Nimm gezielt Anstrengung raus!

Als ich mir das Video angeschaut habe, habe ich mich am meisten über meine Lockerheit gefreut:

Lange Zeit war das bei diesen beiden Würfen überhaupt nicht so: Ich habe mich sehr viel mehr angestrengt – im Kopf und im Körper. Ich habe viel mehr Kraft und Konzentration „ausgegeben“ als ich hätte müssen.

So ein ZU VIEL ist natürlich völlig normal. Fast in jedem Vorhaben gibt es Aspekte, mit denen wir uns schwerer tun oder uns aus anderen Gründen zu sehr anstrengen, mitunter ohne uns dessen bewusst zu sein:

Wenn wir Neuland betreten sowieso, weil wir oft nicht so genau wissen wie/wo/was oder noch ungelenk sind. Souveränität und Routine kommen mit der Zeit. Wir müssen uns erst orientieren, ausprobieren – und vielleicht von jemandem, der sich besser auskennt, etwas zeigen lassen.

Wenn wir etwas nicht so oft machen. Dieses „mal was tun, dann Wochen oder Monate nicht, dann wieder“. Damit verhindern wir, dass wir besser werden. Statt Stop & Go mit langen Pausen dazwischen bringen kleine, regelmäßige Schritte dich sehr viel schneller voran.

„Mach dich locker!“

Weil es normal ist, dass sich die Lockerheit erst mit der Zeit entwickelt, kann man nicht einfach von sich fordern, versiert zu sein. Aber du kannst jederzeit ganz gezielt Anstrengung rausnehmen.

Ich habe beispielsweise bei den Übungen da oben nicht einfach gewartet bis ich irgendwann locker war, sondern wenn ich eine Sache prinzipiell verstanden habe und ein Ablauf grundsätzlich klappt, achte ich beim Üben darauf, es lockerer zu machen.

  • Ich passe auf, wo ich zu viel Kraft oder Schwung einsetze, und teste aus, was passiert und wie es sich anfühlt, wenn ich punktuell weniger mache.
  • Ich nehme bewusst war, welche Stellen mich stressen oder mir unangenehm sind, vielleicht sogar weh tun. Das kann körperlich sein, etwa dass ich verspannt bin, aber es ist auch psychisch: Wenn mich ein Aspekt stresst, etwa weil ich mich gedrängt fühle oder überzeugt bin, dass ich was nicht schaffen kann.

Es geht also nicht um ein pauschales „Lockerlassen“, sondern darum, aufmerksam dafür zu werden, wann ich mich zu sehr anstrenge und den Finger drauf zu legen, welcher Teil eines Vorhabens mich zu sehr stresst.

Legen wir das Ganze mal auf ein berufliches Vorhaben um.

Beispiel: schreiben

In meinem Scheibblog haben ich ein Formular „Wo verlieren Sie am meisten Zeit beim Schreiben?“ Das dient uns als gutes Beispiel, denn zu viel Zeit auf eine Schreibphase zu verwenden, ist ein Symptom dafür, dass die Anstrengung größer ist.

Als EinzelunternehmerInnen sind wir dauernd gefordert, etwas zu schreiben – vielleicht bloggst du, textest einen Flyer, schreibst einen Akquisebrief, Seminarunterlagen oder einen Selbstlernkurs. Wenn nicht, schau dir das Formular trotzdem mal an, nur um mein Beispiel so richtig nachvollziehen zu können.

In meinem Formular rege ich dazu an, die einzelnen Schreibphasen mal dahingehend zu überprüfen, wo am meisten Zeit draufgeht. Das ist deswegen ein so gutes Beispiel, weil hier das GEZIELTE beginnt. Wenn ich merke, ich brauche sehr lange, mein Thema festzulegen und dann noch mal, um überhaupt einen vollständigen Entwurf hinzubekommen, weiß ich, wo ich mich besonders anstrenge.

Jetzt kann ich weiter reinzoomen: Was genau stiehlt mir die Zeit? Was kostet mich mehr Kraft? – Werde konkret! Vielleicht meldet sich was wie „Ich hasse xy wie die Pest!“ – Ja, was genau hasst du denn und warum? Oder du merkst: „Ich finde nie einen Anfang und wenn, dann ist das, was ich schreibe, total blöd“. Okay: Womit kämpfst du da genau/was steckt hinter dem Gefühl, dass es blöd ist?

Wenn du dir wirklich aussagekräftige Gründe gibst, dann kannst du gezielt an einzelnen Punkten ansetzen, um Anstrengung rauszunehmen. – Wenn bei einer Sache mehrere Faktoren anstrengend sind, dann such dir erst mal eins raus. Nicht gleich viele, sonst überforderst du dich, und das macht die Sache anstrengend. 😉 Immer einen Aspekt rausnehmen und auf den achten.

Manchmal ist es eine losgelöste Sache

Es sind nicht nur zusammenhängende Vorhaben, bei denen wir zu viel Kraft einsetzen. Nimm eine Sache, die du nicht gern magst. Manche Leute telefonieren beispielsweise nicht gerne – generell nicht oder bei schwierigen Gesprächen (etwa mit einem umständlichen Kunden oder wenn es etwas Unangenehmes zu besprechen gibt). Das ist eine abgeschlossene Aufgabe, die im Berufsleben ständig vorkommt.

Immer dann, wenn wir stunden- oder tagelang was vor uns herschieben oder einen großen inneren Widerstand haben, etwas Bestimmtes zu tun, strengen wir uns unnötig an.

Es stellt eine Belastung dar. „Bestenfalls“ setzt es sich nur im Kopf fest und zieht dort Ressourcen ab, weil wir präsent haben, dass das noch ansteht. Schlechtestenfalls ist es mit negativen Gefühlen verbunden.

Jetzt könnte man sagen, mach lieber Augen zu und durch, dann ist es erledigt. Und das ist durchaus legitim. Noch mehr bringt es, wenn du nächer hinschaust: „Was genau ist daran so ätzend für mich/welcher konkrete Aspekt führt dazu, dass ich mich da so anstrengen muss und wie kann ich da punktuell mehr Lockerheit reinbringen?“ Denn so gehst du an die Wurzel.