„Für andere kann ichs!“

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dir ein „Für andere kann ichs!“ schon mal herausgerutscht ist. Als DienstleisterIn hast du diesen Satz – wie ich – vermutlich viele Male von deinen Kunden gehört:

  • Der Texter, der für die eigene Selbstdarstellung einen Text-Kollegen braucht.
  • Die PR-Frau, die reihenweise Kunden in die Medien bringt, aber das eigene Unternehmen nicht.
  • Der Arzt, der Patienten zu gesünderer Lebensweise führt, aber selbst schlecht isst und sich kaum bewegt.
  • Die Mediatorin, die gelassen und objektiv Streit schlichtet, aber zu Hause Dauerknatsch hat.
  • Der Coach, der sich selbst im Weg steht, aber ein Meister darin ist, die Probleme anderer zu lösen …

Das kann ganz schön frustrierend sein, weil man den eigenen Erwartungen nicht entspricht, sich im Extremfall plötzlich als unfähig erlebt.

3 Gründe, warum wir uns bei anderen leichter tun

Atme tief durch! Es ist gar nicht tragisch, wenn du für dich selbst manchmal irgendwie vernagelt bist. Das ist völlig normal, denn wenn wir für andere tätig werden, ist unsere Situation völlig anders:

1. Wir sind nicht persönlich betroffen

Das Anliegen anderer ist für uns ein einzelstehendes Projekt. Wir können uns auf diese eine Sache konzentrieren. Wir gehen sachlich an die Fragestellung heran und können dadurch ganz nüchtern analysieren und fokussiert vorgehen.

Beispiel: Ein Grafiker macht ein Logo für einen Kunden. Er konzentriert sich auf Wirkung, Branche, Eigenheiten und macht sich an die Arbeit. Bei einem eigenen Logo geht es für ihn um sehr viel mehr. Jetzt kommt die ganze Wucht der Selbstdarstellung zum Tragen. Bin ich das? Oder lieber so? Will ich so wirken? Lege ich mich fest? …

2. Als Außenstehender hat man kein Wirrwarr im Kopf

Als unbeteiligter Dritter bekommen wir nur die Informationen, die uns andere geben – und die wir gezielt erfragen. Ist man selbst beteiligt, feuern die Synapsen: Ideen, Zusammenhänge, Erfahrungen, was wir irgendwo gehört und gelesen haben, angenommene und tatsächliche Erwartungen (eigene und die anderer) … all das bricht auf uns herein.

Jetzt kommt es darauf an, wie gut du in der Lage bist, diese Gehirn-Flut zu kanalisieren, anzusehen, einzuordnen. Gerade die mahnende oder gar kritisierende innere Stimme lässt zweifeln und zögern.

Gehst du eher in dieser Gehirn-Flut unter? Dann bist du in bester Gesellschaft:

  • Zum einen ist das strukturierte Vorgehen nicht jedem in die Wiege gelegt (nicht umsonst ist Coaching und Beratung so ein großer Geschäftszweig geworden).
  • Zum anderen spielen sich Emotionen und angenommene Konsequenzen in den Vordergrund.

3. Wir müssen die Konsequenzen nicht tragen

Der Spruch „leichter gesagt als getan“ stimmt schon! Die PR-Frau oben kann den perfekten Plan aufstellen, aber letztlich sind es ihre Kunden, die plötzlich Fernsehinterviews geben und nicht sie selbst. Der Coach empfiehlt, den ungeliebten Job zu kündigen – aber selbst muss er das nicht tun.

Du kennst das bei gutem Rat im Freundeskreis: Wenn dein bester Freund eine lausige Beziehung hat und gar nicht mehr er selbst ist, ist es vielleicht sogar ihm klar wie Kloßbrühe, dass er sich trennen sollte. Aber du bist es nicht, der diesen Schritt mit all seinen Konsequenzen gehen muss.

Übrigens sind diese Gründe oft Auslöser für vermeintliche Beratungsresistenz. Die Freundin, die immer jammert und um Rat bittet, und dann doch nichts ändert. Kunden, die ständig ein „ja, aber“ auf den Lippen haben. Meistens geht es nicht um den Rat an sich, sondern um einen – oder alle – dieser drei unterliegenden Gründe.

Also sei nicht enttäuscht, wenn du an etwas knabberst, das du bei anderen spielend lösen kannst. Sei lieber so schlau, dir jemanden zu holen, der dir auf die Sprünge hilft. Das kann ein Profi sein. Oder es ist jemand aus deinem Umfeld. Es muss nicht mal ein Ratgeber sein. Oft reichen strukturierende Fragen völlig aus – besonders, wenn es sich um Entscheidungen handelt, bei denen du aus deinem Fachbereich schöpfen kannst.