Neuland-Thema – Wo anfangen?

Blogleserin Petra fragt mich, wie man sich konsequent einen neuen Bereich erobern kann, von dem man wenig bis null Ahnung hat, z. B. Altersvorsorge.

Alles ist komplex. Und je allgemeiner du rangehst, desto mehr stocherst du im Nebel. Das ist auf mehreren Ebenen ein Problem:

  • Das Thema erscheint so riesig und unbezwingbar, dass man es ewig aufschiebt. Selbst wenn man total willig ist, es anzupacken, findet man keinerlei sinnvollen Anfang.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich viel mehr Arbeit macht, weil man sich zu ALLEM MÖGLICHEN informieren muss oder genau an den falschen Themenaspekten beginnt, ist riesig. Auch wenn du auf diese Weise zu Entscheidungen kommst, ist der Weg dorthin ineffizient oder bringt sogar vom Weg ab.

„Doch wie soll ich was konkretisieren, das ich gar nicht kenne?“

Indem du erstmal genauer für dich hinschreibst, worum es dir geht. Das Konkretisieren kann ganz unterschiedlich ausfallen. Es geht darum, das Thema einzukreisen, um es besser zu fassen zu kriegen.

Machs unbedingt schriftlich! Wenn man im Kopf schon irgendwie was meint reicht das nicht aus. Dabei sind drei Dinge hilfreich:

Schreib ganze Sätze hin! Schlagwörter sind dein Feind. Die können alles und nichts bedeuten oder sogar auf eine völlig falsche Fährte führen. Die Art, wie du deine Frage formulierst, verrät dir viel genauer, worum es dir überhaupt geht und zeigt dir damit, wo du anfangen kannst.

Formuliere Fragen! Bei einem Neuland-Thema weiß man oft mehr nicht, als man weiß. Kein Problem: Das Nichtwissen ist sogar besonders wertvoll beim Eingrenzen. Bei den Fragen empfehle ich, eine kleine Erklärung zu ergänzen. Also nicht nur eine kurze Frage hinschreiben, sondern den Kontext deutlich zu machen.

„Rede“ ganz normal! Manchmal passiert es, dass wir beim Schreiben ein wenig distanziert-geschäftsmäßig werden, auch wenn es nur eigene Gedanken sind. Dann geht die Aussagekraft verloren. In meinen Coachings betone ich darum, dass meine Leute wirklich frisch von der Leber weg schreiben und lieber etwas mehr ausführen. So lässt sich viel mehr rauslesen.

Schauen wir uns mal zwei verschiedene Themen an, wie sowas aussehen könnte. Ich reiße die Beispiele hier nur kurz an, damit das Prinzip deutlich wird. Tatsächlich dann bitte alles Relevante hinschreiben. Lieber etwas zu viel, als zu wenig!

Nehmen wir direkt das Beispiel, das Petra genannt hat: Altersvorsorge

Person A schreibt hin:

  • Mir fehlt eine konkrete Vorstellung zur Versorgungslücke und was da speziell für Selbstständige machbar ist.
  • Ich habe keine großen Ersparnisse und weiß nicht, wie viel man mindestens monatlich irgendwie (wie?) anlegen müsste, damit sich das für später lohnt.
  • Wie ist das mit Rente? Kann/soll ich da irgendwas freiwillig ein- oder nachzahlen? Geht das?
  • Was ist mit einer privaten Rentenversicherung?
  • Bin ich schon zu alt? Gibt es da irgendwelche Grenzen, was man noch sinnvoll machen kann oder darf?

Person B geht es um das hier:

  • Ich habe Geld zum Anlegen und weiß nicht, welche Möglichkeiten ich habe, es gut und vor allem sicher zu investieren. Aktien kommen nicht infrage!
  • Wäre eine Eigentumswohnung jetzt noch eine gute Idee? Sind Immobilien eine gute Altersvorsorge?
  • Was macht eigentlich die Künstlersozialkasse genau? Andere sagen, es wäre vorteilhaft, da reinzukommen – würde ich da reinfallen vom Beruf her?

Du siehst anhand dieser skizzierten Beispiele, dass es immer irgendwelche konkreten Aspekte gibt – ob es Fragen sind, man irgendwas aufgeschnappt hat und natürlich die aktuelle Situation. Hier z. B. „Ich habe Geld übrig und will damit etwas für meine Altersvorsorge tun.“ Dabei spielt es keine Rolle, ob die Latte an Themen oder Fragen länger ausfällt. Es kann natürlich sein, dass deine Punkte gar nicht so eine eindeutige thematische Tendenz aufweisen, sondern durcheinander gehen, weil du sehr viele Optionen siehst. Alles gut! So lange du sie aussagekräftig für dich listest.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Ich will zügig mein Schulenglisch aufbessern. – Startet man so, kommt man auf verschiedene Kurse, Bücher, Methoden oder Lernplattformen. Wieder lohnt sich das Konkretisieren, was genau du damit meinst/wofür du es brauchst.

Person A schreibt:

  • Ich verschicke gerade Bewerbungen und fürchte, dass die im Interview mit mir Englisch reden. Ich muss also innerhalb von circa einem Monat einigermaßen im Gespräch bestehen können, bin aber total eingestaubt und ein wenig gehemmt.
  • Da ich mich in internationale Firmen bewerbe, werde ich E-Mails auf Englisch schreiben müssen. Schreiben kann ich gut, da bin ich mir sicherer, aber ich bin da eher umgangssprachlich unterwegs und das ist sicher zu salopp.
  • Was ich auch nicht sicher weiß: Fachjargon in der Medienbranche auf Englisch. Was braucht man da? Wo krieg ich das her?

Person B schreibt:

  • Ich würde so gerne englische Bücher lesen können. Filmen kann ich folgen, weil ich es höre und nicht immer jedes Wort verstehen muss, aber wie zur Hölle könnte ich mir das Verstehen beim Lesen beibringen, ohne ständig im Wörterbuch nachzuschlagen?

Zwei völlig verschiedene konkrete Anliegen, die dann natürlich zu ganz anderen Wegen führen.

Relevant ist die Aussagekraft: Sobald du konkreter hinschreibst, worum es geht bzw. was dir dazu im Kopf rumgeht (eben auch was du nicht weißt oder aufgeschnappt hast, aber nicht verstehst), desto gezielter kannst du im zweiten Schritt entscheiden, wer die beste Quelle für die Antworten ist.

Ich mache dazu demnächst einen Follow-up-Artikel, in dem es um den nächsten Schritt geht.