hätte

Hätte ich bloß!

Diese Bereuengeschichte leuchtet mir nicht ein: Da hadern manche Menschen ewig mit einer Entscheidung …

„Wenn ich damals nur X gemacht oder Y gelassen hätte!“

Klar ist es verständlich, sich hin und wieder mal zu wünschen, dass es möglich ist, die Zeit zurückzudrehen. Oder sich nachträglich in den Arsch zu beißen.

Doch erstens ist es nicht fair:

Rückblickend sieht man vieles anders

In dem Moment, wo wir uns für etwas entscheiden, stecken wir in einer bestimmten Situation, haben den Jetzt-Zustand unserer Gedanken + Gefühle und gute Gründe für oder gegen etwas.

Manchmal sind diese Gründe total überlegt, sie haben ihre Berechtigung. Sogar wenn es „nur“ Gefühle sind, also etwa einen Job ausschlagen, weil ein Wechsel mit Unsicherheit verbunden wäre. Oder Paare, die in einer miesen Beziehung bleiben, der Kinder wegen. Oder mutige Entscheidungen à la „No risk no fun“, die einem abverlangen, auch mal zu springen. Mitunter haben wir gerade einfach nicht den Nerv oder die Kraft, etwas zu tun oder abzulehnen, geschweige denn, uns um eine Alternative zu bemühen.

Nun läuft nicht immer alles nach unseren Vorstellungen und Hoffnungen:

  • Das Ziel, das du erreichen wolltest, ist vielleicht nicht oder nicht wie erwünscht eingetreten.
  • Vielleicht hat dich die Entscheidung richtig was gekostet – finanziell oder/und emotional.
  • Oder der aktuelle Punkt, an dem du stehst, ist nicht erfreulich.

Manchmal findet man eine mögliche Weiche, die vor dem liegt, das man bereut.

Hätte ich seinerzeit XY geheiratet, wäre ich …/Hätte ich den Mut gehabt, Z zu tun, dann … und schon malt man sich den weiteren Weg danach ideal aus. Dann wäre das Leben anders verlaufen. Dann hätte ich diese eine Entscheidung, mit der ich jetzt hadere, nie getroffen.

Nun sind die Dinge komplex. Es ist nie nur eine Sache, die für einen weiteren Verlauf verantwortlich ist.

Zweitens funktioniert das Leben so nicht: Alles hängt zusammen, weil jede Entscheidung zu vielen Dingen führt.

Man kann nicht isoliert etwas rauspicken und ein Ideal konstruieren

Hätte ich mit 18 einen Jugendfreund geheiratet, wäre ich am Heimatort geblieben und hätte mit Mitte 20 zwei Kinder bekommen, vielleicht wäre ich Oma mit lauter Enkeln und wir würden gutes Geld mit einer Ferienwohnung verdienen und Silberne Hochzeit feiern …

Ach? Wäre das so verlaufen? Oder:

Wäre einer von uns fremd gegangen oder die Ehe längst geschieden? Hätte uns ein Unfall aus der Bahn geworfen? Hätten wir gebaut und ich wäre bis an mein Lebensende verschuldet, weil einer von uns arbeitslos geworden ist? Oder wären wir in die Stadt gezogen, vielleicht ausgewandert? …

Ich könnte jede Menge Szenarien entwerfen, doch das muss gar nicht sein, denn wir alle wissen: Im Leben passiert andauernd etwas, vieles ungeplant.

Gerade die kleineren „Nebenwirkungen“ einer Entscheidung verändern uns und wie wir leben oft massiv. Was ist, wenn die Hauptgeschichte gar nicht die Familie oder der Beruf ist, sondern diese eine wichtige Freundin, die du nur deshalb kennengelernt hast, weil dir die vermeintlich so blöde Entscheidung die Gelegenheit dazu gegeben hat? …

Wir picken beim Bereuen gerne die Rosinen

Und wir blenden aus. Doch alles hängt zusammen.

Gibt es was, das du bereust? Wo du zumindest überlegst, „was wäre wenn“ …? Dann schau dir mal näher an, was du warum bereust.

Ist es diese Sache? Ist es der heutige Blick auf dich und dein damaliges Verhalten? Ist es eine Person, die du als negativ empfindest? Oder hat die Entscheidung für oder gegen etwas bedeutet, dass du dich hier und jetzt in einer Situation wiederfindest, in der du nicht sein willst – oder wo du die damalige Entscheidung, was hätte sein können, idealisierst?

Und was ist mit den Verzweigungen? Mit den Begegnungen, Entwicklungen, Highlights deines Lebens, die direkt daraus entstanden sind, oder die nach dieser Entscheidung kamen?