Voranbringer: Ausdauer light

Es gibt Leute, die sich gern anstrengen. Ich nicht. Durch die Schule bin ich eher gesegelt, indem ich kurz vor einer Schulaufgabe gelernt habe. Das „Wissen“ hat sich dann gerade so ein paar Stunden im Hirn festgeklammert.

Die Note war passabel. Die Anstrengung minimal. Hängengeblieben ist so gut wie nichts. Bei Dingen, wo ich wirklich was erreichen will, fahre ich persönlich am besten mit Ausdauer light.

„Wenns Spaß macht“ ist ein Ideal, …

… das leider oft nicht machbar ist. Das hört – und sagt – man ja öfter mal: „Ich ziehe Dinge durch, wenn ich sie gerne mache, wenn es mir Spaß macht!“

Jo. Ich auch.

Blöderweise gibt es viele Dinge, die überhaupt gar keinen Spaß machen, die einen aber nur dann weiterbringen, wenn sie konsequent im Alltag etabliert sind – zumindest eine gewisse Zeit.

Dazu kommt: Unbekanntes fällt einem besonders schwer.
Es ist mit Hemmungen, Unsicherheiten und manchmal richtigen Ängsten verbunden. Es fühlt sich „falsch“ an, wir haben noch keine Zuversicht. Alles, bei dem wir uns anstellen und auf wackeligem Boden befinden, macht natürlich zunächst keinen Spaß!

Nehmen wir sowas wie die Akquise. Ich arbeite ja seit bald zwanzig Jahren mit Selbstständigen [und gehöre selbst dazu]. Wenn es ums Akquirieren geht, gibt’s die Garnichtstuer. Akquise macht den Wenigsten Spaß. Und es gibt die gelegentlichen Aufbäumer: Da wird mit größerem Brimborium ein Rundumschlag gemacht, ein Serienbrief, vielleicht mit aufwändig produziertem Flyer. Da hält sich der Aufwand in Grenzen, das Gefühl, so richtig viel Akquise gemacht zu haben, ist groß – und anschließend hängt einem die Lätschen im Knie, weil von den Hunderten von Aussendungen fast keine Resonanz kam. Akquise lohnt sich offenbar nicht. Also lieber nicht zu oft machen.

Yep, weniger ist fast immer mehr.

Ich fahre seit jeher die Schiene des „weniger ist mehr“.

Je weniger Aufwand ich betreibe, desto einfacher ist es für mich, konsequent dranzubleiben.

Je weniger groß meine Anstrengung ist (vom inneren Aufraffen bis hin zum zeitlichen Aufwand), desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ich es auch mache. Ist etwas ganz unangenehm, ist es leichter hinter sich zu bringen, wenn es nicht so viel auf einmal ist.

Je konsequenter – also regelmäßiger – ich etwas mache, desto eher bekomme ich Resultate: Je nachdem, worum es geht, werde ich besser, einfach weil ich etwas ständig mache und nicht nur alle paar Monate mal. Ich kann Routine entwickeln und Erfahrungen sammeln, die mir erlauben, etwas zu verbessern. Und ich bekomme neue Ideen, wie ich etwas verändern oder kombinieren könnte.

Dazu kommt, dass kaum wem langweilig ist.

Wir haben oft wenig Zeit. Macht etwas keinen Spaß, fällt als erster das hinten runter, was wir eh nicht mögen.

Bei der Akquise heißt das beispielsweise: Schreib oder ruf lieber jede Woche zwei potenzielle Kunden oder Multiplikatoren richtig individuell und persönlich an, aber mach das wirklich dauerhaft. Wenns mal nur einer ist, ist es auch nicht schlimm, so lange du es durchziehst. Die Wahrscheinlichkeit ist übrigens hoch, dass du durch die Sicherheit und Resonanz, die sich mit der Zeit ergeben, immer öfter freiwillig noch einen machen magst und noch einen. Aber wenn nicht: Wurscht! Hauptsache zwei. Pro Woche. Das sind über 100 richtig persönliche, dauerhafte Kontakte, die du möglich machst.

Mit „persönlich“ meine ich nicht einen ollen Serienbrief, den du einfach immer neu adressierst.

Das Problem mit den Hauruck-Aktionen

Damit wir uns richtig verstehen: Ich liebe Hauruck-Aktionen! Immer dann, wenn es um eine Augen-zu-und-durch-Sache geht, mach ichs lieber kurz und heftig. Als ich meine Wohnung radikal ausmisten wollte, habe ich alles aus den Schränken gerissen und lieber ein langes Wochenende heftigst weggeworfen, auseinandergeschraubt, in den Keller getragen, den Sperrmüll organisiert. Hau wech, die Scheiße.

Wenn ich eine Website neu mache, bleibe ich lieber intensiv dran und machs wie am Fließband anstatt es Ewigkeiten mitzuziehen.

Das ist natürlich persönliche Präferenz.

Was allerdings keine Auslegungssache ist: Wenn ich etwas erreichen will, das mir bleibend was bringen soll, brauche ich Kontinuität.

  • Will ich etwas lernen und richtig gut werden, muss ich mir und meinem Gehirn die Möglichkeit geben, es anzuwenden, auszuprobieren, zu wiederholen. Dann werde ich versierter, zuversichtlicher und kann auf dem, was ich mir erarbeite, aufbauen.
  • Will ich etwas bei anderen dauerhaft auf den Radar bringen, brauche ich ebenfalls einen längeren Atem. Da ist das Bloggen ein gutes Beispiel: Mein Anliegen schriftlich immer wieder anders zu beleuchten, die Zielgruppe zu sensibilisieren und an die Hand zu nehmen, das ist ein Prozess.
  • Habe ich ein größeres Ziel, für das ich bestimmtes Know-how und Erfahrungen brauche, muss ich mich der Sache stellen und TUN. Viele bleiben jahrelang im stillen Kämmerlein und lesen und recherchieren, doch alleine durchs Konsumieren bekommt man keine eigene Erfahrung.

Bei diesen Zielen funktioniert das gelegentliche Mal nicht. Hier geht es um kleinere Häppchen, die aber laufend!

Und genau da kommt wieder die „Ausdauer light“ ins Spiel. Ich fahre bestens damit, es mir leichter zu machen. Aufgaben herunterzubrechen, dass ich sie – gerade, wenn ich sie nicht mag – eben mal machen kann.

Das heißt nicht, dass ich alles immer durchziehe. Ich habe natürlich ebenfalls meine Schiebereien, wo ich heule und zähneknirsche (obwohl es meistens dann doch schneller geht und gar nicht so schlimm war).

Ich probiere viel aus, lasse bleiben, modifiziere.

Doch bei allem, wo ich etwas erreichen will und mir vornehme, dass ich dranbleiben möchte, mache ich es mir leicht + klein. Dann bleibe ich viel eher dran. Das Konsequente gibt praktisch automatisch eine Garantie: