Nix gsagt isch gnua globt!

Diesen schwäbischen Spruch kennen viele. Meist fällt er, wenn wir uns darüber beklagen, dass andere gerne mal mosern, aber es stillschweigend hinnehmen, wenn die Dinge laufen. Noch mehr schmerzt (oder verärgert) es, wenn man sich ganz besonders eingesetzt hat oder eine wirklich gute Idee hatte. Doch auch im ganz normalen Alltag merkt man nach und nach, wie sehr einem die Lust vergeht, wenn es mit der Wertschätzung nicht weit her ist.

Mich hat sowas ebenfalls immer genervt.

Gleichzeitig kennen wir alle das Phänomen, dass wir uns darüber ärgern, was andere tun oder lassen, aber gerne mal total übersehen, dass wir uns ganz genauso verhalten.

Vielleicht protestierst du jetzt, weil du anderen sehr wohl sagst, wenn sie etwas toll gemacht haben. Dass du ihre Unterstützung, Ideenreichtum oder einfach ihre Art großartig findest und nicht missen möchtest. Möglicherweise bedankst du dich sogar ganz bewusst mit Gesten und drückst lieber einmal mehr deine Wertschätzung aus, als einmal zu wenig. Das ist schön. Doch es gibt eine weitere Facette, die viele Menschen leider völlig außer acht lassen:

Wie schaut es denn mit der Wertschätzung dir selbst gegenüber aus?

2:1 fürs Rumkritteln?

In meinen Schreibworkshops früher habe ich ganz oft erinnert: „Klopf dir bitte [aus diesem oder jenem konkreten Grund] kräftig selbst auf die Schulter!“ oder „Auf xy kannst du mächtig stolz sein, weil …!“

Warum ich erinnert habe? Weil die meisten Leute in einem Workshop den Blick darauf gerichtet halten,

  • was sie noch nicht richtig machen,
  • was ihnen schwer fällt,
  • wo sie unachtsam oder zu bequem waren.

Womit wir wieder beim „Nix gsagt isch gnua globt“ sind: Registriere doch mal eine ganze Woche bewusst, was du gut machst. Keineswegs nur die großen Dinge, sondern die ganz alltäglichen:

In einem Gespräch gut reagiert; dir etwas nicht gefallen lassen; an diesem einen Nachmittag geschafft, drei Dinge zu regeln; zu deiner eigenen Überraschung einen netten Smalltalk mit einer fremden Person geführt; ein Geschenk besonders toll verpackt; ein leckeres Essen gekocht; privat mal nicht ans Telefon gegangen, nur weil es geklingelt hat; Kunde XY souverän weiterhelfen können; eine Geste, die dir zeigt, dass du ein guter Freund/eine gute Freundin bist; eine sehr gute E-Mail formuliert; auf Anhieb wo hingefunden; mit deiner Erfahrung ein Problem, das andere hatten, gelöst; ruhig geblieben; eine kleine Geburtstagsfeier organisiert; in dieser einen Situation ruhig geblieben, als dich etwas oder jemand genervt hat …

Es geht einfach nur darum, dass du vor dir selbst eben nicht einfach als selbstverständlich mitlaufen lässt, was du im Alltag gut machst. Das sind manchmal Dinge, die man gar nicht beeinflusst hat. Mir ist es kürzlich zwei Mal passiert, dass ich ewig lange ganz entspannt auf jemanden gewartet habe – ohne mich großartig abzulenken oder sonst etwas zu tun. Normalerweise bin ich die Ungeduld in Person, warten kann ich ganz schlecht. In diesen beiden Situationen habe ich über mich selbst gestaunt und war gleichzeitig ganz stolz auf mich, dass mir das gelungen ist und dass sich da anscheinend etwas in mir weiterentwickelt hat. Was nicht heißt, dass das nun immer so ist, doch diese beiden Male war es – war ich – so.

Manches davon verdient vielleicht sogar dein Lob, doch das Wahrnehmen alleine reicht schon aus. Ziel ist das bewusste Registrieren, damit das, was du gut gemacht hast, nicht weiterhin unterm Radar läuft, sondern nach und nach genauso ins Bewusstsein gerät wie das, was du an dir rummäkelst.

Also öfter mal zu dir sagen:

  • Das hab ich echt gut gemacht!
  • Ich freue mich, dass mir das [konkret aussprechen was] so gut gelungen ist.
  • Da [konkret werden, was] hab ich echt ein Händchen für.
  • Hier [konkretisieren, wobei] hatte ich eine Sternstunde!
  • Ich freu mich riesig darüber, dass ich [… konkretisieren …]

Nur du für dich. Und es dann so stehenlassen – ohne Wenn und Aber!