Nachdenken ist kein Pizzateig

Einer der größten Feinde der Konsequenz ist das Nachdenken.

Hä? Spinnt die jetzt? Nachdenken ist doch wichtig! Unüberlegt handeln ist der Teufel! Man kann im Business nicht einfach spontan dieses oder jenes machen!

Da stimme ich vollkommen zu! Erst denken, dann handeln ist auch meine Devise.

Die Sabotage, etwas anzufangen, dann aber nicht durchzuziehen, fängt allerdings bei der Überzeugung an, dass längeres Nachdenken alles besser macht.

  • Lieber noch mal nachdenken.
  • Lieber noch etwas Zeit lassen.
  • Lieber noch mal recherchieren, was andere so machen und sagen.
  • Lieber x-mal liegenlassen und später noch mal drangehen.
  • Lieber immer noch mal was ummodeln, ergänzen, löschen.

Ich arbeite seit über zwei Jahrzehnten mit Selbstständigen und dieses „viel hilft viel“ hat meiner Erfahrung nach erhebliche Nachteile:

Anstatt zu entscheiden und zu TUN, zieht sich ein Projekt

Kein Wunder, dass man irgendwann jede Lust dran verliert oder sich für einen langen Zeitraum komplett ausbremst.

Es ist total ineffizient

Alleine, dass man sich immer wieder neu mit derselben Sache befasst, sich erst wieder einlesen/reinfinden muss, erschwert die Sache. – Bei komplexeren Projekten, wie der Website, dem Lernen einer neuen Software, dem Zurechtfinden auf einer fremden Plattform, o. Ä. kommt man nie richtig rein oder muss jedes Mal fast von Null anfangen, weil man etwas wieder vergessen hat. Ganz abgesehen davon, dass man ein ständiges Stop & Go dem (Teil-)Ergebnis oft anmerkt.

Es wird verschlimmbessert

Wie oft habe ich es erlebt, dass Selbstständige sich kurz vor dem Tun ins „Verbessern“ stürzen. Hier noch eine Änderung, da noch mal was umwerfen. Bis es am Ende nicht nur wieder enorm in die Länge gezogen wird, sondern das, was vorher schon richtig gut war, anschließend richtig schlecht wurde.

In meinen Coachings hat mich oft der Schlag getroffen, wenn Kunden ihr Projekt richtig super durchdacht haben – und es nur noch ums Fertigstellen ging: Immer wieder kam es vor, dass einige alles, was sie schon hatten, in den Wind geschossen haben und das, was als Endergebnis kam, nicht mehr viel mit der guten Vorarbeit zu tun hatte.

Ja, denken ist wichtig!

Aber Nachdenken ist kein Pizzateig, den man wieder und wieder dehnt und dreht und ausrollt. Lieber kompakt bei der Sache bleiben:

Ordentlich das Projekt vorausdenken, Entscheidungen treffen, ins Tun kommen. Geht es um ein komplexeres Projekt ist, dann baut Etappe für Etappe auf der anderen auf.

Manchmal ist es Unsicherheit, dass sogar noch in der Kurz-vor-fertig-Phase gezögert wird. Manchmal ist es einfach nur die innere Überzeugung, dass es arbeitstreich sein muss, dass ich mich intensiver und angestrengter mit etwas befassen muss. Ich hatte auch immer wieder Kunden, die dem Braten nicht getraut haben, wenn sie auf Anhieb etwas supergut gemacht haben – einfach so.

Alleine das Begrenzen der Zeit – keine Hektik! -, sondern das Abstellen der ewigen Nachdenkerei bringt dich konsequenter voran.