Ich werde nicht. Punkt.

Vor einigen Jahren habe ich über das kleine Wörtchen „leider“ geschrieben. Über die Tatsache, dass es sich gerne einschleicht, wenn wir etwas absagen. Einen Korb gibt man nicht so gerne, und dann wirkt es höflicher, es ein wenig abzufedern.

Das Leider ist allerdings, genau wie manch andere Umschreibungen, eine Einladung,

  • etwas zu überhören,
  • nicht so ernst zu nehmen
  • oder zu diskutieren.

Was für ein Nein ist es?

Wenn ich mir überlege, was hinter einer Ablehnung steckt, dann finde ich immer ein WILL NICHT oder ein KANN NICHT.

Das kommt natürlich auf den Kontext an.

Sagen wir, eine Freundin bittet mich, übers Wochenende ihren Schäferhund zu nehmen. Jetzt kann ein „Ich kann nicht“ bedeuten:

  • Es gibt einen Konflikt, der es mir unmöglich macht: Ich bin selbst am Wochenende weg./Ein Mitbewohner hat Angst vor Hunden./…
  • Ich könnte schon, will aber nicht: Der Hund ist mir zu viel Arbeit./Ich habe mich gefreut, an diesem Wochenende rumzuhängen./…
  • Ich traue es mir nicht zu: Es fehlt mir die Hunde-Erfahrung./Der Schäferhund ist schwierig und hört schon auf die Besitzerin nicht gut./…

Je nachdem, was genau der Fall ist, würde ich unter bestimmten Gegebenheiten vielleicht wollen. Vielleicht traue ich mit das Gassigehen nicht zu aus Angst, mit anderen größeren Hunden zusammenzutreffen, aber ich liebe Hunde – und wenn ein Freund von mir mit seinem Hund mitgeht, sage ich gerne zu.

Es lohnt also in den Fällen, wo man eigentlich gerne würde, aber schnell mit einem innerlichen KANN NICHT dabei ist, eine Denkpause zu machen. Kommt ein „Ich würde gerne, wenn“ raus, sieht die Sache vollkommen anders aus.

Vor allem schneidet man sich dann nicht aus Sorge vorab von Möglichkeiten ab, die man sich nur noch nicht zutraut.

Selbst wenn es trotzdem erst mal eine Absage wird, kann ich für mich unterschieden, ob es eigentlich ein Ja wäre oder ein „Nein, diesmal nicht, doch wenn“ – und ich kann mich an die Sache rantasten oder beim nächsten Mal entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, damit ich es mir zutraue.

Ist es aber ein richtiges Nein für einen selbst, dann ist es auch wichtig, das unmissverständlich nach außen zu transportieren.

Keine Ausreden. Keine Gründe.

Besonders schwierig ist, wenn man vor sich selbst – und anderen – ein WILL NICHT zum KANN NICHT macht. Denn jetzt schlägt die Stunde der Ausreden.

Das ist der Teil, der auf den ersten Blick unhöflich wirkt, gerade wenn man diese Eindeutigkeit bisher nicht gewöhnt ist. Doch in den letzten Jahrzehnten habe ich – beruflich und privat – gemerkt, dass es besser ist, zu sagen, dass man nicht wird, ohne großartige Begründungen zu liefern.

Denn die laden immer zu Diskussionen ein. Entweder weil der, der fragt, einen gerne überzeugen oder überreden will. Oder aber, weil er die Gründe einfach anders sieht.

Wer verneinen will, ohne in Diskussionen zu kommen, ist meiner Erfahrung nach besser bedient zu sagen: Ich werde nicht. Oder eine Entsprechung à la „Das mache ich grundsätzlich nicht.“

Ein Beispiel aus dem Berufsleben: Immer mal wieder will jemand eine alte Webadresse von mir kaufen. Die besteht weiterhin als Umleitung auf meine jetzige Seite, weil sie in vielen Artikeln im Netz verlinkt ist und in zahlreichen Büchern steht.

Früher habe ich die Begründung immer gegeben. Daraufhin folgte immer eine Diskussion. Man könne ja einen Hinweis auf meine Seite machen, etc. Jetzt sage ich „Nein, ich werde die Domain xy nicht verkaufen.“

Je weniger Details, desto weniger gibt es einzuhaken.

Und je absoluter die Absage formuliert ist, desto klarer kommt die Message an.

Unhöflich ist es übrigens nie. Denn unhöflich kann höchstens der Ton sein, in dem ich etwas sage. Oder der Zeitpunkt. Etwa, wenn ich jemandem ewig keine definitive Antwort gebe, sodass der andere denkt „das klappt schon“ und dann kurz vor knapp sage „doch nicht“, nur weil ich mich vorher nicht getraut habe.