ich einige typische Limitationen. Zum Beispiel die ganze Beinmuskulatur hinten, die bei vielen Sitzarbeitern verkürzt ist. Und damit das Nach-vorne-Beugen. Zwar konnte ich mit totalem Krummrücken mühelos die Finger zum Boden bringen, rückengerechtes „Vorwärtsfalten“ ging gar nicht.

In den letzten Jahren habe ich gelegentlich halbherzige Anläufe mit Stretching gemacht, aber ich habe es nie besonders gern gemocht.

Und gebracht hat es praktisch nichts, was daran lag, dass ich es halbherzig und nicht besonders gern gemacht habe. 😀

Dazu kommt: Alles, wo ich nicht irgendwelche Fortschritte merke, lasse ich ziemlich schnell bleiben. Da halfen alle sehr guten Stretchingvideos nichts, die mahnten: Stretching braucht mehrere Monate, bis du deutliche Fortschritte merkst, die meisten Leute geben viel zu früh auf. 

Beim Yoga war das völlig anders. Zum einen habe ich gemerkt, dass ich erstaunlicherweise in vielerlei Hinsicht flexibler bin, als ich dachte. Das ist gut, das mal zu merken! Zum anderen hat sich schon nach der ersten Woche gezeigt, dass ich bei den typischen Yoga-Übungen, die sich teilweise wiederholen oder ähnlich aufgebaut sind, mühelos tiefer reinkonnte, sich mein Bewegungsradius verbessert hat.

Am spannendsten war das für mich beim Forward Fold – ich weiß nie, wie die deutschen Bezeichnungen heißen, das Vorbeugen halt. Da so richtig mit geradem Rücken nach vorne falten, das ging bei mir praktisch gar nicht. Da kam ich bis vielleicht 70 Grad bis der Rücken an falscher Stelle rund wurde. Das wurde nach den ersten Tagen schon deutlich besser.

Das Tollste war irgendwann in der dritten Woche, als eines Tages der untere Rücken richtiggehend losgelassen hat. Nicht, dass ich Beschwerden gehabt oder irgendeine Steifigkeit gespürt hätte. Dennoch war das Problem anscheinend gar nicht so stark die Beinmuskulatur hinten, sondern ein irgendwie unbeweglicher unterer Rücken, da hat irgendwas festgehalten und dann eben nicht mehr – und zack, bin ich richtig deutlich nach unten gehängt. Da gibt es natürlich noch Spielraum. Doch dieses Gefühl, als der Rücken losgelassen hat, war unbeschreiblich. Ich liebe mittlerweile den Forward Fold, weil es sich so toll anfühlt und mich dieser massive Fortschritt natürlich total motiviert.

Außerdem denke ich mir bei sowas: Mei, was kostet so ein starreres Festhalten den Körper innerlich Energie, sogar wenn man keine Beschwerden hat.

Stichwort: Introspektion

Nachdem ich 30 Tage Meditation hinter mir hatte, hatte ich Lust, es weiterzumachen. Ich habe sogar die Zeit ein wenig ausgedehnt, weil ich das Gefühl hatte, dass ich rausgerissen werde. Beim Meditieren war ich erstaunt, wie leicht es mir fiel, mich einzulassen – zumindest für 7 bis 10 Minuten. Ich hatte kaum mal einen Tag, an dem ich total abgelenkt oder hibbelig war. Das war ein großer Aha-Effekt für mich, weil ich jemand bin, der nicht gut stillsitzen und nichts tun kann.

Je mehr ich Yoga gemacht habe, wo gerade zu Beginn der Einheit viel mit In-sich-reinhören, Atmen und teilweise eher meditativere Einheiten waren, habe ich gemerkt, dass es mir abends zu viel wird. Ich wurde plötzlich beim Meditieren ungeduldiger („Wann ist es denn aus?“) und habe gemerkt, dass ich mich gar nicht mehr so einlassen möchte. Darum habe ich das Meditieren nach zwei Monaten wieder gelassen und mache nur noch Yoga.

Yoga bleibt!

Jetzt sind es eineinhalb Monate und ich möchte es nicht mehr missen. Vor allem, weil es sehr vorteilhaft für meine weiteren Ziele mit den Hoops, Stäben, etc. ist. Als nächstes möchte ich den Kopfstand wieder regelmäßig trainieren, den ich letztes Jahr bereits super hinbekommen habe, den ich jetzt – mit mehr Flexibilität – noch kontrollierter angehen kann. Und wer weiß, vielleicht knacke ich irgendwann doch noch den Handstand.