Rechenschaft

Auch wenn das Wort altmodisch und ein bisschen fies klingt: Ich bin ein großer Fan davon, zur Rechenschaft gezogen zu werden – und Rechenschaft abzulegen. Ein bisschen hipper kommt der englische Begriff der „accountability“ daher.

Wenn wir darüber sprechen, ob und wie gut wir etwas durchziehen, geht es oft ums Wollen, ob Lust oder Leidensdruck groß genug ist, ob wir zuversichtlich sind oder eher etwas vermeiden, und und und. Doch der Schlüssel zu allem ist die Verantwortlichkeit.

Verantwortung übernehmen

Ist es für dich ein Unterschied, ob du etwas für dich machst oder ob du dich einer anderen Person gegenüber verpflichtest? – Ich behaupte mal, dass die meisten Menschen sich tendenziell mehr ins Zeug legen, wenn sie etwas für, mit oder unter den Augen von jemand anderem machen.

Die innere Verpflichtung, das Sich-an-ein-Commitment-halten, ist das eine. Das Beurteiltwerden und das Ansehen, das damit einhergeht, es besonders gut, schnell, kreativ zu machen – oder dem anderen einen Gefallen zu tun – motiviert ganz besonders.

Das können wir auch für uns selbst tun!

„Auskunft über etwas, wofür man verantwortlich ist“

Immer dann, wenn ein Vorhaben ohne Rechenschaft in der Luft hängt, wird die Konsequenz zum KANN.

Mache ich es nicht, schleppend oder schlechter, als ich könnte? Habe ich etwas gemacht, bin aber nicht so weit oder stecke fest? 

All das wird entweder ignoriert oder führt zu einem Im-Kreis-drehen. Der Blick ist aufs Ob gerichtet. Darum ist die Rechenschaft stärker als die Erfolgskontrolle, die bei Teilschritten zu einem Ziel empfohlen wird.

Rechenschaft ist mehr:

Ich gebe Auskunft über etwas, für das ich verantwortlich bin. Dabei geht es eben nicht nur um das Ob und wann ich etwas tue, sondern ich habe die Verantwortung übernommen,  wie die Ausführung ist. „Was habe ich getan und wie?“, „Wie schätze ich – vor mir – meinen Einsatz und meine Leistung ein?“

Schon bei diesen Fragen wird deutlich, dass der fordernde Klang, „für etwas zur Rechenschaft gezogen zu werden“ qualitativ ein Rundumschlag sein sollte, mit dem wir besser werden – und durchaus verständnisvoller mit uns umgehen.

Nehmen wir die Corona-Zeit, die uns allen an die Substanz geht. Vielleicht spürst du es mehr oder weniger, dass etwa die Müdigkeit stärker ist, die mentale Beanspruchung größer, dass du früher mehr und müheloser geschafft hast. Wenn es dir so geht, dann willkommen im Club. Du bist damit nicht alleine, es geht ganz vielen von uns so, und das mit Grund! – Ich reiße das Beispiel an, weil es zeigt, dass das mit der Rechenschaft unterm Strich vorteilhaft für uns ist: In dem Moment, wo es eben nicht nur darum geht, zu sagen „ich wollte ja noch“, „ich habe noch nicht“, „ich sollte jetzt aber wirklich mal“, o. Ä., sondern ich die Eigenverantwortung als Unterbau habe, bekommen meine Einschätzung und mein Verhalten viel mehr Tiefgang: Es gibt dann nicht einfach Punkte auf der To-Do-Liste, es geht nicht einfach um das Warten auf Muße, Muse und Methode. Sondern es geht um eine Selbstverpflichtung mit Begründung: DU machst dich zum qualitativen Dreh- und Angelpunkt.

Was hab ICH bisher getan (unterlassen) und wie schätze ich das Ergebnis – und meine Leistung dabei – ein? In welcher Hinsicht kann ich mir anerkennend zunicken, weil ich meine Erwartungen übertroffen habe? Wie kann/will ich es besser machen? Was kann ich tun, um einfacher, schneller oder angenehmer ans Ziel zu kommen?

Die Eigenverantwortung bringt die menschliche Komponente mit rein, die einerseits zur Selbstverpflichtung, andererseits zu einer Manöverkritik führt, die dich konsequenter macht. Nicht nur auf ein aktuelles Vorhaben bezogen.