wollte

„Ich bleibe konsequent dran, wenn mich was interessiert!“

Das hört man ja oft.

Kein Wunder. Entweder man bleibt dran, weil man muss – der berühmte Leidensdruck – oder es geht um was, dass man unbedingt schaffen will.

Die Weil-es-mich-interessiert-Dinge haben wiederum eine ganz eigene Qualität.

Ich bin ja eine Freundin des differenzierten Hinsehens und lade euch wieder mal ein, die Lupe auszupacken. Die Lupe der Selbsterkenntnis! LOL Denn nicht jedes Interessiert ist gleich beschaffen. Eben habe ich das mal für mich genauer aufgedröselt.

Damit der Blogartikel nicht zu lange wird, belasse ich es bei Kategorien von Gründen:

Es gibt Dinge, die mich interessieren, weil ich sie einfach gerne mache.

Gern mache ich in der Regel Sachen, die ich gut kann. Dann interessiert es mich, weil ich es entweder einfach mag, es zu tun (es mir zumindest nichts ausmacht). Oder ich möchte in dieser Sache weiterkommen.

Hier habe ich glücklicherweise schon vor langer Zeit gelernt, dass das gerne Machen und Weiterkommenwollen meist erst etwas später kommt, wenn ich mich durch die stockend verlaufende, mitunter ein wenig frustrierende Anfängerphase gebissen habe. Früher habe ich etwas Neues ausprobiert und dann schnell das Handtuch geworfen und mir bescheinigt „das ist nichts für mich“/“das kann ich nicht“ oder „es macht mir keinen Spaß“. Doch am Anfang ist fast alles etwas beschwerlich, man stellt sich blöd an oder es ist zumindest mit so viel Konzentration verbunden, dass es zunächst gar nicht rund und mühelos laufen kann. Bei Bewegungsdingen [Sport, Tanz, jonglieren u. Ä.] und auch bei Sprachen etc. sind Körper und Geist nicht auf Anhieb bereit, sie müssen erst einen gewissen Stand erreichen dürfen, bevor es flüssiger wird und sich ein „Ich machs so gerne!“ einstellen kann.

Es gibt Dinge, die mich interessieren, weil es mir darum geht, eine Lücke zu schließen, die ich gerne schließen will.

Das kann ein Dranbleiben sein, um inhaltlich mehr zu erfahren, besser zu verstehen. Oder es geht um eine Fähigkeit, die ich gerne können will. Weil ich mir eingebildet habe, etwas zu meistern, das ich mir toll vorstelle. Zum Beispiel wollte ich früher mal relaxt vor Hunderten von Leuten Vorträge halten [was ich erreicht habe, obwohl ich zuvor in Vorstellungsrunden, wo ich nur meinen Namen sagen musste, einen Herzkasper hatte]. Und ich will unbedingt mal auf den Händen laufen können. Wem es ein Bedürfnis ist, eine Lücke zu schließen, der bleibt ebenfalls eher dran.

Darunter fallen neben Wissens- auch Blickwinkel-Lücken. Es geht mir dabei gar nicht immer darum, großartiges Fachwissen zu erwerben oder meinen Standpunkt zu korrigieren (auch wenn ein ausgewogener Blick manchmal dazu führt). Sondern so prinzipiell habe ich den Anspruch an mich, dass ich nicht zu verbohrt bin. 🙂

Ich mag es, blinde Flecken in Ansichten oder Vorgehensweisen bei mir zu erkennen und ich übe mich gerne darin, offen für andere Sicht- und Herangehensweisen zu bleiben, andere Standpunkte nachvollziehen zu können, selbst wenn ich sie für mich als nicht erstrebenswert finde. – Was nicht heißt, dass das leicht fällt, geschweige denn sofort gelingt. Hier bedeutet Dranbleiben etwa, dass ich mich anderen Meinungen regelmäßig aussetze, versuche etwas nachzuvollziehen. Es geht also nicht unbedingt um eine bestimmte Sache oder Person, sondern teilweise bleibe ich dran, indem ich mich zu verschiedenen Anlässen einem Prinzip aussetze, um mich in bestimmten Situationen zu erleben, damit ich mich in dieser Beziehung besser kennen lerne + dadurch nach und nach besser managen kann.

Es gibt Dinge, die mich interessieren, weil ich Blut geleckt habe.

Das setzt auf den beiden eben erwähnten Aspekten auf: Egal, ob es um ein bestimmtes Thema geht oder darum, etwas zu können – manchmal kommt der Punkt, wo man merkt „uuu, das ist spannender, als ich dachte, da will ich noch mehr eintauchen“ oder diese Momente, wo man einen noch so kleinen Fortschritt spürt und denkt „Ha! Ich kann das können!“ oder „Jetzt habe ich prinzipiell verstanden, wie es sein muss und fühle mich motiviert, dass ich endlich richtig üben kann, weil ich das Prinzip verstanden habe“.

Es gibt Dinge, die mich interessieren, weil ich mir was beweisen will.

Das ist dann teilweise eine Trotzreaktion à la „Wäre doch gelacht!“, „Ich habe schon ganz andere Sachen gemeistert!“, „Da beiß ich mich jetzt durch!“, „Wenn der/die das kann, kann ich es auch!“. Gleichzeitig sind das oft Sachen, die ich als sehr schwierig empfinde, wo das Aufhören oder Pausieren mitschwingt.

Darunter fallen Vorhaben, wo jemand einem bescheinigt hat, dass man das „eh nicht kann“/“unbegabt ist“ oder sonstwie entmutigt wurde und sich ein „Stimmt das überhaupt?“, „Jetzt erst recht!“ oder „Dir zeig ichs!“ einstellt.

Es gibt Dinge, die mich interessieren, weil ich sie als Zwischenstufe für was anderes brauche, das ich erreichen möchte.

Wer in einem internationalen Unternehmen arbeiten will, muss vielleicht seine Englischkenntnisse aufpolieren. Wer im Zirkus auftreten möchte, muss an seiner Flexibilität arbeiten. 🙂

Solche Zwischenstufen werden oft unterschätzt oder gezielt ausgelassen: Man will schneller vorankommen und überfordert sich heillos, was ein weiterer Grund ist, warum man etwas schnell wieder bleiben lässt. Unter anderem deshalb ist es so wichtig, zu erkennen, worum es dir genau geht: Denn dann kannst du gezielt einen Gang runterschalten und dranbleiben, um dann die nächste Stufe des Vorhabens überhaupt erst meistern zu können – oder es dir leichter zu machen. Wie gesagt: Was leicht fällt, macht man in der Regel gerne.

Knöpf dir konkrete Vorhaben vor, …

… bei denen du früher oder aktuell mühelos oder einfach motiviert drangeblieben bist. Es ist besser, dich an konkreten durchgezogenen Interessengebieten, Fähigkeiten und Projekten entlang zu hangeln als in den von mir aufgezählten allgemeineren Kategorien vorzugehen.

Deine Liste kann natürlich andere Punkte enthalten, z. B.:

  • Ich bleibe an Sache X gerne dran, weil ich mich schon viele Jahre damit befasse, mir Know-how und Erfahrung angeeignet habe und liebe, das Erworbene jetzt zu nutzen und weiterzuführen.
  • Ich probiere mich leidenschaftlich an Sache Y aus, weil mir früher verboten wurde, mich einzuarbeiten/es auszuüben. Jetzt freue ich mich über die Freiheit und Selbstbestimmung.
  • Ich bin konsequent bei Sache Z, weil ich es für andere Menschen einsetzen kann/es für jemanden, der mir wichtig ist, tue, um …

Näher hinsehen!

Ich finde es aus drei Gründen wichtig, sich der Qualität des „da bleib ich dran, weil es mich interessiert“ bewusst zu machen:

Es schult das differenzierte Hinsehen. Das ist immer ein Gewinn, denn dadurch lernst du, konkret zu werden, was die Grundlage dafür ist,

die Sache konsequenter und motivierter durchzuziehen: Wenn du besser den Finger drauflegen kannst, warum dich was so interessiert, kannst du das für dich nutzen: Alleine das Erkennen hält weiter bei der Stange. Es verstärkt das Commitment, weiterhin dranzubleiben.

Außerdem lässt sich die konkrete Erkenntnis, warum dich was interessiert und zum Dranbleiben bewegt, auf andere Vorhaben/zu meisternde Fähigkeiten übertragen. Wenn ich wo bisher nicht dranbleibe oder gerade einen Durchhänger habe: Wie kann ich einen oder mehrere Aspekte, die mir woanders beim Dranbleiben helfen, in diese Sache reinbringen?