Ist der Widerwille ein Signal?

Ja, oft kommt man nicht in die Pötte, weil man etwas nicht mag, es zu schwierig empfindet, es nicht genug fordert …

Doch wenn du dich immer wieder zu etwas aufraffen – oder gar überwinden – musst, etwas partout nicht (mehr) leiden kannst oder es regelrecht hasst, dann ist das ein wichtiges Signal, das sich nur schlecht ignorieren lässt. Und das ist gut so!

Als EinzelunternehmerIn liegt alles an uns. Wir haben nur begrenzte Ressourcen. Vor allem Zeit, Fokus und Kraft entscheiden darüber, wie engagiert wir Dinge durchziehen. Je beschwerlicher etwas ist, desto mehr Zeit, Fokus und Kraft kostet es. Dann ziehen sich die Dinge hin, machen keinen Spaß – und die ganze Chose wird unrentabel.

punktueller Widerwille: Einzelprojekte

Auf einzelne Projekte brauch ich gar nicht näher einzugehen, denke ich. Hier nur nochmal zur Erinnerung, weil manche EinzelunternehmerInnen meinen, sie müssten sich durch etwas zwingen.

Bitte übergeh starke Gefühle nicht einfach! Wenn du also ein Projekt mit Todesverachtung angehst oder etwas, das du eigentlich tun müsstest, wieder und wieder vor dir herschiebst, weil du es partout nicht machen möchtest, ergründe, was die Angelegenheit derart unangenehm für dich macht.

Das Überwinden – und sich zwingen müssen – hat handfeste Gründe. Bei manchen Projekten hängt es damit zusammen, dass man Angst vor der eigenen Courage hat oder nicht genug über etwas weiß. Dass einem der damit zusammenhängende Berg zu groß erscheint oder du daran zweifelst, dass es die Mühe überhaupt wert ist.

Es kann aber auch sein, dass das Projekt gut und wichtig ist, dass du dich dem selbstverständlich gewachsen fühlst, dass der Widerwille ein Signal darauf ist, dass irgendwas anderes noch nicht stimmt. Dieses unbewusste Merken, dass was an der Planung nicht ganz passt oder dass das, was du bisher erarbeitet hast (vielleicht sogar mit einem externen Dienstleister) nicht das ist, was du willst.

Ich habe es oft genug erlebt, dass EinzelunternehmerInnen sich was haben machen lassen – ein Webdesign, ein Logo, Texte – oder gemeinsam mit einem Coach etwas erarbeitet haben – eine Positionierung, einen Elevator Pitch, einen Onlinekurs –, aber das Ergebnis unterm Strich nicht stimmig für sie war. Das führt dann dazu, dass Dinge, die man eigentlich braucht und vielleicht sogar viel Zeit und Geld investiert hat, in der Schublade landen. Oder man geht damit „live“, vermarktet es aber nicht aktiv, weil man sich innerlich davon distanziert.

genereller Widerwille aufs Business bezogen

Je länger du selbstständig bist, desto wahrscheinlicher ist, dass irgendwann irgendwo was nicht mehr stimmig für dich ist. Das ist normal. Ein Auf und Ab gehört dazu, kleine Veränderungen macht man eh laufend. Weiterentwicklung, Baby!

Doch was ist, wenn du bei etwas total widerwillig rangehst?

Habe ich keine Lust mehr auf eine bestimmte Leistung?

Achte darauf, wenn du bei bestimmten Aufträgen das Gesicht verziehst. Das kann subtil sein, dass du andere Kunden vorziehst, dass du dich bei dieser einen speziellen Leistung irgendwie mehr anstellst – obwohl es logisch gar keinen Grund dafür gibt: Du kennst dich aus, es ist vielleicht eigentlich sogar ein Klacks für dich. Auch dass es gut bezahlt ist, hilft nicht darüber hinweg, dass du dich widerwillig dran machst.

Apropos Signal: Natürlich bedeutet Widerwille nicht automatisch, dass man etwas gar nicht mehr tun will – mitunter liegt es an Rahmenbedingungen. Dass du das Gefühl hast, der Aufwand steht eben nicht im Verhältnis zum Ertrag. Dass diese Art von Leistung irgendwie anders ist, als es dir zusagt: Vielleicht liegt es in der Natur der Sache, dass es chaotischer abläuft oder dass häufig unergiebige Besprechungen vorgeschaltet sind, … Geh dem Widerwillen auf die Spur!

Habe ich keine Lust mehr auf eine bestimmte Zielgruppe?

Manchmal ist es die Art der Kunden. Auf schreibnudel.de habe ich einen ausführlichen Artikel dazu, dass für mich umständliche Kunden nichts sind. So kann – und will – ich nicht arbeiten.

Je nachdem, was du anbietest und mit wem du arbeitest, kann es bei dir völlig anders gelagert sein: Manche möchten nicht länger mit negativen Kunden arbeiten, andere sind blockiert durch ewig lange Entscheidungswege in großen Unternehmen, wieder andere merken, dass sie widerwillig für alte Stammkunden arbeiten, die noch uralte Honorarvereinbarungen haben oder fast ehrenamtlich sind.

Vielleicht hast du mit einigen neuen Kunden gearbeitet und merkst: Mit denen macht die Zusammenarbeit viel mehr Spaß/ist reibungsloser für mich, weil … – und im direkten Vergleich meldet sich der Widerwille bei angestammten Kunden.

Schließlich verändern sich Interessen und Prioritäten: Manchmal hat man genug von der Branche, in der man bisher ist. Oder man merkt „Hey, ich habe bisher nur mit Zielgruppe XY gearbeitet, jetzt möchte ich mal verstärkt die Zielgruppe Z  unterstützen!“

Habe ich keine Lust mehr auf mein Business?

Manchmal ist es einfach genug. Ich habe in den letzten Jahren immer mal Neuorientierungen begleitet – manche hatten die Lust an ihrem Unternehmen verloren, weil es nie so richtig in Gang gekommen ist.

Andere haben durch einen bestimmten Auftrag, in ihrer Freizeit oder einer Zusatzausbildung etwas entdeckt, das sie so sehr begeistert, dass ihnen dadurch erst aufgefallen ist, wie widerwillig sie ihren Berufsalltag angehen.

Wer schon viele Jahre selbstständig ist, macht halt einfach tagein, tagaus das, was gerade ansteht.

Wenn es sonst gut läuft, kommen wir manchmal gar nicht mehr auf die Idee, dass es vollkommen anders sein könnte.

Bei einigen, wie mir, kommt der Widerwille aus der Routine. Während sich manche freuen, wenn sie stetig routinierter und sattelfester werden, kann ein „Mit links machen/besonders versiert sein“ dazu führen, dass man die Arbeit nicht mehr gerne macht. Dass es einfach irgendwann reicht.

Ich sollte das eigentlich weitermachen
Loslassen vs. abschließen

Widerwille = Fahren mit angezogener Handbremse

Es ist alles viel anstrengender, fühlt sich blockiert an und kostet immense Kraft. Bitte schau näher hin, wenn du etwas partout nicht tun möchtest.

Anstatt den Widerwillen mit Disziplin zu unterdrücken, sprich aus, was dich alles gerade stört, dir nicht gefällt, du Scheiße findest. – Da reicht bereits eine Aufzählung von „Wenn … xy wäre/nicht wäre …, dann …“.

Ich bin ein Fan von Disziplin, doch nicht, wenn es darum geht, sich unnötige Anstrengungen wieder und wieder anzutun. Hör auf dich! Und mach dir die Selbstständigkeit da, wo es geht, leichter und angenehmer. 🙂