Ein Klavier! Ein Klavier!

Ein Musikinstrument gelernt, habe ich noch nie. Klar, als Kind ein wenig Blockflöte. Als Teenager habe ich mir ein orange-glänzendes Schlagzeug für 1 000 Mark gekauft, die mir mein Bruder vorgestreckt hat, und hatte das Glück, dass ich im Keller üben durfte. Wir haben damals direkt an der Landesgrenze zu Österreich gewohnt, da rauschte im Hintergrund nonstop der Straßenlärm und die Nachbarn waren relaxt, wenn ich ein Stünderl zu laut aufgedrehter Musik getrommelt habe. So richtig gelernt habe ich Schlagzeug nicht. Und ich war nie besonders gut.

Jetzt, nach dem Umzug, bietet sich mir die Gelegenheit, Piano zu lernen:

Als erstes habe ich mir hilfsweise die Tasten beschriftet. Ich kann nicht auf alles gleichzeitig achten! Dann hab ich mich auf youtube umgesehen, welche Lehrer mir liegen. Auch virtuell kommts ja drauf an, dass die Chemie stimmt, die Art zu lehren und die Übungen einem passen.

Was mir hilft

Klavier fand ich immer schön, aber sauschwer. Eine Schulfreundin von mir hat Orgel gespielt, da war ich höchst beeindruckt von wegen linke Hand dies und rechte Hand das und dann waren da noch Pedale. Waaaaah!

So richtig vorstellen, dass ich mal Klavierspielen kann, kann ich mir noch nicht.

Aber ich habe drei Dinge, die mir sicher helfen:

  • Ich tippe seit der 7. Klasse Realschule im Zehn-Finger-System, und das fast täglich. Das Prinzip von Körperhaltung, Grundstellung und Finger-Tasten-Fertigkeit habe ich verinnerlicht.
  • Singen kann ich nur schräg, aber mein Rhythmusgefühl ist gut und ich kann ganz gut bei Klängen hören, wenn was verkehrt ist.
  • Die ganzen Flow-Art-Sachen der letzten Jahre (Reifen, Stäbe, Poi) und das Jonglieren haben stets rechte und linke Hand gefordert.

Trotzdem ist Klavier eine eigene Liga für mich, denn hier müssen Finger und Hände teilweise  gleichzeitig komplett unterschiedliche Dinge machen.

In der ersten Woche habe ich nur gestern nicht geübt, sonst jeden Tag. Und da ich mit Schlagzeugbeats spiele, macht mir das so einen Spaß, dass ich durchschnittlich etwa eine Stunde dran bin.

Das war gut so, denn bei den Tonleitern ist bereits das Überkreuzen der Finger eine Herausforderung. Also erst mal jede Hand separat geübt, bis es ging und zwischendurch mit beiden Händen gleichzeitig probiert. Heute klappt es bis auf wenige Schnitzer schon hervorragend beidhändig, ohne hinschauen und mit wechselndem Tempo

Dazu kommen derzeit nur eine kleine Fingerübung, bei der fünf aufeinanderfolgende Tasten möglichst geschmeidig und mit sich steigerndem Tempo rauf- und runtergespielt werden. Und die vier populärsten Akkorde mit zugehörigem Grundton der linken Hand.

Da ich jemand bin, der sich lieber ausgiebig an den Grundlagen aufhält, wird das jetzt eine Weile so gehen, bis es sitzt, die Finger locker sind und nicht mehr so schnell müde werden.

Heute konnte ich die Tastenbeschriftung entfernen – bis auf einer Stelle das F, G, A, H. Da muss ich noch ein wenig spicken.

Nach der ersten Woche bin ich recht motiviert. Wie immer: Je regelmäßiger man sinnvoll übt, desto mehr hilft das Hirn mit. 🙂

Update: 18. April

Zwei weitere Wochen. Ich bin ja, wie einige von euch wissen, ein Basics-Fanatiker. Darum übe ich jeden Tag – je nach Lust und Laune unterschiedlich lange – Grundlegendes:

  • Die Tasten kenne ich jetzt.
  • Ich übe drei verschiedene Tonleitern, C, D und F Dur, sodass eine bzw. zwei schwarze Tasten mit dabei sind. Die gehen mittlerweile beidhändig, wenn auch noch nicht superflüssig.
  • Mit den vier Akkorden spiele ich vielfältig rum. Da klappen das Beidhändige und der Wechsel recht gut. Ich variiere bereits zaghaft mit verbindenden Tönen. Hört sich sehr schön an.
  • Vor allem Rechts-Links-Koordination und dass die zwei Hände was Unterschiedliches machen war natürlich anfangs schwierig. Das geht jetzt schon deutlich besser, wobei die linke Hand sich schwerer tut, wenn sie „führt“. Nicht überraschend, weil meine Rechte die Stärkere ist.

Haha, wie die Tasten des Keyboards krachen! Normalerweise habe ich Kopfhörer auf, da höre ich das nicht so.

Die Orgelfreundin, von der ich oben gesprochen habe, hat mir mit 11 Jahren die Melodie von Yesterday gelernt. Die konnte ich mit etwas Spicken in einem Video wieder aus meinem Gehirn kramen und da die rechte Hand die Melodie kann, habe ich direkt mal versucht, mit Akkorden zu spielen. Das klappt! Natürlich mit viel Überlegen und Stocken, weil da doch viel Akkorde und ständiger Wechsel dabei ist. Das hört sich dennoch wie Klavierspielen an. 🙂

Update: 22. Juni

Ganz vergessen, den aktuellen Stand zu posten. Ich bin noch dran. Da ich ein Fan von Basics bin, mache ich nach wie vor regelmäßig Finger- und Hand-Koordinations-Übungen aller Art und merke einen großen Sprung. Es geht wesentlich lockerer und flüssiger.

Mittlerweile kenne und kann ich die Dur-Tonleitern – jeweils einhändig und mit beiden. Das klappt auch schon fast fehlerfrei, was bei einigen gar nicht so einfach ist. Die Herausforderung sind die schwarzen Tasten (im Merken und wenn sie ausgerechnet da sind, wo man die Finger überkreuzen muss).

Fühlt sich sehr gut an, dass die Finger so schön locker sind jetzt. Das freut mich immer ganz besonders, denn davon profitiere ich auf jeden Fall – selbst wenn ich mich entscheiden sollte, nicht am Klavier dranzubleiben.