Gegensteuern, wenn Social Media runterzieht

Vor einigen Monaten habe ich Twitter gelöscht, wo ich viele Jahre sehr gerne war. Ich habe gemerkt, dass mich die Hashtags zu sehr aufregen. Mein Menschenbild wurde zunehmend getrübt. Es hat mir mehr schlecht als gut getan.

Bewusst die Timeline zusammenstellen

Schon immer folge ich auf Social Media sehr selektiv danach, was ich in meiner Timeline sehen will. Das ist der Grund, warum ich einigen von euch nicht zurückfolge, sogar, wenn wir uns kennen und mögen. Ich habe schon immer zwei Grundsätze bei Social Media:

1. Ich möchte alles wahrnehmen können. Genau, wie ich mich im „echten“ Leben lieber mit einigen wenigen Menschen treffe, um qualitative Gespräche zu führen, mochte ich schon immer gerne meine Timeline möglichst komplett verfolgen können. Auch wenn Algorithmen das zunehmend erschweren. Darum folge ich nicht automatisch zurück, sondern schaue mir an, was so gepostet wird und ob mich das auf dieser Plattform wirklich interessiert.

2. Je nach Plattform habe ich einen bestimmten Grund, warum ich dort bin. Auf Instagram beispielsweise folge ich zu 80 % Tieren: Eichhörnchen, Flughunde-Rettungsstationen, Katzen, Hunden, Papageien. Wenn ich auf Instagram durch meine Timeline scrolle, habe ich stets ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Etwa, weil ich jeden Mittwoch einem Papagei beim Duschen zusehe:

 

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Der Rest meiner Timeline besteht aus Hoop-, Jonglier-, etc.-Videos. So lasse ich mich inspirieren, speichere mir ab, was ich üben möchte und bekomme nützliche Tutorials.

Bist du auch auf Social-Media-Plattformen? Dann spür mal hin, wie gut es dir tut, in der jeweiligen Timeline zu scrollen oder Hashtags zu lesen. In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass einige Leute komplett Schluss gemacht haben mit Social Media. Doch das muss gar nicht unbedingt sein: Einfach mal überprüfen, ausmisten, neu ordnen, anderen Content reinlassen – schon mit kleinen Änderungen fühlt man sich wieder sehr viel wohler.

Bewusst auf Vorschläge klicken!

Der Algorithmus bringt „mehr desselben“ – wie schnell das geht, sehe ich immer auf meiner youtube-Startseite: Dort schaue ich viel über Musik, Film, Tierrettungsvideos, Hoopen, Kriminalität, Psychologie, etc. – aber passe sehr genau auf, dass ich nicht versehentlich auf Videos klicke, die mich ins ungute Rabbit Hole [Wikipedia] ziehen. Denn sonst hätte ich auch hier schnell den Effekt, dass mir bereits beim Öffnen der App lauter ärgerliche Videos entgegenplärren.

Das bewusste Klicken hingegen gibt mir den Einfluss, die Richtung der Vorschläge zu steuern. So habe ich kürzlich den täglichen Stoiker entdeckt, der mir sehr gut gefällt.

Recherchiere ich doch mal über etwas, das mir eher Schrott in die Timeline spült, nehme ich mir ein wenig Zeit und klicke gezielt auf Kanäle, die meine Startseite wieder in die richtige Richtung bringen. Hier ist das schnelle Reagieren des Algorithmus ein Segen, weil die Zusammensetzung prompt korrigiert wird.

Social-Media-Plattformen sind das Paradebeispiel von Fremdbestimmung. Darum ist es umso wichtiger – je nachdem, mit welchem Ziel du auf der jeweiligen Plattform bist -, deine eigenen Regeln zu haben und so viel Selbstbestimmung wie möglich auszuüben.