Das hat Konsequenzen!

Das Wort „Konsequenzen“ hat – wie das Mei – sehr viel mehr Facetten. Warum also denken wir oft erst mal negativ oder befürchten, dass was Blödes eintritt, wenn wir daran denken, dass was Konsequenzen haben wird?

Was wir tun + lassen hat Folgen

Vielleicht kennt wer den Film „Sliding Doors“ aus den Neunzigern: Die Protagonistin springt einmal gerade noch in ihre U-Bahn und einmal verpasst sie sie knapp. Aus dieser Alltagssituation heraus erleben wir zwei komplett unterschiedliche Lebensverläufe.

Das ist eine witzige Idee für einen Film, und doch ist sie überhaupt nicht übertrieben. Natürlich stellt jeder ständig solche Weichen, die sich mal kleiner, mal größer auswirken – natürlich auch auf andere Menschen.

Mit 16 lernte ich einen netten jungen Mann an meinem Heimatort Garmisch kennen. Wir haben uns ein paar Mal getroffen und Briefe geschrieben (er kam zur Ausbildung nach München). Wir waren eine Weile locker befreundet – dann bin ich nach München und er zurück. Meine Mutter hat später, als ich um die 40 war, auf derselben Dienststelle mit ihm gearbeitet und irgendwann hat sie zu ihm gesagt: „Du hättest mein Schwiegersohn werden können!“ – Sagt er: „Die Gitte wollte mich ja nicht!“ – Tscha. Die Gitte hätt schon wollen, sie war einfach nur begriffsstutzig. Und wer weiß: Wenn wir zusammengekommen wären, hätte ich vielleicht in meinen 20ern geheiratet und Kinder – womöglich wäre ich nie weggezogen, was den Berufsweg völlig verändert hätte …

Im zweiten Jahr der Selbstständigkeit mailte uns eine unbekannte Frau an: Sie sei Trainerin und habe einen Stand auf einer IHK-Messe gekauft. Jetzt hat sie eine Reise in den Nepal gewonnen und weil sie uns aus dem Netz kennt, wollte sie fragen, ob wir ihr den Stand abkaufen würden. Wir hatten eigentlich nicht das Geld dafür übrig, aber da wir die Situation witzig fanden, haben wir es gemacht. Unter anderem habe ich mich dort mit einer netten Trainerin unterhalten, die mich drei Jahre später einem Unternehmen empfahl, das Outplacement-Leistungen anbot: Es war wer abgesprungen und in drei Tagen fing ein sechswöchiges Bewerbungsprogramm an. Das war ein anspruchsvoller, anstrengender, aber großer Auftrag, der zum damaligen Zeitpunkt finanziell goldrichtig kam. Ohne die Messe und dem Kontakt zu der Frau wäre das nicht zustandegekommen.

Wenn ich in meiner Stelle als Texterin einer bekannten Werbeagentur nicht kreuzunglücklich mit dem Umfeld und Kollegen gewesen wäre, hätte ich nicht nach einigen Wochen wieder gekündigt, sondern wäre dort geblieben. Ich weiß nicht, wie mein Leben weiter verlaufen wäre, aber ich weiß, dass ich nicht zurückgegangen wäre in meine frühere Firma. Ich hätte nicht das Sales Management übernommen. Ich hätte nicht in so jungen Jahren Personalverantwortung für ein Dutzend Leute gehabt. Ich hätte mich nicht mit einer früheren Kollegin selbstständig gemacht, hätte nicht so viel Content ins Netz gestellt, weswegen der passgenaueste Mann der Welt nicht auf mich aufmerksam geworden wäre, …

Schau mal in deinem Leben
… und staune, was sich alles so ergeben hat in welche Richtung, nur weil du mal was so oder so gemacht hast. Das kann ziemlich heilsam sein, weil man lernt, dass sich mittel- bis langfristig die Dinge mal Auf und Ab bewegen. Und vieles Gute nur zustandegekommen ist, weil vorher was in die Hose ging. Nicht zu verwechseln mit rosaroter Brille! Und nicht als Aufruf zum Relativieren gemeint.

Schon bei meinen eigenen Beispielen wird klar, dass man IM MOMENT oft eine andere Einschätzung hat. In dem Moment, wo ich eine Stelle nach einigen Wochen schon aufgeben muss, rufe ich nicht „hurra“. Oder wenn eine Beziehung funktioniert, finde ich das ganz super, doch die weiteren Konsequenzen können sich ungut entwickeln – oft Jahre später. Deshalb sind die Entscheidungen davor aber nicht schlecht gewesen.

Leben ist Bewegung

Alles hängt zusammen. Alles führt zu was.

Wenn wir unsere eigene Rolle klar haben – ohne irgendeine Wertung, ohne den Druck, immer „das vermeintlich Richtige“ tun zu müssen – dann ist das Prinzip „es wird Konsequenzen haben“ positiv. Dann sind wir bei der Selbstwirksamkeit.