„Das geht sicher nicht!“

Als ich noch Karrierecoachings gemacht habe, kam mal ein Mann, der Probleme mit seinem Chef hatte. Wir haben ausführlich darüber gesprochen, was mein Kunde machen kann und bei einem bestimmten Thema war klar: Das muss er ansprechen. Wir haben das Gespräch genau vorbereitet und dann hörte ich … nichts.

Schließlich rief er mich an: „Das hat alles nichts gebracht!“

Ich: „Gar nichts? Echt? – Erzählen Sie mal! Was war?“

„Nichts. Ich habe gar nicht mit meinem Chef gesprochen. Mit dem kann man eh nicht reden.“

Hat alles nichts gebracht.

Das geht nicht. Punkt.

Vorhin hat mich jemand auf meinen Hula-Hoop-Reifen angesprochen. „Bei mir geht das nicht!“ Sie will es trotzdem gerne versuchen und greift nach meinem Reifen. Ich sage: „Das wird nicht funktionieren, weil der Reifen viel zu klein und leicht ist. Als Erwachsene fängt man mit einem schwereren, sehr viel größeren Reifen an, dann bleibt er auch oben.“

Während ich ihr erzähle, wie Anfängerreifen beschaffen sind und warum es sinnvoll ist, damit zu lernen, setzt sie an. Natürlich klappt es nicht: Ihre Technik ist verkehrt, der Reifen viel zu klein und leicht.

Ihr Fazit: „Egal, ob klein oder groß. Es funktioniert bei mir nicht!“

Ich kann das so gut nachfühlen – vermutlich haben wir alle so unsere Themen, wo wir von vornherein abwinken, weil wir überzeugt sind, dass was nicht funktioniert. 

Wir basieren solche Überzeugungen auf gemachten Erfahrungen, doch das hat seine Tücken. Denn Erfahrungen kommen aus unterschiedlichen Ecken:

Wir haben etwas schon mal versucht. Denk an typische Beispiele in Unternehmen, wenn jemand eine Idee hat, die sofort abgeblockt wird, weil wir vor drei Jahren mal was Ähnliches probiert haben. So machen wir das manchmal in uns selbst – wir ziehen einen Vergleich zu etwas, das wir gemacht haben, dabei waren oft völlig andere Parameter im Spiel: Ein anderer Zeitpunkt, ein zu kleiner Reifen, weniger Geduld. Oder, oder, oder.

Wir sind mit anderen Dingen gescheitert. Es geht ja nie nur spezifisch um die Sache, die wir gerade tun, sondern es geht immer auch um Resultate. Die wiederum kommen Hand in Hand mit Gefühlen. Je mehr positive Erfahrungen ich gemacht habe, desto eher gehe ich davon aus, dass was anderes schon klappen wird – dass ich mich zumindest nicht davor scheuen muss. Fällt meine Resultate-Bilanz eher negativ aus, weil ich sofort runterrasseln kann, was bisher alles schon schiefgegangen ist, habe ich eine klare Tendenz zum „Wird nix“. Das kann sich darauf beziehen, was ich aktuell vorhabe, z. B. gibt es viele Erwachsene, die im Schulsport gelernt haben, dass sie bewegungstechnisch „nicht gut sind“ und diese Überzeugung hat sich derart eingebrannt, dass sie oft gar nichts mehr in die Richtung versuchen.

Und weil es noch nicht kompliziert genug ist: Der eigene Maßstab von „da ist was in die Hose gegangen“ ist oft völlig aus dem Lot.

  • Wenn etwas nicht auf Anhieb ideal funktioniert, ist das der Normalfall. Ob es eine neue Fähigkeit ist, in die ich mich erst reinfinden muss, oder ob andere beteiligt sind, die nicht so wollen, wie ich will.
  • Dass manche Vorhaben zum Rohrkrepierer werden, kommt im Leben einfach vor. Es gibt viele Parameter rund um ein Ziel – in uns und um uns herum – die zu einem unperfekten Resultat führen können.

Ist mein Verständnis dazu unnatürlich streng, weil ich alles, was nicht sofort perfekt klappt, mit meinem Scheitern gleichsetze, landet in meiner persönlichen Resultate-Bilanz verdammt viel auf der Soll-Seite.

Damit ziehen wir uns von vornherein den Boden unter den Füßen weg. Das ist leider gar nicht so selten:

Manchen von uns wurde mangelnde Zuversicht regelrecht eingeimpft. Vor einigen Tagen habe ich zum x-ten Mal gehört, dass wer vor langer Zeit von einem Lehrer bescheinigt bekommen hat: „Aus dir wird nie was!“ Eine gute Bekannte von mir geht generell davon aus, dass sie etwas nicht können wird – sie hat Angst, dass sie „zu blöd dafür ist“ und „alles falsch machen wird“. Sie traut sich von Haus aus weder an Sachen ran, noch traut sie sich etwas zu. Die Folge: Kompletter Rückzug. Am besten gar nicht erst probieren.

Ich will betonen, dass es ganz hervorragende Lehrer gibt, die einem das Gegenteil vermitteln. Mir sagte Frau Hammon in der 6. Klasse: „Du wirst deinen Weg schon machen!“ – Diese einmalige Bemerkung begleitet mich mein ganzes Leben. Ich hatte das Glück, dass es meine Zuversicht stärkt.

Manches ist jenseits unserer Vorstellungskraft. Selbst wenn du total zuversichtlich bist, wird es Dinge geben, die du dir für dich nicht vorstellen kannst. Vielleicht würdest du eigentlich total gerne Theaterspielen oder Vorträge auf großer Bühne halten, aber gleichzeitig glaubst du nicht, dass du jemals vor so vielen Menschen „bestehen“ und dich wohlfühlen könntest. Oder du würdest gerne argentinischen Tango tanzen oder einen Flickflack können, gleichzeitig bist du total überzeugt, dass du das nie lernen könntest (oder dich niemals trauen würdest).

Es einfach mal versuchen

Das Blöde ist doch: Wenn ich fest davon ausgehe, dass etwas auf keinen Fall gehen wird, probiere ich es gar nicht erst aus. Oder es wird ein Versuch gefolgt von promptem Handtuchwerfen, wenn ich mir vorschnell bestätige, dass ich gleich gewusst habe, dass es nicht geht. Wenn ich, um aufs Hoopen zurückzukommen, es zum ersten Mal mache, dann habe ich mit dem größeren, schwereren Reifen die besten Voraussetzungen, doch natürlich werde ich es kaum innerhalb der ersten drei Versuche können. Egal, worum es geht: Hirn und Körper müssen die Chance bekommen, zu verstehen, was von ihnen da plötzlich verlangt wird.

Die Lust am „Einfach mal probieren“ können wir trainieren!

Ich habe mal einen Präsenzkurs mit Selbstständigen gemacht, der hieß „Akquise für Hosenscheißer“. Da waren zehn absolute SchisserInnen versammelt, die wussten, dass sie für sich akquirieren müssen (wollen), sich aber absolut nicht getraut haben. Das war ein toller Kurs, denn wir haben Akquise heruntergebrochen auf ihre Einzelteile und kleine, gar nicht schlimme Aufgaben vereinbart. Von Woche zu Woche hat man gemerkt, wie Leichtigkeit und Zuversicht gestiegen sind. Weil wir nicht bierernst rangegangen sind und nicht gleich Hardcore-Aufgaben gestellt haben.

Wie gesagt: Je mehr positive Erfahrungen ich gemacht habe, desto eher gehe ich davon aus, dass was anderes schon klappen wird