Die Sache mit dem Brennen

Ja, es ist schön, wenn man so richtig Feuer und Flamme für was ist. Doch ich muss sagen: Mit diesem „Brennen müssen“, das gerne kolportiert wird, habe ich seit jeher ein riesengroßes Problem.

Du musst gar nix!

Hey, wenn jemand voll überzeugt und begeistert ist, wenns aus der eigenen Sicht nichts Besseres gibt, ist das wunderbar. Aber es ist meiner Ansicht nach überhaupt keine Voraussetzung für irgendwas.

Ich kann wunderbar

  • andere überzeugen,
  • erfüllt von meiner Arbeit/einem Thema sein,
  • nen tollen Job machen,
  • und einen Funken überspringen lassen,

ohne, dass ich gleich „brennen“ müsste.

Hier wird eine übertrieben hohe Latte gelegt, die nicht nur unnötig ist, sondern dazu führen kann, dass Leute sich den Boden unter den Füßen wegziehen lassen.

Tja, wenn was nicht geht, liegts daran, dass ich nicht genug brenne. 

Ich bin nicht die Person zu sowas, ich gehe die Dinge nüchterner, zurückhaltender, anders an. Also hab ich nie eine Chance!

Oder Sie stecken ihre ganze Energie in Bücher, Coachings und Seminare, die sich um den inneren Enthusiasmus drehen, um es mal salopp auszudrücken: Dann wird ergründet, wofür man denn nun brennen könnte – obwohl ein absolut perfektes Anliegen/Thema schon da ist.

Ich bin seit jeher für Substanz und Stimmigkeit.

Klar soll man machen, was zu einem passt – aber dazu gehört nicht nur, was man will, was einem selbst wichtig ist … sondern eben auch das WIE: Wie bin ich und wie will ich es angehen?

Ja, es gibt Menschen, die übersprudelnder und ansteckender sind. Und ja, es gibt manchmal Dinge, die einen derart mitreißen, dass man richtig Rückenwind spürt.

Allerdings kann die Brennerei eine schädliche Nebenwirkung haben.

Das Missionieren

Ob aus Übereifer oder weil von allen Seiten suggeriert wird, dass die Funken überspringen müssen:

Bestimmt kennt jeder – beruflich wie privat – die unangenehme Situation, wenn es ins Extrem kippt. Wenn Leute so Feuer und Flamme für eine Sache sind, dass sie …

… nur dieses eine Thema haben. Alles dreht sich nur noch um das, von dem der andere begeistert ist, man wird vollgelabert, zuargumentiert und fühlt sich bedrängt.

… einen regelrecht belehren, was man unbedingt tun/lassen/ausprobieren muss.

… und wenn man nicht der gleichen Meinung ist oder abdrehen will, dann wird die Anti- oder Selbst-schuld-Karte gespielt.

Mitunter ist man inhaltlich sogar interessiert, doch die Person mit ihrer überschwänglichen Dominanz ist einem einfach zu viel.

Daher: Für Substanz und Stimmigkeit!

Wenn du „brennst“: Super! Solange du auf die Brandgefahr des Missionierens achtest.

Wenn du etwas für dich gefunden hast, das sich rundum stimmig anfühlt, ist das absolut okay. Du brauchst nicht zu brennen!