Feedback ist gut, aber du bist entscheidend!

Ob und wie gut du an etwas dranbleibst, kann auch davon abhängig sein, welches Feedback du bekommst. Ich habe immer wieder Selbstständige erlebt, die sich von Feedback verunsichern, vom Kurs abbringen oder gar entmutigen lassen.

Nicht weniger schlimm ist es, wenn man versucht, es allen recht zu machen – denn dann kommt am Ende ein elendes Flickwerk an Verschlimmbesserung heraus, das meistens mit der Person dahinter nicht mehr viel zu tun hat.

Frag dich: Wieso willst du überhaupt Feedback?

Das ist die Frage aller Fragen. Denn nur wenn du weißt, warum du dir Feedback wünschst, kannst du entscheiden,

  • ob du es wirklich willst/brauchst,
  • wann der beste Zeitpunkt dafür ist
  • und an wen und wie du rangehen kannst, damit du wirklich etwas davon hast.

In meinem Schreibblog habe ich eine zweiteilige Artikelserie rund um TestleserInnen geschrieben, das das alles näher aufgreift. Auch wenn es dort beispielhaft um Feedback für ein Buch geht, gelten alle angesprochenen Prinzipien genauso für andere Projekte.

Mir ist wichtig, etwas zu betonen, an das ich manche Kunden in Coachings erinnern muss: Du bist die Chefin/der Chef deines Unternehmens! Du hast volle Gestaltungsfreiheit und immer das entscheidende Wort. Nun ist es bei eigenen Projekten oftmals so, dass sie unausgegoren sind. Oder dass du dich an Neuland heranwagst, also noch gar nicht so die Ahnung hast. Das kann verunsichern, sodass du dich eher an jemandem orientierst, der dir da etwas voraus hat.

Schwierig wird es, wenn es kein Orientieren, sondern ein Übernehmen wird. Wenn du also den Schreibstil von jemandem kopierst, obwohl er dir gar nicht entspricht. Oder dich von wem beraten lässt, der es deiner Ansicht nach besser weiß und deine eigene Meinung (oder Gefühl) unterdrückst. Was ich über die Jahre immer wieder gehört habe: Dass Selbstständige sich ihre Außendarstellung teuer machen haben lassen, aber unterm Strich nicht glücklich damit waren. Dann hatten sie eine vollprofessionelle Website, die Tausende von Euro gekostet hat, doch sie fanden sich darin nicht wieder. Oder sie hatten mehrere Kartons Werbeflyer herumstehen, die sie nicht rausgeben wollten.

Wenn es gut läuft, können dir andere nützlichen Rat und wertvolles Feedback geben. Doch der Unterbau deines Schaffens muss immer dein eigener Standpunkt sein.

„Ich will es aber so!“

Hin und wieder fragt mich mein Mann um Feedback, wenn er Fotografien oder ein künstlerisches Projekt macht. Gut dabei ist, dass er dennoch immer eine klare Vision hat. Er hört sich an, was ich sage. Nimmt auf, was ihm sinnvoll erscheint. Korrigiert manchmal etwas, das er besser findet. Aber immer wieder gibt es Dinge, wo er gleich sagt: „Nee, das bleibt so.“

Das finde ich super. Ganz nebenbei erleichtert mir das, ihm ehrliches Feedback zu geben, weil ich sicher weiß, dass ich ihn damit nie verunsichere. Er hat eine klare Vorstellung davon, was er gut findet und wie er ein bestimmtes Projekt haben will.

Das ist übrigens besonders wichtig, wenn du mit jemandem gemeinsam an etwas arbeitest, allem voran mit Kunden. Es lohnt sich, offen zu bleiben. Es ist durchaus teilweise ein Muss, auf Feedback mit Änderungen einzugehen. Doch wir wissen alle, dass nicht jeder Kunde, der mitredet, auch eine Ahnung hat. Unterm Strich sind wir, die Externen, jedoch für die Ausführung und teilweise das Ergebnis unmittelbar verantwortlich. Wir brauchen hier einen klaren Standpunkt, damit wir unterscheiden können:

  • Das ist verhandelbar,
  • jenes hätte ich zwar lieber gelassen, ist aber nicht so tragisch, das zu ändern
  • und da muss ich etwas mit guten Argumenten (und manchmal mit Klauen) verteidigen, weil das, was der Kunde da an Feedback gibt, einfach fachlich Käse ist oder dem Ergebnis weh tun würde.

Die Frage aller Fragen bei Projekten ist: Kenne ich mein Wie-was-warum? Habe ich einen Standpunkt und eine klare Vorstellung davon, wie es sein soll? Wer sich das fragt, gibt sich die Möglichkeit, nachzuschärfen. Denn oft fehlt es sozusagen am Gesamtkonzept: Da wird vorschnell ins Umsetzen gesprungen, aber das „große Ganze“ ist noch total schwammig.

Wer Klarheit hat, kann Feedback einordnen, darauf eingehen und es nutzen. Oder auch nicht.

Wenn ich EinzelunternehmerInnen erinnere, dass sie bei all ihren eigenen Projekten die einzig relevante Entscheidungsinstanz sind, folgt ein Aufatmen. Gerade wer viel Feedback einholt, wird überschüttet von kleinen und großen, sich teilweise widersprechenden – weil subjektiven – Ansichten. Genau diese Subjektivität ist dein Trumpf in der Selbstständigkeit: Du bist das Maß aller Dinge. Zumindest derer, die dich, deine Selbstdarstellung und dessen, was dir wichtig ist, betrifft.