Der Müllwagen-Effekt

Nicht alles ist gleichbedeutend. Vieles, was wir im Business so vorhaben, hat keine unmittelbar großartigen Auswirkungen. Klar, hier könnte man mal was verbessern oder da was anstoßen – an Ideen mangelt es selten. Doch wenn das jetzt nicht gleich passiert, ist es meist kein Beinbruch.

Aufschieben ist erlaubt und oft gar nicht mal schlecht. Wer kennt es nicht, dass sich Dinge tatsächlich von selbst erledigen. Dass eine Idee, die man eigentlich lieber gestern umgesetzt hätte, sich abkühlt und sich als doch nicht so super rausstellt.

Jetzt kommt das große Aber. Denn es gibt durchaus Projekte, bei denen das Rauszögern zum Problem wird.

Die Funktion des Projektes

Als EinzelunternehmerInnen haben wir alles Mögliche auf der Platte – vor allem müssen wir uns um den Kern unseres Geschäfts kümmern. Immerhin wollen wir Geld verdienen und peilen darüber hinaus vielleicht spezifische weitere Ziele an, zum Beispiel:

  • in der Branche als erste Adresse zu gelten,
  • online ein zweites Standbein aufzubauen,
  • zu expandieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

Hier herrscht häufig sowieso ein Ungleichgewicht: Viele Selbstständige kümmern sich vorrangig um ihr Alltagsgeschäft und um ihre laufenden Aufträge (besonders natürlich, wenn der Laden brummt) – dadurch steht das eigene Business gern hinten an. Doch selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Unternehmensstrategie, die Sichtbarkeit bei der Zielgruppe, die Selbstdarstellung, Akquisemaßnahmen, … fest im Fokus sind, müssen wir mit unserer Zeit, Lust, Klarheit + Know-how jonglieren. Denn alles davon ist begrenzt. Und: Wir gehen mit diesen Faktoren sehr subjektiv um, was gehörig beeinflusst, wie wir unsere Prioritäten setzen

Das mit den Prioritäten klingt immer so einfach

Ja, dann priorisiert man halt. Wichtig, dringend, usw.

Relevant ist nicht nur, welchen Vorhaben ich welche Bedeutung gebe, sondern entscheidend ist, woran ich tatsächlich arbeite – nicht nur, was ich auf Papier höher priorisiert habe.

Ich mache, wie gesagt, vier Faktoren aus, die bewusst und unbewusst beeinflussen, welche Vorhaben wir tatsächlich anpacken und vollständig durchziehen. Lasst mich kurz ein paar Takte zu jedem Faktor sagen, auch wenn das natürlich alles noch vielschichtiger ist:

Zeit

Ein altbekannter, wahnsinnig komplexer Punkt. Ich brauche die naheliegenden Aspekte von Zeit haben und sie sich nehmen (bzw. freischaufeln) gar nicht aufzählen, dafür will ich zwei Dinge hervorheben, die viele nicht für sich nutzen:

1. Wenn ich ein Projekt richtig gut strukturiert herunterbreche, dann besteht selbst das riesigste Vorhaben aus lauter kleinen Häppchen. Damit wird es machbar. Von der Zuversicht her habe ich es nicht mit einem Berg zu tun und in dem Moment, wo ich kleine, machbare Aufgaben vor mir habe, kann ich jederzeit mein Projekt aktiv voranbringen, selbst in Phasen, wo ich nur mal kurz fünf oder zehn Minuten zwischendurch habe! Je konkreter ich vorausdenke, was wann zu tun ist, kann ich hier einen Anruf, da eine Recherche, dort einen Kontakt, da einen ersten Entwurf, drüben eine Entscheidung treffen. Das bring mich Schritt für Schritt konsequent voran. Mal ist es ein größerer Schritt, mal nur ein Handgriff, mal ein Sprung.

2. Ich kann einen Tag, wo ich weder Zeit noch Lust habe, am wichtigen Vorhaben zu arbeiten, nutzen, um anderen Kleinscheiß abzuarbeiten, was mir ein relaxteres Zeitfenster morgen oder am Ende der Woche gibt, das ich explizit für das große Vorhaben verwende. Statt dessen wird normal gearbeitet und am Ende war halt nie Zeit für das wichtige Projekt.

Ich rede hier übrigens nicht als Schlaumeier. Mir geht das natürlich gelegentlich genauso, und bei mir hat das fast immer mit dem nächsten Faktor zu tun.

Lust

Vermutlich bin ich nicht die Einzige, die lieber macht, wozu sie Lust hat. Kein Wunder, denn meistens sind das die Dinge, die wir gern machen. Und das, was wir gerne machen, fällt uns für gewöhnlich leichter. Zumindest macht es uns nichts aus.

Je nachdem, wie wir gerade so drauf sind, wir uns fühlen, was sonst alles ansteht, was heute schon war, derzeit im Leben so abgeht und worum sich die anstehende Aufgabe dreht, haben wir viel oder keine Lust.

Ein Klassiker ist es, die richtigen Prioritäten zu kennen, ein bedeutendes Projekt anzustoßen, aber dann die flankierenden Maßnahmen nur halbherzig zu machen oder ganz unter den Tisch fallen zu lassen.

Was beim Faktor Lust gerne unterschlagen wird, ist die mangelnde Zuversicht. Wenn ich mir etwas nicht zutraue oder glaube, ich mache es mittelmäßig bis schlecht (weil ich zu wenig Know-how habe), dann verkleidet sich das gerne mal als „mag nicht“.

Klarheit

Bevor wir zum Wissen und der Erfahrung kommen, müssen wir die Klarheit einschieben. Wenn ich Prioritäten richtig setzen will, muss ich mir klar darüber sein, was ich für mein Business erreichen möchte – und was das für alle meine Aufgaben und Vorhaben bedeutet. Ich habe als EinzelunternehmerIn sehr begrenzte Ressourcen, allem voran die Zeit und Hirnkapazität. Wenn wir die ganz normalen beruflichen und privaten Alltagsverpflichtungen wegrechnen und noch Freizeit haben wollen, bleibt noch weniger übrig. Also muss ich mir über die bedeutenderen Aufgaben klarwerden und darüber, wie sie mein Business voranbringen.

Eh klar!

In der Theorie meistens schon. Doch meiner Erfahrung nach ist es eine kleine Gruppe von Menschen, die vorausschauend auf ihr Business schauen, eine klare Strategie fahren und folgerichtig Entscheidungen treffen. Das ist eine Fähigkeit, die nicht jeder einfach so hat.

Plus: Die Faktoren „Zeit“, „Lust“, „Know-how“ mischen obendrein kräftig mit und bilden oft ein undurchsichtiges Knäuel. Wenn dann noch Erfahrung fehlt oder mehrere Projekte anstehen, steht man schnell im Nebel – und macht dann irgendwas oder alles ein bisschen oder gar nichts.

Echte Klarheit bekomme ich nur, wenn ich hinter nüchterne Aufgaben, wie „ich brauche eine neue Website“, „ich brauche Aufträge, mach ich mal einen Flyer oder schicke einen Akquise-Brief“, „ich starte einen Newsletter“ schaue und mir darüber klar bin, dass (ob) und warum ein Projekt für mich eine höhere Priorität haben muss – und was passiert, wenn ich es nicht tue.

Know-how

Jetzt schließt sich der Kreis zu „ich mache eher, was ich kann/mir leicht fällt“, denn natürlich bremst es aus, wenn wir das Gefühl haben, zu einer Aufgabe nicht genug zu wissen. Es ist eine ganz andere Ausgangslage, wenn man etwas schon mal gemacht hat, zumindest einiges weiß, um es zu navigieren.

Ich beispielsweise bin immer genervt, wenn ich mich bei etwas erst technisch einarbeiten muss. Ein Buch im Selbstverlag rausbringen – bläh, der ganze Prozess von Formatierung, Upload, Glump und Scheiß. Hab ich schon keine Lust mehr!

Habt Ihr gesehen? Ich habe keine Lust, weil ich es noch nicht kann. Und weil ich weiß, dass es mich beim ersten Mal entsprechend Zeit kosten wird, nur weil ich mich orientieren und kundig machen muss.

Darüber hinaus wirkt sich das Gefühl, nicht genug zu wissen/etwas noch nie gemacht zu haben natürlich wieder immens auf unsere Zuversicht aus, etwas anzugehen und dranzubleiben. Denn solche Selbstzweifel erschweren es unter anderem, das eigene Tun einzuschätzen. Wie oft haben mir Kunden schon gesagt: „Ich weiß gar nicht mehr, ob das, was ich gemacht habe, gut oder schlecht ist. Sag dus mir!“

In der Regel gibts ein wildes Gemenge mehrerer, manchmal sogar aller Faktoren. Jetzt wird sehr viel klarer, warum selbst, wenn wir es schaffen, die Prioritäten goldrichtig zu setzen, das nicht bedeutet, dass wir danach handeln. Bei einigen Vorhaben bremsen wir uns mit gewaltigen Folgen aus.

Dieser Müllwagen blockiert dir dein ganzes Business

Ein Projekt, das man ewig im Genick sitzen hat, nervt. Es kostet ein Vielfaches an Aufwand und Zeit, es immer mal wieder anzugehen und dann wieder lange zu pausieren.

Doch wenn es ein Vorhaben ist, das eine hohe Priorität für dein Business hat, blockiert es dein Vorwärtskommen wie ein Müllauto: Es steht dick und fett im Weg, man kommt rechts und links nicht dran vorbei und alles, für das du das fertige Projekt brauchst, staut sich dahinter.

Darüber muss man sich wirklich klar sein, wenn man eine Sache wieder und wieder auf die lange Bank schiebt.

Wünschst du dir Unterstützung? Dann schau dir meine Projektbegleitungen an!