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Der Zeichenkurs

Vor einigen Jahren habe ich mit dem Zeichnen angefangen. Nach einigen Monaten sahen die Bilder auf meiner Business-Website so aus – und ich war mächtig stolz!

Ich habe mich mit recht ungelenken Zeichnungen rausgetraut und bin durchs regelmäßige Produzieren mit der Zeit immer besser geworden. Dazu kommt: Gerade weil die Männchen alles andere als perfekt sind, sind sie sympathisch. Außerdem sah meine Website so viel mehr nach mir aus, als wenn ich irgendwelche glatten Agentur-Illustrationen verwendet hätte.

Eines Tages dachte ich mir: Ich könnte ja einen Zeichenkurs geben!

Ich sprach den großartigen Leiter eines VHS-Standortes hier in München an, und der hat erstaunlicherweise mitgezogen, obwohl das eigentlich eine absurde Idee war: Ganz offiziell einen Zeichenkurs ausschreiben für Leute, die zeichnen können möchten – und wo dabeisteht, dass die Leiterin es auch nicht sonderlich kann.

Tatsächlich war das der Clou: Es ging explizit nicht um Technik oder Perfektion, sondern darum,

  • sich einfach mal zu trauen,
  • rumzuprobieren ohne Hemmungen,
  • Spaß zu haben!

Der eigene Stil

Diese Zeichenwoche ist der schönste Workshop meiner zwanzigjährigen Selbstständigkeit gewesen: Wir waren eine tolle Truppe, die einfach nur gemacht hat.

  • Es waren TeilnehmerInnen dabei, die richtig gut waren (viel besser als ich!), und das hat die Gruppe total bereichert – und umgekehrt hat das lockere Rangehen, das Einfach-mal-machen, bestimmte Blickwinkel, Aufgaben oder Ideen reinkommen zu lassen, die Könner befeuert.
  • Was mich heute noch begeistert: Bereits am ersten Tag hat sich bei allen ein völlig eigener Stil gezeigt. Es gab einen Wiedererkennungswert, der überhaupt nichts damit zu tun hatte, wie technisch „gut“ die Bilder waren.
  • Wir haben alleine gezeichnet, gemeinsam angeschaut, was wir vollbracht haben – ohne zu kritisieren oder zu bewerten. Wir haben miteinander gemalt. Wir haben Sprichwörter illustriert. Wir haben uns kaputtgelacht und bewundert, wie unterschiedlich man was angehen kann. Wir haben uns gegenseitig geholfen, wie man was machen könnte.

Durch dieses Sich-jeden-Tag-vielseitig-ausprobieren, war es möglich, einfach nur zu tun.

Ich als Trainerin musste nichts besser können als meine TeilnehmerInnen. Es war sogar gut, dass ich es nicht konnte! Denn so bin ich immer mit ungelenken Zeichnungen schon mal in Vorleistung gegangen – einige habe ich mitgebracht oder ich habe spontan an der Flipchart irgendwas ausprobiert. Ist zufällig was gut gelungen, habe ich selbst gestaunt und mich gefreut. Hab ich totalen Käse gezeichnet, haben wir uns zusammen amüsiert.

Meine Aufgabe war lediglich, ein wenig Struktur reinzubringen – Aufgaben und Ideen in den Raum zu werfen, den Workshop durchzutakten. Der Rest durfte sich völlig frei entwickeln.

Weniger Hürden, mehr trauen!

Ich lege allen ans Herz, mehr auszuprobieren. Einfach so. Wir lernen nicht nur durchs Tun, sondern wir ermöglichen eine Fülle von Dingen, wenn wir nicht alles durch die Leistungsbrille betrachten. So setzen wir bei uns – und anderen – sehr viel mehr frei.

Vor allem stärkt das Ausprobieren enorm die Zuversicht, denn nur durchs Tun merken wir, was uns Freude macht und wie wir vorankommen. Oft ist das, was wir selbst erschaffen, so viel schöner als das, was andere als perfekt vormachen.

 

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Warum sind wir nicht konsequenter ... kriegen den Arsch nicht hoch oder machen Dinge, von denen wir wissen, dass sie uns bremsen? - Ist doch immer wieder interessant, sich da selbst auf die Schliche zu kommen. PS: Vom Hadern halte ich ganz und gar nichts!