Merken, wann es stoppen sollte: Zusammenarbeit

Es geht im Blog viel darum, dranzubleiben. Doch damit was vorangeht, ist es ebenso wichtig, zu wissen, wann ich etwas besser abbreche.

Wir Selbstständigen arbeiten immer mit irgendwem zusammen:

  • Mit unseren Kunden,
  • Zulieferern,
  • Geschäftspartnern,
  • vielleicht hast du MitarbeiterInnen,
  • es gibt punktuelle Kooperationen (etwa zu Marketingzwecken).

Nicht jede Zusammenarbeit stimmt für uns.

Wenn die Zusammenarbeit prinzipiell gut für dich ist und es den einen oder anderen kleinen Störfaktor gibt, der sich bereinigen lässt, wunderbar. Doch mitunter stellt sich heraus, dass es besser ist, der Kooperation ein Ende zu setzen.

So oder so ist Handeln angesagt.

Vor dem Handeln steht das Bemerken. Und da tricksen wir uns mit Hirn und Gefühlen schnell ein wenig aus, indem wir drüber weggehen, dass uns etwas unzufrieden macht oder uns davon überzeugen, dass es schon okay – oder besser – ist, es auszuhalten.

  • „Ich will ja nicht unhöflich sein.“
  • „Es gibt Schlimmeres.“
  • „Der Auftrag ist zu wichtig!“
  • „Es ist ja nicht mehr lange.“
  • „Ich kann froh sein, dass …“
  • „Augen zu und durch!“

Je nach Persönlichkeit stört einen etwas mehr oder weniger. Doch das Abwägen, was zu tun ist, geht ebenfalls erst, wenn ich konkretisiere, was nicht (mehr) stimmig ist.

Wie läuft die Zusammenarbeit generell so ab?

Reibungslosigkeit kann sich natürlich auf vieles beziehen: Es können offene Störfaktoren sein, etwa wenn die Chemie nicht stimmt, andauernd Erwartungen clashen oder man aneinander vorbeiredet. Das ist mal mehr, mal weniger deutlich. Manchmal ist es auch so, dass sich eine zuvor hervorragende Zusammenarbeit verändert, weil die Kontaktperson wechselt.

Ich hatte sowas mal bei einem Unternehmen, mit dem ich jahrelang viel und liebend gern gemacht habe. Als der Chef wechselte, trafen wir uns zu einer Besprechung, was das nächste gemeinsame Projekt sein könnte. Wir saßen da, der neue Programm-Chef, eine Mitarbeiterin und ich, das Meeting war ein Albtraum: Der Mann hörte alles, was ich sagte, komplett anders. Habe ich gesagt „Ich finde, der Himmel ist blau“, hat er geantwortet „Wieso behaupten Sie, dass der Himmel grün ist???“. So ging das in einer Tour. Nonstop kam es zu solchen Missverständnissen, die dann in Erklärungen mündeten, die wieder nicht richtig ankamen. Wenn es der Mitarbeiterin nicht ebenso gegangen wäre, hätte ich an mir gezweifelt.

Dass diese Zusammenarbeit nicht reibungslos sein würde, wurde mir in diesem ersten Gespräch regelrecht um die Ohren gehauen. Habe ich das Projekt trotzdem gemacht? – Ja! Weil ich mit der Mitarbeiterin gut klarkam, weil ich mit dem Unternehmen schon so viel und gerne zusammen gemacht habe, weil das Renommee und der Verdienst gut war, weil ich mir versicherte, dass der Chef bestimmt nicht weiter reinfunken würde … „Wird schon gutgehen!“

Ging es nicht.

Das monatelange Projekt war für mich in jeder Hinsicht ein Desaster, ständig wurden Parameter verändert, ich konnte zusehen, wie die einst spannende Idee gegen meinen Willen konsequent verschlimmbessert wurde. Das Endergebnis hasse ich noch heute.

Es kommt vor, dass man sich persönlich wunderbar versteht, aber die Arbeit selbst schwierig ist. Ich habe auf schreibnudel.de mal näher aufgedröselt, warum es problematisch ist, wenn Kunden umständlich sind, also wenn es zu Mehrarbeit an deinem Ende kommt, weil der andere durch sein Verhalten die Arbeit unnötig verkompliziert.

Finger weg von umständlichen Kunden

Jetzt sind wir da alle unterschiedlich. Eine Freundin von mir macht beispielsweise Buchhaltungen. Ich habe einmal miterlebt, wie ein Kunde ihr eine alte Plastiktüte voller reingestopfter Belege übergeben hat. Mir sind fast die Augen rausgefallen, sowas würde mich kirre machen. Meine Freundin hat gelacht: „Das ist total okay! Das sortier ich gerne für meinen Kunden.“

Das, was mich stört, muss dich nicht stören. Dennoch ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass es trotzdem Auswirkungen haben kann. Berechnet meine Freundin die Zeit, die sie fürs Sortieren braucht, ist alles im grünen Bereich. Würde sie es nicht berechnen, weil es „ja nur sortieren ist“, dann hat das eine Auswirkung auf ihre Zeit. Berechnet sie es nicht oder würde sie weniger Zeit veranschlagen, weil sie das Gefühl hätte, dass fürs Sortieren ihr Stundensatz nicht gerechtfertigt wäre, hätte es zudem Auswirkungen auf Geld.

Wäre es mein Kunde und mich würde dieses wiederkehrende Verhalten irre machen, würde es mich sogar beeinträchtigen, wenn ich es regulär abrechne.

Auf den Punkt gebracht: Wenn du die Reibungslosigkeit einer Zusammenarbeit bewertest, relativiere nicht gleichzeitig – aber lass bitte nicht einen Aspekt alles überschatten. Vielleicht ist es nur eine Sache, die dir immer mal einen Stecken zwischen die Speichen wirft, aber gleichzeitig gibt es mehrere Aspekte, wo es super flutscht zwischen euch. Es ist wichtig, sowas in die ganzheitliche Sicht auf das Miteinander einfließen zu lassen, sonst fällt sie zu gut oder zu schlecht aus.

Wie stehe ich zu dieser Person?

Unabhängig von den nüchternen Fakten rund um einen Auftrag hat es einen starken Einfluss, wie die Leute miteinander können – fachlich und ganz persönlich.

Ich bin sicher nicht die Einzige, die gelegentlich in Besprechungsräumen gesessen ist und ständig „WTF“ gedacht hat, wenn Leute klugscheißerisch über Dinge fabuliert haben, zu denen sie ganz offensichtlich Null Ahnung hatten. Manche zucken die Schultern, andere sehen ihr Honorar als Schmerzensgeld, ich kann und will mit so jemandem nicht arbeiten.

Mitunter gibt es eine atmosphärische Störung: Die andere Person hat eine Angewohnheit, die einen nervt oder irgendwas triggert. Wir Menschen sind halt nicht immer sachlich-neutral, sondern haben Assoziationen und Gefühle. Darum ist es gut, mal klar zu sagen: „So steh ich zu ihm/ihr“, um anschließend mit einem „weil“ nachzuforschen, warum das so ist.

Bekomme ich, was ich wert bin?

Dabei geht es nicht nur um Geld. Es kommt darauf an, was du dir beim Zusammenarbeiten zum WERT SEIN wünschst: Das kann Anerkennung sein. Vielleicht wirst du von einem Kunden nur kritisiert oder es läuft gut, aber es kommt keinerlei Lob und kein Danke, etwa wenn du kurzfristig was möglich gemacht hast.

Beim Thema Geld ist natürlich wichtig, was du verlangst. Ich erinnere mich an eine Event Managerin, die pauschale Angebote abgegeben und alle Posten geschätzt hat – sowohl Material, als auch ihre Stundenzahl. „Die Rechnungen sind gar nicht klein“, sagte sie mir, „aber wenn ich mir vor Augen führe, was ich alles reingesteckt habe, könnte ich heulen.“ Das nahm ihr jede Motivation, vor allem wenn sie an dem Punkt war, wo sie wusste, ab jetzt arbeite ich für lau.

Oder denk an Stammkunden, die entweder schon seit langem dieselben Preise bekommen oder an Honorarvereinbarungen, die nie aktualisiert wurden.

Geld ist es nicht alleine. Es geht häufig einfach um Fairness und Ausgewogenheit. So kann es sein, dass du mit deinem Honorar prinzipiell durchaus zufrieden bist, aber dennoch insgesamt das Gefühl hast, dass der andere mehr von eurer Zusammenarbeit hat.

Das gilt unter anderem für Geschäftspartner. Vielleicht bist du gemeinsam mit jemandem selbstständig oder ziehst manche Aufträge gemeinsam mit jemandem durch, etwa Seminare. Hier kommt es ebenfalls vor, dass der Einsatz nicht ausgewogen ist. Dass eine Person mehr tut und die andere davon profitiert.

Der umgekehrte Fall ist übrigens genauso ein Störfaktor: Die Person, die weniger in eine Zusammenarbeit reingibt und sich dessen bewusst ist, fühlt sich nicht unbedingt wohl! Denk beispielsweise an Kooperationen, bei denen kein Geld fließt, etwa wenn du eine Person in deinem Umfeld hast, die dir gerne weiterhilft mit Rat und Tat. Wir Menschen möchten uns revanchieren, Stichwort „Reziprozität“. Wenn du jetzt das Gefühl hast, du kannst das nicht, oder der andere lehnt beharrlich ab, dann entsteht ebenfalls eine gefühlte Schieflage, mit der du dich möglicherweise alles andere als wohlfühlst.

Sind wir auf Augenhöhe?

Je nachdem, was du arbeitest, wer dein Gegenüber ist und wie es sich dir gegenüber verhält, ist fachliche Augenhöhe wichtig. Wenn, wie oben beschrieben, mir jemand, der fachlich Null Ahnung hat, vordoziert, wie was ist, was ich zu tun habe oder meine Arbeit kritisieren will, ist das für mich ein No-Go. So jemanden nehme ich nicht ernst.

Selbst wenn menschliche Augenhöhe vorhanden ist und man ein angenehmes Gegenüber hat, mit dem man gut kann, ist in manchen Projekten wichtig, dass der Gesprächspartner fachlich einschlägiges Wissen hat, weil man nur so sinnvoll miteinander reden und etwas beschließen kann. Vielleicht hast du also eine ansich gute Zusammenarbeit, die dir viel bringt, aber die fachliche Augenhöhe fehlt. Es bedarf oft umfassender Erklärungen, es kommt zu fruchtlosen Diskussionen oder zu Verzögerungen, weil deine direkte Ansprechperson bei allem erst nachfragen muss.

Schließlich gibt es das berühmte Gefälle – das Gegenüber schaut auf dich herunter: Manche potenzielle Auftraggeber und Kooperationspartner sehen sich als größer oder wichtiger an à la „Ich entscheide, ob Sie weiterhin Aufträge bekommen“, „Wenn ich sage ’spring‘, haben Sie zu springen“ oder „Ich bin der Kunde, ich bin König“. Manchmal gibt es dieses Gefälle tatsächlich. Erst recht, wenn man als UnternehmerIn darauf angewiesen ist oder aus anderen Gründen weiterhin im Geschäft bleiben möchte. Dennoch ist die Frage: Besteht die Schieflage beim gegenseitigen Respekt? Verhält sich mein Gegenüber in einer Form, die mir signalisiert: Ich respektiere dich nicht. Indem die Person es raushängen lässt oder sogar droht. Oder durch subtileres Verhalten, wie alles dringend machen, ständige Erreichbarkeit fordern, dauernd zusätzlichen Aufwand kreieren oder „nur mal kurz“ lauter Nebenprojekte zu verlangen, die dann so mitlaufen sollen.

Augenhöhe ist ein ganz eigenes Gefühl, da brauchts kein großes Nachdenken: Wenn die Augenhöhe nicht stimmt, weißt du das. Schau ein zweites Mal hin und leg näher den Finger drauf, was genau du damit meinst/woran du es festmachst.

Während/nach der Zusammenarbeit geht es mir so

Ein hervorragendes Signal dafür, wie stimmig das gemeinsame Arbeiten ist, ist dein Gefühl während und nach der Zusammenarbeit. Wir Menschen sind selten komplett ausgewogen, es gibt die Kopf- und die Bauchlastigeren.

Für manche Leute sind die Gefühle überdeutlich, wie bei meiner Bekannten. Sie ist Trainerin und merkt als allererstes emotional, wenn was nicht stimmt. Auf einmal fühlt sie sich Scheiße, gestresst oder ist tierisch erschöpft. Bei anderen geht es primär über den Kopf oder Gefühle werden bewusst zurückgestellt. Immerhin sind wir hier im Business.

Darum kann es für die einen hilfreich sein, erst mal die sachlich-greifbaren Aspekte in den Fragen weiter oben zu beantworten und dann darüber an das Gefühl ranzukommen. Für andere ist es hilfreich, als Startpunkt ihr Gefühl zu nehmen und dann davon ausgehend abzuleiten, wo es denn herkommt.

Diese letzte Frage ist besonders entscheidend, finde ich: Denn wenn ein bitterer Nachgeschmack bleibt, du erschöpft bist, unzufrieden oder dich bei einer Zusammenarbeit schrecklich fühlst, raubt es dir was. Was das ist, kommt drauf an – darauf, was nicht gestimmt hat, und auf unsere individuelle Konstitution. Bei manchen leidet das Selbstbewusstsein, bei anderen sind es die Nerven oder es raubt den Rückenwind für andere Vorhaben. Es ist sicherlich nicht jede Zusammenarbeit perfekt, aber da, wo es für uns selbst zählt, sollten wir keine faulen Kompromisse machen.

Wie gesagt: Vor dem Handeln kommt das Bemerken. Nur wenn ich genau weiß, was Sache ist, kann ich entscheiden, ob und wie ich etwas beim nächsten Mal verändern will. Dann kann ich sagen „So nicht mehr (aber anders)“ oder „Adieu, nicht nochmal“.