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Hast du etwas im Genick, das du schon ewig mitziehst?

Es gibt manchmal so Dauergäste auf der To-Do-Liste. Die machen es sich da bequem und harren aus. Wochen, Monate, ja, sogar Jahre! Das kann natürlich auch ein Vorhaben sein, das noch im Irgendwann-Stadium ist und ständig hinten im Hirn sitzt.

Laufen tut es – je nach Qualität – unter „sollte“, „wollte“ oder „müsste“, doch umgesetzt hast du es bisher nie, weil irgendetwas daran nicht passt. Schau dir das mal genauer an, denn es kann sein, dass du schon sehr gerne willst. Genauso gibt es aber längst überholte oder einfach zu lästige Projekte, bei denen es besser ist, sie in die Tonne zu treten. Oder sie ganz bewusst auf Eis zu legen.

Entlasten

Wann immer wir etwas ständig im Genick sitzen haben, belastet es. Wenn du tröpfelweise was dran machst, verursacht es Aufwand, und zwar wieder und wieder. Ich sehe das, wenn Kunden monatelang an ihrer Website arbeiten, einem Projekt, das von der Netto-Arbeitszeit in überschaubaren Stunden erledigt werden kann und das ich darum mit meinen Kunden innerhalb weniger Tage komplett durchziehe. Oder wenn jemand ein umfassenderes Projekt angefangen hat, aber andauernd im Stop-and-Go-Modus ist.

Alleine das Immer-wieder-in-die-Hand-nehmen, sich wieder Einfinden, nur um wenig zu tun und es dann wieder liegenzulassen, verursacht enormen Mehraufwand – und nimmt zudem den Schwung raus, den ein Projekt bekommt, wenn man dranbleibt.

Ich glaube, jeder kennt das unangenehme Gefühl eines unerledigten [oder vor sich hergeschobenen] großen Projekts, das nonstop schreit: „Du hast mich noch immer nicht erledigt! Du musst was an mir tun!“

Bei so hartnäckigen Dauergästen ist wichtig, eine klare Entscheidung zu treffen:

  • Will ich dich überhaupt noch?
  • Will ich dich so, wie du geplant warst?
  • Will ich dich jetzt?

Und ja: Die erste Entscheidung hat nicht mit „sollte“ oder „müsste“ zu tun, sondern nur mit dem Wollen. Denn im Wollen steckt die Motivation fürs Tun. Wenn du abcheckst, ob du überhaupt noch willst, erkennst du, ob das Vorhaben aktuell ist.

Warum will ich?

Die zweite Frage ist die nach dem Warum. Das ist der qualitative Teil des Wollens. Machen wir es greifbarer:

Eine Kommunikationstrainerin hat sich auf ein Gemeinschaftsprojekt mit einer Kollegin eingelassen: Sie wollen eine Online-Learning-Plattform zusammen aufziehen. Seit einem Dreivierteljahr laufen die Vorbereitungen. Neben dem Alltagsgeschäft wird ständig gezoomt und gemailt, doch so richtig vorangehen tut es nicht, dafür kostet es nonstop Zeit und Energie. Die Kommunikationstrainerin kann die drei Fragen durchgehen, indem sie ganz frisch von der Leber weg aufschreibt, wie sie die Sache sieht:

  • Will ich dich überhaupt noch? Ja, die Idee finde ich nach wie vor super, ich bin auch überzeugt, dass sie vielversprechend ist und sich lohnen wird.
  • Will ich dich so, wie du geplant warst? Nein, ich finde die Zusammenarbeit sehr mühsam, das ist mir zu viel Diskutiere und Umgewerfe mit der Kollegin.
  • Will ich dich jetzt? Theoretisch schon, aber praktisch habe ich gerade derart die Lust verloren, weil sich das so hinzieht, dass ich es nur halbherzig machen würde.

Hier wüsste unsere Kommunikationstrainerin, dass sie das Vorhaben prinzipiell noch will, jedoch die Begeisterung und Arbeit daran deutlich getrübt ist. Es ist wichtig, das zu unterscheiden, denn wenn etwas schon länger dümpelt oder/und als lästig oder ätzend empfunden wird, dann verschüttet das, was drunterliegt. Hier die Überzeugung zur Grundidee.

Die Kommunikationstrainerin sollte sich also zunächst auseinandersetzen mit ihrem WARUM FINDE ICH DIE IDEE GUT UND WILL ICH SIE PRINZIPIELL WEITERVERFOLGEN?

Aber losgekoppelt davon, wie es bisher ist. Es geht gerade nicht um die Zusammenarbeit und darum, wie es momentan ist. Es geht mal nur um das WARUM WILL ICH DIE IDEE DER LERNPLATTFORM REALISIEREN?

Wenn sie das klar kriegt, kann sie ihre Motivation für das Vorhaben wiederfinden. Es kann aber auch sein, dass ihr Warum nicht sonderlich stark ausfällt, dass sie merkt, da ist doch gar nicht so viel handfeste Überzeugung oder Nutzen dahinter. Das heißt: Selbst wenn man im ersten Augenblick, also ganz spontan sagt „ja ist super“ muss das nicht bedeuten, dass es so stark ist, dass man sich das Vorhaben wirklich weiterhin ans Bein binden möchte. Zumal größere Projekte immer flankierende Maßnahmen mit sich bringen.

Fällt die spontane Antwort negativ aus, also kommt sofort ein „Will ich dich noch?“ – „Nein!“, ist es ebenso wichtig, das Warum zu konkretisieren. Gerade bei Dingen, die schon lange im Genick sind, verliert man oft so die Lust, dass teilweise ein richtiger Widerwille aufkommt. Der wiederum kann verschütten, dass man eigentlich schon noch möchte, aber die Gründe und die Motivation dafür so sehr verschleppt hat, dass das Negative alles überdeckt.

Weg damit?

Diese drei Fragen und das nähere Konkretisieren des Warums helfen dir dabei, zu erkennen, was du Aussortieren willst. In dem Moment, wo sich hier Anzeichen zeigen, dass das Vorhaben bleibt – auch, wenn es derzeit auf Eis gelegt werden soll – geht es natürlich weiter mit dem Hinterfragen: Wie müsste es sein? etc.

Doch der heutige Artikel dreht sich ums Loslassen. Darum, unerwünschte Dauergäste auf der To-Do-Liste ad-acta legen zu dürfen – erst recht, wenn das Gefühl vorherrscht, das sollte ich eigentlich weitermachen, weil es Gründe gibt und vor allem, weil ich schon so viel an Aufwand, Nerven oder Geld investiert habe.

Es ist viel schlauer, etwas, das du nicht mehr willst, ad-acta zu legen, zumindest mit gutem Gewissen von der To-Do-Liste zu nehmen. Das kann mitunter bedeuten, dass du alles, was du bisher gemacht hast, in die Tonne trittst und neu beginnst. Das befreit und es setzt vor allem Energien frei.