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Lockerheit trumpft Erzwingen

Zurzeit übe ich Contact Staff. Ich weiß gar nicht, wie man dazu auf Deutsch sagt – Kontaktstab?

Egal. Es geht darum:

Gerade jetzt am Anfang merke ich einmal mehr, wie oft wir es uns mit einem ZU VIEL zu schwer machen – und damit mitunter den Erfolg sogar sabotieren.

Damit meine ich alle Vorhaben, ach: Das ganze Leben!

So was wie der Stab führt es mir momentan wieder extrem vor Augen, denn ich bekomme direkte Rückmeldung mit blauen Flecken, der einen oder anderen Beule. Vor allem aber merke ich, wenn sich etwas zu heftig oder unrund anfühlt, wie der Stab so ganz und gar nicht tut, was er soll. Und wie es erst dann richtig geht, wenn ich geschmeidiger damit umgehe.

Mit ZU VIEL meine ich:

zu sehr wollen

Kann man etwas zu sehr wollen? Steckt da nicht dieses Brennen drin, von dem alle reden? – Ich mache einen Unterschied zwischen „sehr wollen“ und „zu sehr wollen“. Zu sehr kann in zwei Extreme gehen:

  • Große Unzufriedenheit mit dem, was momentan ist. Egal, was man sich wünscht – ob es eine Arbeitsstelle, eine glückliche Beziehung, ein Lernziel ist: Wenn ich etwas noch nicht (erreicht) habe, aber mein ganzes Glück oder gefühlten Erfolg davon abhängig mache, dann entferne ich mich mehr von dem, was aktuell ist – oder hacke sogar drauf rum.
  • Ein Tunnelblick, der mich zwar auf das, was ich will, fokussieren lässt, der aber weitere Gegebenheiten und Bedürfnisse – eigene und im Umfeld – unscharf werden lässt. Oder schlichtweg unwichtiger. So gut es ist, Prioritäten zu setzen, so führt ein ZU SEHR schnell zu ungünstigen Scheuklappen, die andere Dinge ausblenden. Dazu zählen gute Gelegenheiten, die mich dem eigentlichen Ziel näherbringen. Manches Mal sind solche Gelegenheiten anders gelagert als das, was man sich vorgestellt hat, wären aber sogar aktuell passender.

zu viel Krafteinsatz

Beim Üben mit dem Stab braucht es feine Bewegungen. So richtig mit Kraft wird gar nichts gemacht, denn das verursacht zu viel Schwung und dann gerät alles außer Kontrolle. Es gibt keinen Einklang von mir und dem, was ich üben möchte – das Üben ist teilweise schmerzhafter und geht dann langsamer/gar nicht voran.

Da ich seit drei Jahren mit so Requisiten arbeite, weiß ich, dass ich mich mehr zurücknehmen muss und trotzdem ist es bei jeder neuen Übung so, dass ich mit zu viel Kraft reingehe. Das kennt Ihr ganz bestimmt zur Genüge! Denn es ist bei ganz vielen Dingen so, dass wir zu viel Kraft aufwenden:

  • Gitarre spielen zum Beispiel ist voll schmerzhaft, wenn man als Anfänger auf die Saiten drückt wie ein Blöder.
  • Denkt an private Gespräche oder Vorträge, wo Ihr jemanden unbedingt eindringlich von was überzeugen wolltet (oder umgekehrt).
  • An Beziehungsanbahnungen oder Bewerbungsgespräche, wo sich einer so sehr ins Zeug legt, dass es fast verzweifelt wird.

Es ist völlig normal, am Anfang viel zu viel Kraft aufzuwenden. Je mehr man sich anstrengt, scheint es, desto besser geht es voran. Wenn es das nicht tut, wird meistens noch mehr aufgedreht!

zu viel Anstrengung

Extrem viele Menschen haben ein Problem damit, Dinge konsequent umzusetzen. Die Motivation geht flöten, der Frust ist groß, es scheint eh nicht zu gehen – es ist schlicht zu anstrengend.

Dazu kommt eine große Anzahl Leute, die was komme was wolle durchzieht. Die bleiben dran, weil sie ein Commitment gemacht haben oder von klein auf gelernt, dass man nichts abbrechen darf. Dann wird mit Pflichtgefühl und Willenskraft kompensiert, was man eigentlich gar nicht mehr will, zumindest nicht so. Aber wat mutt, dat mutt.

Erneut richte ich den Fokus auf das ZU VIEL.

Sich anzustrengen ist gut! Das kann pushen, legt die Latte höher, kann bedeuten, dass ich mich etwas traue – oder aufraffe. Erst recht, wenn ich mir etwas noch nicht zutraue oder befürchte, dass ich es mit Schwierigkeiten zu tun bekomme.

Zu viel Anstrengung hingegen fordert ihren Tribut:

  • Es ermüdet.
  • Es raubt die Leichtigkeit und Freude.
  • Es zieht Energie, dass man manchmal gar nicht mehr kann, weil man mental oder physisch erschöpft ist. Gerade wenn es um Dinge geht, die sich länger hinziehen, um erfolgreich sein zu können.

zu viel zu früh

Vollkommen normal: zu früh zu viel wollen. Ich glaube, das geht uns fast allen so: Gar nicht mal nur, weil wir ungeduldig sind [das ist natürlich schon mal der Fall]. Bei vielen Vorhaben schwingt noch was anderes mit:

  • Wir können die Sache nicht recht einschätzen und erwarten von uns ein Können oder Fortschritte, die noch gar nicht dran sind. Weil sie noch gar nicht gehen beziehungsweise wichtige Gegebenheiten fehlen. Die Dinge bauen immer aufeinander auf: Ob es darum geht, bestimmte Skills zu lernen, bevor was anderes überhaupt gemeistert werden kann. Oder ob es darum geht, die richtigen Schritte nacheinander zu machen. In meinen Schreibcoachings etwa ist meine wichtigste Aufgabe, die Leute zurückzupfeifen: Mach erst das, dann das. Selbst bei Stammkunden, die jahrelang mit mir arbeiten, pfeife ich und pfeife ich. 🙂
  • Die Erwartungen, die wir an uns selbst stellen, sind zu hoch. Früher, wenn ich was lernen wollte, habe ich oft nach ein bis drei Stunden beschlossen: Mei, andere können das, ich nicht. Nach so kurzer Zeit! Das finde ich heute absurd, und doch ist das recht menschlich. Um mal ein großes Beispiel zu nennen: Über die Jahre habe ich viele Buchkonzept-Coachings mit Leuten gemacht, die noch nie im Leben ein derart komplexes Projekt angepackt haben. Wie oft da die Zuversicht fehlt – oder weicht, sobald es schwierig wird! Ich sage immer: Du kannst das noch gar nicht können! Woher denn? Ein Buch IST anspruchsvoll und komplex! Also sei mal nicht so streng mit dir – und dann mach erst mal nur das hier.
  • Manchmal, und da schließt sich der Kreis, haben wir das Gefühl, wir müssten schneller machen. Vielleicht ist es total wichtig, dass wir ein bestimmtes Resultat jetzt haben, weil wir die Bestätigung brauchen, das damit verbundene Geld oder weil das Ziel mit den Erwartungen anderer zusammenhängt.

Zu früh zu viel wollen, bremst immer aus.

Das ZU VIEL gebiert Frust

Jeder einzelne dieser ZU VIEL-Faktoren führt früher oder später dazu, frustriert zu sein. Frust ist die größte Selbstsabotage.

Darum ist es vielversprechender, lockerer ranzugehen. Ich weiß, das sagt sich leicht. Doch wir merken sehr genau, wenn wir uns anspannen, verbohrt oder frustig werden – und wie scheiße sich das anfühlt.

Das ist das Signal zu schauen: Wo liegt grad ein ZU VIEL vor? Um dort nachzujustierern. Genau wie ich beim Stab rumprobiere, was passiert, wenn ich jetzt weniger kräftig anstoße, wenn ich hier den Winkel etwas verändere, … Immer bekomme ich mehr Kontrolle über den Stab und spüre, wie viel besser es ist, lockerer ranzugehen.