Pro und kontra Sturkopf

Wenn wir über ein flexibles Rückgrat sprechen, sind wir gleich mal bei der Sturheit.

Wie bei allen Eigenschaften ist etwas nicht per se gut oder schlecht. Ein paar zentrale Facetten der Sturheit:

„Ich hab mir was in den Kopf gesetzt!“

Eigensinnig + eigenwillig zu sein, ist ganz wunderbar. Sind die Dinge für einen stimmig, weil beispielsweise jetzt aber wirklich Schluss mit etwas sein muss oder es endlich Zeit für ein angestrebtes Vorhaben ist, gehts gar nicht besser, wenn ein gerüttelt Maß an Sturheit mit dabei ist.

Dieses „Ich will das aber!“, „Ich kann das!“ oder „Ich schaff das schon irgendwie!“, was dann mitschwingt, sorgt für die nötige Beharrlichkeit.

Mir gefällt, dass die Sturheit hier gekoppelt ist mit Unbeirrbarkeit, Hartnäckigkeit und Zähigkeit, die es gerade für längerfristige oder schwierige Vorhaben braucht.

Sturheit oder Starrheit?

Andererseits gibt es Aspekte des Sturseins, die je nach Ausprägung ganz schön im Weg stehen können:

  • nicht willens/nicht imstande sein, sich auf etwas oder jemanden einzustellen bzw. etwas einzusehen
  • engstirnig, verbohrt sein
  • nicht offen, kaum beeinflussbar für Argumente
  • rechthaberisch und unbeugsam sein

Anders ausgedrückt: Der innere Rollladen geht manchmal recht schnell runter.

Ganz gut lässt sich das im Alltag immer wieder austesten – die Themenbereiche Ernährung, Gesundheit, Sport, Politik geben da meistens recht viel her. 🙂 Da hat viel missionarischer Eifer Platz und vehemente Ablehnung.

Anstatt sich zuzuhören, gehts ganz schnell ums Rechthaben. Jeder glaubt, dass „seins“ richtig ist und weil sich niemand richtig zuhört, geht jeder mit dem, was er eh schon wusste, aus der Begegnung. Nichts ist gewonnen, oft genug sind so Gespräche mühsam oder gar ärgerlich.

Natürlich liegt das nicht immer nur am Inhalt, sondern oft an der Art …

Aus Trotz „auf stur“ schalten

Dann gibt es noch den Aspekt des Auf-Stur-Schaltens, und den ich finde ich besonders tricky, denn damit können wir uns selbst ein riesengroßes Ei legen. Denn nicht immer ist das Auf-Stur-Schalten vorteilhaft für uns … und so ganz freiwillig ist es auch nicht unbedingt.

Bestimmte Themen können einen Automatismus auslösen, bestimmte Leute und eine bestimmte Art, auf die wir reflexartig störrisch werden oder verbissen und unerbittlich (re)agieren. Mitunter in einer Art, die einem so gar nicht entspricht.

Ich glaube, jeder ist schon mal Leuten begegnet, die sowas auslösen. Meistens kennen wir unsere Trigger-Themen/-Menschen bestens. Ebenso den Ton, der  sofort auf stur schalten lässt.

Die Sturheit regulieren

Es lohnt sich, die eigene Sturheit näher anzuschauen, finde ich.

  • Einfach mal für sich bemerken, wenn der innere Rollladen sich langsam senkt oder schlagartig runterkracht.
  • Je früher man das wahrnimmt, desto leichter gelingt es, ihn oben zu lassen oder vielleicht auf Halbmast, sodass ein gewisser Grad an Offenheit bleibt.
  • Unser eigener Standpunkt ist ja dadurch nicht in Gefahr. Die Selbstwahrnehmung und -bestimmung hingegen steigt dadurch garantiert.

In der Sturheit stecken enorm viele richtig wertvolle Eigenschaften, doch ungünstig dosiert, macht sie rigide. Dann sieht es aus, als ob da jemand für sich einsteht, doch in Wirklichkeit schadet er sich mehr.

In der Wortherkunft wird unter anderem beschrieben:

stur = standfest

Doch einen wirklich sicheren Stand hat nur, was beweglich ist.