Kaugummi-Projekte: Wenn ich es fertig hätte …

Als ich über die drei Probleme bei Kaugummi-Projekten geschrieben habe, habe ich es bereits kurz erwähnt: Das Ergebnis von so einer sich hinziehenden Angelegenheit kann businessrelevant sein. Darum ist das Rauszögern eines Projektes nicht nur schädlich fürs Dranbleiben, sondern es kostet dich oft noch mehr.

Ein verbreitetes Beispiel sind Projekte, die eigentlich schon fertig sind, aber dennoch für einige Monate in irgendeiner Schublade verschwinden:

  • Das fertige Buchkonzept, das man sich nicht traut, an einen Verlag zu senden, obwohl man schon gerne würde.
  • Die Webtexte, die man ein Jahr lang nicht einbaut, während die Baustellenseite oder eine frühere, längst veraltete Version online bleibt, weil man nicht den Nerv hat, sich damit auseinanderzusetzen.
  • Der Selbstlernkurs, der in trockenen Tüchern ist, aber jetzt auf den geplanten Webshop wartet.
  • Oder, oder, oder.

Nun gibt es für das Zögern meist richtig gute Gründe, mitunter liegt es einfach an einem Aufgabenstau [„Ich kann mich nicht um alles gleichzeitig kümmern!“]. Ich würde mal sagen, dass das fast alle von uns kennen! Ich habe ebenfalls gelegentlich Projekte, die ich vor mir herschiebe, weil ich keine Lust auf den nächsten Schritt habe – oder derzeit so gar keinen Kopf dafür.

Als Selbstständige ist es nun mal so, dass alles an uns hängt. Zeit, Nerven, Know-how und einen freien Kopf (oder einfach die Lust), sich mit etwas näher zu befassen, sind endlich. Das gilt auch, wenn man sich einen Dienstleister suchen will. Das mit dem „Gibs halt jemandem, der das für dich macht“ bedeutet ja erstmal, sich wen zu suchen, dem man es geben möchte, und wenn das passiert ist, heißt das nicht, dass man überhaupt nichts mehr dran machen muss. In der Regel ist man durchaus involviert und wenn etwas frisch auf die Beine gestellt wird, müssen zunächst mal einige Entscheidungen getroffen werden, die sich meist im Tun ergeben.

Dennoch ist es wichtig, sich dem Hätte einmal anders zu nähern

Ziehst du so ein laufendes Projekt schon länger mit oder hast es als Idee im Hinterkopf, kommst aber nie in die Gänge, dann frag dich mal, was wäre wenn:

„Was könnte ich bald oder längst tun, wenn ich diese Sache weiterbringen würde?“

Ich höre in den letzten Jahren (schon vor Corona) von vielen Trainern, Coaches und BeraterInnen, dass sie weniger reisen beziehungsweise sich generell ein zweites Standbein aufbauen mit Selbstlernkursen aufbauen möchten: Selbst wenn du einen sehr guten Kurs geschrieben hast, braucht es eine stark frequentierte Plattform, damit du genügend verkaufen kannst und sich das idealerweise steigert. Von Dienstleistern wird oft vorgerechnet, wie simpel das alles ist, doch die wenigsten Selbstständigen haben eine Website mit genug Traffic oder einen Newsletter mit richtig vielen Abonnenten. Dann steht irgendwann das Kaufangebot mit Kursen, aber es gibt kaum Publikum dafür. In der Regel braucht es also eine Vorlaufzeit, in der du fleißig dran arbeitest, dass dich Leute kennen oder regelmäßig auf deiner Website vorbeischauen, damit sich so ein Webshop rentiert.

„Was verpasse ich eventuell, wenn ich erlaube, dass es sich weiter hinzieht?“

Das Buchkonzept in der Schublade könnte weniger Chancen auf einen Vertrag haben, weil ein anderer Autor seine Buchidee vor dir unterbringt. Das ist nicht nur bei einem etwas anderen Ansatz eines Dauerbrennerthemas der Fall, sondern vor allem, wenn du ein Buch vor Augen hast, das es in der Form bisher noch nicht gibt oder das sogar derzeit im Trend läge. Hier verpasst man dann schon mal eine echte Chance.

Ganz abgesehen davon, was das fertige Buch für dein Business tun würde: Dich als Fachfrau/Fachmann etablieren. Als Marketingwerkzeug dienen, weil über das Buch neue Auftraggeber an dich herantreten oder du über Lesungen und Vorträge bei deiner Zielgruppe sichtbar wirst.

„Welche Handbremsen würden sich lösen, wenn ich das wirklich fix und fertig hätte?“

… mit „fix und fertig“ ist natürlich gemeint, dass du es bis zum Ende durchziehst, also bis zur Veröffentlichung. Hier ist die Website ein gutes Beispiel – oder jedes andere Werbemittel. Gerade Einzelunternehmen entwickeln sich mit der Zeit: Einige finden sich in einem Flickwerk verschiedener Leistungen wieder, weil immer irgendwie was dazugekommen ist. Andere merken nach einigen Jahren, dass sie etwas gar nicht mehr anbieten möchten, haben es aber nach wie vor in ihrem Angebot, weil es ein, zwei Stammkunden dafür gibt. Eigentlich liegt ihr Schwerpunkt woanders und das möchten sie gerne pushen. Das geht aber nicht, wenn die alte Version der Website noch online ist, die oft doppelt ausbremst: Denn wenn man sich nicht wirklich mehr damit identifzieren kann, geht man nicht gern offensiv damit raus.

Das „Was wäre, wenn ich es fertig hätte …“ bedeutet also, dass du dir bei langwierigeren Projekten nicht nur den Bremseffekt anschaust, der entsteht, weil du etwas ständig im Genick mitziehst. Sondern dass du vom Ergebnis her denkst mit diesen drei Fragen:

„Was könnte ich bald oder längst tun, wenn ich diese Sache weiterbringen würde?“

„Was verpasse ich eventuell, wenn ich erlaube, dass es sich weiter hinzieht?“

„Welche Handbremsen würden sich bei mir lösen, wenn ich das wirklich fix und fertig hätte?“

Das bringt dann eine neue Perspektive rein, die deinem Projekt die nötigen Beine macht.