wollte

Meditieren ausprobieren

Meditieren ist sowas, von dem ich seit langem überzeugt bin, dass es gut für mich wäre – es aber trotzdem nie so richtig getan habe. Alles daran leuchtet mir ein. Jeder, der es regelmäßig macht, bestätigt, was für eine Bereicherung es ist. Und dennoch habe ich nie einen Zugang dazu gefunden.

Ich möchte gerne was zu tun haben

Bei Entspannungstechniken – so ich denn phasenweise mal eine mache – liebe ich die Progressive Muskelentspannung: Das ist handfest, da hab ich eine Aufgabe [jetzt eine Faust machen, jetzt loslassen, hinspüren] und direkte Entspannung. Die Progressive Muskelentspannung war für mich ein totaler Augenöffner, was richtiges Entspannen für den Körper bedeutet. Früher hab ich genau wie viele gedacht: Mei, wenn ich gemütlich vor dem Fernseher rumliege, ist das ja entspannt.

Meditationsversuche waren eine große Ecke schwieriger für mich. Nicht mal wegen der eigentlichen Herausforderungen, die das Meditieren so bietet. Alleine diese Tatenlosigkeit!

Dennoch hab ich mich immer mal mit der Nase ein wenig reingewagt, ein paar Tage für ein paar Minuten was ausprobiert – auch verschiedene Ansätze, mal geführt, mal nicht, mal kurz, mal steigern, … das wars dann wieder.

Das Sitzen!

Vor etwas über einer Woche sagt der Mann an meiner Seite so aus dem Blauen heraus: „Wir könnten mal zusammen meditieren.“

Ich:

Meditieren?!

Zusammen!?

Na gut. Da zeigt er mir erst mal, wie man beim Meditieren richtig sitzt. Auf jeden Fall ein wenig erhöht, damit man frei atmen kann, und mit den Haxen so oder so – wie ein Dreieck.

Ach.

Wir haben uns 7 Minuten vorgenommen, und vom ersten Abend an habe ich das Dreieckssitzen richtig toll gefunden: Ich sitze auf einem Yogablock, auf dem ein kleines Polster liegt und ruhe auf Arsch und Unterschenkeln. Diese Haltung ist mir sowas von angenehm, könnte ich ewig so sitzen!

Das ist wieder so ein Beispiel, dass manchmal ein bestimmtes Detail nicht bekannt ist. Ich dachte, man sitzt halt im Schneider- oder Lotussitz und manche Leute mögen ein Meditationskisserl drunter. Dass das einen besonderen Sinn hat, wusste ich nicht.

Zusammen meditieren ist übrigens super. Das konnten wir leider nur zwei Mal machen, weil wir eine Fernbeziehung haben. Jetzt meditieren wir Hunderte von Kilometern entfernt zur gleichen Zeit. Das ist gut, weil wir uns so erinnern können. Ich hätte es schon mal vergessen oder ausfallen lassen.

Der Kopf …

Um eins noch vorwegzunehmen: spirituell ist bei mir gar nichts. Interessant finde ich als Meditationsnewbie, dass ich jeden Abend einen völlig anderen Zustand im Kopf habe. Ich drifte viel weniger ab, als ich angenommen hätte, und es gelingt mir sogar ganz gut, Gedanken ziehen zu lassen. Rein so vom eigenen Erleben her denke ich immer mal tatsächlich nichts (was sicher nicht stimmt, mir aber so vorkommt). Permanentes wildes Durcheinanderdenken hatte ich bisher nur einmal.

Ansonsten finde ich die Kopfqualität immer sehr spannend, weil die im regulären Alltag, auch wenn er nicht besonders trubelig ist, gar nicht so im Bewusstsein ist.

Einmal hatte ich das Gefühl, eine Windhose im Kopf zu haben! Das waren gar keine einzelnen Gedanken, sondern wirklich so, als ob die ganze Zeit ein Tornado im Kopf rumweht. Eine dieser abstrakten Wahrnehmungen, die man gar nicht recht beschreiben kann.

Ein anderes Mal bin ich ganz widerwillig dran, dann jedoch ganz gut und zufrieden dabei gewesen. Manchmal bin ich ungeduldiger und denke „Hee, müsste doch schon aus sein“. Also bestimmt das Übliche, was man so an Befindlichkeiten hat.

Mache ich weiter?

Erst habe ich gesagt: Ich mache eine Woche und dann sehe ich, ob ich weitermachen will. Jetzt hänge ich noch ein paar Tage dran. Bei sieben Minuten merke ich jetzt nicht sonderlich irgendwas, außer dass ich deutlich runterfahre und gegen Ende immer sehr herzhaft gähne.

Und: Es sind nur sieben Minuten. Die gehen immer, selbst bei „keine Lust“. Das Sitzen mag ich sehr und das kurze „Einchecken“ bei mir selbst, um den Kopfzustand wahrzunehmen, finde ich auch gut. Vielleicht ist das ja schon das, worum es geht? 🙂

Das Steigern von 7 auf 9 Minuten fand ich blöd. Das war mir zu lange. Darum bleibe ich bei 7.

Nach zwei Monaten ist Schluss
Das Meditieren hat mir super gefallen, und das Prinzip „abends mal kurz bei mir einzuchecken“ hat mir sehr gut getan. Ich habe nach einem Monat erhöht auf zehn Minuten, weil es mich irgendwie rausgerissen hat. Doch nachdem ich mit Yoga begonnen habe, war es mir zu viel Introspektion.