Nerve ich in Gesprächen?

Angeben, zutexten, runtermachen, lästern, rumpsychologisieren, klugscheißen, beratungsresistent sein, jammern, … – Es gibt zahlreiche Verhaltensweisen, die nicht nur nerven, sondern ganz schön anstrengen und belasten. Der Witz ist der: Anderen Leuten geht es mit uns genauso!

Es ist eine gute Idee, auf sich selbst zu schauen. Nicht überkritisch oder um das Verhalten anderer zu relativieren, sondern ganz für dich. So passiert es seltener, dass sich ein schlechtes Gewissen rührt – plus: Die Gedankenmühle, in der du wieder und wieder innerlich abspulst, was war oder was du hättest stattdessen tun sollen, springt nicht so oft an.

3 Fragen zu deinen nervigen Angewohnheiten

Am meisten bringt das Reflektieren, wenn du es schriftlich machst. So bekommst du einen handfesten Überblick, was dir so im Kopf rumgeht und du kannst einzelne Punkte weiter konkretisieren.

Und noch ein wichtiger Aspekt: Schreib bitte keine Stichpunkte, sondern ganze Sätze, und zwar frisch von der Leber weg. Ich habe viele Jahre schriftlich gecoacht und stets betont „Lass alles spontan raus, zensiere nichts und formuliere nicht rum. Schreib ruhig etwas ausführlicher!“ – So lässt sich deutlicher packen, worum es geht, Zusammenhänge werden sichtbar und du kannst zwischen den Zeilen lesen.

Was sind Dinge, die andere in Gesprächen an mir unangenehm finden könnten? z. B. alles ins Ironische ziehen, immer mit einem „Das war mir klar!“ quittieren …“, nebenbei ständig ins Smartphone schauen, defensiv reagieren, ganz schnell von einem Thema zum anderen springen, meinen Gesprächspartnern unablässig ins Wort fallen, den Faden verlieren, nie meine Meinung sagen, andere verbessern (Grammatik oder inhaltlich), meine spontane negative oder superpositive Einstellung, dass ich lieber im Hintergrund bleibe und mich bedeckt halte, was möglicherweise arrogant wirkt, …

Welche Angewohnheiten beim Sprechen habe ich, die andere vielleicht nerven? z. B. Suggestivformulierungen: „Du findest sicher auch …“, ständig in der Ich-Form reden, etwas öfter hintereinander wiederholen, stottern, zu laut reden (oder gar vorlaut sein), zu leise und im Hintergrund bleiben, Schmatztöne oder wiederkehrende Füllwörter, etwa am Ende des Satzes ständig ein „Nicht wahr?“ oder „Das ist Fakt!“ anhängen, eintönige Sprechmelodie oder Sing-Sang, wenn ich mich aufrege wird meine Stimme schrill, …

Wo nerve ich Menschen, mit denen ich in einer längeren Beziehung stehe? z. B. unablässig alte Kamellen aufwärmen/vorhalten; jemanden in einer bestimmten Schublade haben; glauben zu wissen, was der andere denkt/meint/möchte; sagen, dass „nichts“ ist, aber ein vorwurfsvolles Gesicht machen; von oben herab sprechen; Fehler aufrechnen; dass ich nonstop Fragen stelle, dass ich sehr lange brauche, bis ich mich für etwas entscheide, …

Du siehst an meinen Beispielen: Es geht nicht darum, dass das objektiv irgendwie blöde Angewohnheiten wären. Es geht um das, was du empfindest, was bei anderen eventuell nicht so gut ankommen könnte.

Tipp: Stell dir unterschiedliche Gesprächssituationen, Themen und Gegenüber vor. Es gibt verschiedene Unsicherheitsfaktoren. Außerdem kennen wir alle unsere nervigen Angewohnheiten, etwas wenn ein Verhalten einen triggert, sich zu echauffieren oder bei einem bestimmten Thema zum Oberlehrer oder Hascherl zu werden.

Mach die Übung ganz alleine!

Der Gedanke liegt nahe, einfach andere zu fragen: „Was nervt dich an mir?“, „Wie erlebst du mich in Gesprächen?“, … so hilfreich es ist, Feedback von außen zu bekommen, so geht es mir hier und jetzt um dein Selbstbild – und um Unsicherheiten, die du in Gesprächen hast, wie gut das bei anderen ankommen könnte.