Hat die Welt auf dich gewartet?

Das ist keineswegs eine rhetorische Frage. Antworte mal bitte, ob du (mit und für dein Business) denkst, die Welt hat auf dich gewartet:

o Ja
o Naja
o Weiß nicht
o Nein
o Eher nicht
o Hä?

Bevor du weiterliest, überleg bitte noch ein paar Minuten: Was genau meinst du damit?

Einfach mal eben auf einem Blatt Papier notieren und spontan etwas ausführen. Dabei bitte konkreter werden: Warum so ein deutliches JA oder warum ein EHER NICHT. Schreib ganze Sätze in der Ich-Form.

zum Beispiel:

o Ja, die Welt hat auf mich gewartet, weil …

o Natürlich hat die Welt nicht auf mich gewartet, das wäre ja ganz schön übertrieben, weil …

o Hä? Ich verstehe die Frage nicht, ich brauch doch gar nicht die ganze Welt für mein Business und …

Dann ergänze ein paar Sätze – frisch von der Leber weg. Das darf auch eine ganze Seite voll sein.

Ich warte solange.

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Fertig?

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Sieh dir die Qualität deiner Antwort an

Nun ist die Frage natürlich recht protzig gestellt: Die ganze Welt soll auf dich gewartet haben?

Heute geht es mir nicht darum, ob du Ja oder Nein gesagt hast, sondern um die Art, wie deine Antwort ausgefallen ist.

Hast du begeistert losgeschrieben und enthusiastisch beantwortet, warum die Welt tatsächlich auf dich gewartet hat, weil du etwas zu sagen, zu bieten hast oder ganz einfach großartig bist?

Hast du eher mit der Frage gehadert und sie relativiert? „Naja, die ganze Welt vielleicht nicht, aber … und es reicht doch, wenn … Oder: … nicht nur auf mich, es gibt ja viele andere Leute, die das auch tun/wissen/können/wollen …

Hast du mit der Frage so gar nichts anfangen können, weil du sie übertrieben findest?

Vielleicht hast du die Aufgabe übersprungen und bist bereits am Weiterlesen. Was übrigens schade wäre, denn wenn du den Text jetzt komplett liest, kannst du die Erkenntnisse nicht mehr nachholen, weil deine Antwort nachträglich verfälscht wäre. Jetzt hast du noch die Möglichkeit, die Frage zu beantworten. 🙂

Ich warte solange.

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Fertig?

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Sehr schön.

Was da jetzt steht, besonders wenn du so richtig konkret geworden bist, sagt viel über dein Selbstbild aus. Da wir als EinzelunternehmerInnen immer auch unser Business sind, sagt es dir außerdem viel über dein Selbstbild als UnternehmerIn.

Unser Selbstbild beeinflusst alles

Die Frage, ob man als UnternehmerIn davon ausgeht, dass andere auf einen gewartet haben, ist eine ganz wichtige. Auch wenn du es vielleicht anders formulieren würdest, steckt darin nicht nur die grundlegende Frage „Gehe ich davon aus, dass andere mich und meine Leistung brauchen?“, sondern gleichzeitig der Außenbordmotor, dass du etwas Attraktives zu bieten hast.

Ich halte mich zum Beispiel für großartig.

Das heißt nicht, dass ich denke, ich sei in allem supertoll und der perfekte Mensch. Aber:

  • Ich WEISS, dass ich mit meiner Arbeit meine Kunden voranbringe.
  • Ich WEISS, dass ich schnell begreife, Zusammenhänge erkenne und Ideen habe, die andere in dieser Form nicht haben.
  • Ich WEISS, dass ich strukturell besonders gut bin.
  • Ich WEISS, dass mir immer sofort mehrere Optionen einfallen.
  • Ich WEISS, dass ich nie ein Blatt vor den Mund nehme und meine Empfehlungen differenziert begründen kann (auch wenn sie unpopulär sind).
  • Ich WEISS, dass meine unkonventionelle, witzige Art vielen total gefällt.
  • Ich WEISS, dass Leute, die mich blöd finden, etwas verpassen.

Ich kann meine Qualitäten sehr gut einschätzen, anerkennen und weiß, worin meine besonderen Stärken liegen, von denen alle, die mich beauftragen, profitieren.

Wir wissen alle, wie wichtig die eigene Überzeugung ist. Von sich überzeugt zu sein, ist etwas völlig anderes als Dampfplaudern. Wenn du also – wie ich – von deinen positiven Faktoren überzeugt bist, dann ist dieses Selbstbild natürlich begleitet von gesundem Realismus.

  • Ich WEISS auch, dass meine Art nicht für jeden ist.
  • Ich WEISS, dass es in einigen Disziplinen Anbieter gibt, die fachlich mehr auf dem Kasten haben.
  • Ich WEISS, dass ich an konkreten Aspekten meiner Leistung meine Grenzen habe.
  • Ich WEISS, dass ich diese und jene hinderlichen Eigenschaften oder mangelhafte Fähigkeiten habe.

Sprich: Unser Selbstbild soll selbstverständlich realistisch sein. Und doch hat es bei vielen Schlagseite. Vor allem die positiven Eigenschaften, Fähigkeiten und der selbstbewusste Stolz, der auf der Habenseite dieser Fähigkeiten liegt, sind leider oft unterentwickelt.

Vergiss „Eigenlob stinkt“ und halte es mit „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“! Wir Selbstständige brauchen ein gesundes Selbstbewusstsein.