Konsequent gegenhalten

Es gibt Menschen, die überhören gerne ein Nein. Sowas ist nervig, es kann dich gerade als EinzelunternehmerIn jedoch richtig beeinträchtigen, wenn …

  • es Mehrarbeit verursacht (die oft nicht mal bezahlt wird),
  • du dann doch etwas tust, das du überhaupt nicht tun wolltest,
  • es deinen Zeit- und Arbeitsplan umwirft,
  • du unschöne Diskussionen an der Backe hast
  • und wenn du das Gefühl hast, die Augenhöhe ist verlorengegangen oder war nie da.

Passiert dir das dauernd, dann hör dir mal selbst zu!

In der breiten Masse an Menschen gibt es immer wieder mal welche, die über ein Nein hinweggehen. Darum ist es sehr wahrscheinlich, dass jeder Selbstständige es gelegentlich mit jemandem zu tun bekommt, bei dem gefordert ist, gegenzuhalten.

Sofern es bei dir gehäuft vorkommt, dass andere dich übergehen, nimm mal genauer wahr, wie dein Nein ausfällt. Werden deine Grenzen von verschiedenen Leuten andauernd überschritten, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Grenze nicht als solche wahrnehmbar ist:

  • Das kann daran liegen, dass du generell um den Brei redest, statt Klartext zu reden oder du zwar eigentlich 😉 sagst, dass du etwas nicht tust, es aber abschwächst. Neben dem Eigentlich kommen hier gerne das Normalerweise und „Das kleine Wörtchen leider ins Spiel.
  • Wer innerlich wankt, zeigt das oft in nicht kongruentem Verhalten: Sogar wenn du Klartext redest, es aber aus der Art, wie du es sagst oder deiner Körpersprache klar wird, dass du doch nicht so fest in deiner Aussage bist, verwässert die Grenze ebenfalls (oder gibt das Signal, dass sie relativ leicht umzuwerfen ist).

Allem voran kann es sein, dass du eine Grenze zwar aussprichst, sie jedoch selbst nicht respektierst, sondern dann doch einknickst, zurückruderst oder Zugeständnisse machst.

Gegenhalten!

Stell dir das mit deiner Grenze bildlich vor: Du stellst eine Barriere auf und ein anderer fährt einfach darüber hinweg. Dabei ist es zunächst mal egal, ob derjenige mutwillig drüberbrettert oder ob er aus Unachtsamkeit dagegen detscht und die Grenze ein wenig verschiebt.

Relevant ist, was du jetzt machst: Wer sich die Grenze einfach so aus dem Weg schieben lässt, landet plötzlich bei einem Zugeständnis – auch wenn es „nur“ ein fauler Kompromiss ist. Bei Leuten, die absichtlich dagegenfahren, kommt an, dass hier jemand ist, der seine Grenze nicht sichert. Für Selbstständige kann das sehr unangenehm werden, denn das sind dann diese Anschafferkunden, die künftig ständig ihren Willen durchsetzen.

Das konsequente Gegenhalten ist gar nicht schwierig! Und sogar, wenn du deine Grenze im ersten Anlauf vielleicht nicht so eindeutig aufgestellt hast, kannst du das jederzeit nachholen.

Ich habe eine schöne Anekdote für dich. Mit Anfang 20 war ich Schreibkraft bei der Kriminalpolizei. Da in einem Hochhaus ständig Brände vor Wohnungstüren gelegt wurden, forderte mein Chef ein Unterstützungskommando (USK) an. Ich war bei der Einsatzbesprechung dabei, die in einem vollbesetzten Raum von circa dreißig Leuten stattfand.

Mein Chef war so ein Ich-habe-das-Sagen-Typ. Er fing damit an, dem Leiter des USK kleinteilig vorzuschreiben, wie er seine Leute einteilen soll. Dieser fragte freundlich: „Was genau brauchen Sie als Ergebnis?“

Mein Chef ging kurz auf die Aufgaben und Ziele ein, schwenkt dann wieder darin ab, wie das USK auf- und eingeteilt werden sollte. Der USK-Leiter wiederholte erneut, absolut freundlich: „Sie sagen mir, was Sie haben wollen. Und ich kümmere mich darum, wie wir Ihnen das liefern.“

Für mich, die ich meinen Anschaffer-Chef kannte, war das ein tolles Schauspiel. Wie beim Tennis sah ich mal zu ihm, mal zum USK-Leiter, denn der Wechsel zwischen Ich-sage-dir-was-du-tun-sollst und das Gegenhalten [„Sie sagen mir, was Sie brauchen – ich kümmere mich in meinem Bereich um das Wie“] ging mehrere Male hin und her. Da war kein Konflikt, keine Missstimmung. Und: Bei jedem freundlichen Wiederholen der Grenze hat sich mein Chef mehr auf seinen Part begrenzt!

Ich erzähle euch absichtlich dieses jahrzehntealte Erlebnis, weil es mich nachhaltig beeindruckt hat. Mein Chef war keineswegs einer, den man leicht auf seine eigene Fahrbahn zurückbrachte. Er war von Natur aus jemand, der das Sagen hatte. Übrigens zu Recht. Er war nicht aus Bosheit irgendwie dominierend, sondern sehr effizient und häufig hatte er fachlich gesehen absolut recht. Da er noch dazu eine höhere Führungskraft war, war er es nicht gewohnt, dass jemand gegenredete. Doch wenn dem so war, hat er es akzeptiert. Sogar von mir kleiner Zwanzigjährigen. Denn auch ich habe meine Grenzen wiederholt eindeutig setzen müssen, etwa, wenn er routinemäßig versucht hat, mir in der Mittagspause Arbeit aufzudrücken.

Was heißt das jetzt für dich?

Wenn du es mit einem Auftraggeber zu tun hast, der das, was du sagst, überhört (egal, ob absichtlich oder weil du im ersten Anlauf möglicherweise nicht deutlich genug warst), ist es wichtig, deine Grenze wieder klar aufzustellen.

Klar heißt einfach nur: Deutlich sichtbar und breit hinstellen. Wenn der andere nur leicht dagegen gefahren ist, stell sie gerade hin. Hat er die Grenze komplett umgefahren oder mit Karacho an den Straßenrand gepfeffert, dann stell sie wieder auf. Zur Not mehrmals.

Der Clou ist die Souveränität. Konsequent gegenzuhalten heißt weder, lauter zu werden oder einen schärferen Ton anzuschlagen. Es geht lediglich um Klartext. Darum lass dich nicht davon ablenken, was der andere tut oder lässt. Bei den Gegenübern, die standardmäßig ihren Willen durchdrücken wollen, ist die Konsequenz relevant, das wiederholte Klarmachen der Grenze. Das kannst du, wie der USK-Leiter, total freundlich und souverän tun, wenn du dich auf das, was du willst, konzentrierst und nicht etwa abdriftest in das mögliche Warum [„Der andere meint wohl/respektiert mich nicht/nimmt sich xy heraus …“].

Denk an die umgefallene oder weggeschobene Hürde und stell sie einfach wieder ordentlich hin. Wenn es sein muss, drei-, vier-, fünfmal. Du wirst sehen, dass der andere – genau wie mein Chef – gar nicht mehr anders kann, als mit ihr umzugehen, statt sie zu umgehen.