sollte

Schwarzsehen

Sollte man nicht so viel schwarzsehen, wenns ein Problem gibt?

Die einen halten Schwarzseherei für total negativ: Das zieht mich runter. Das bringt nichts. Andere sind stolz auf ihre Fähigkeiten, überall als erstes Probleme, Hürden und Fallstricke zu sehen. Und wieder andere schützen sich damit: Wenn meine Erwartungen negativ sind, kann mich nichts enttäuschen. Im Gegenteil – es kann nur besser werden!

Wie so oft stimmt irgendwie alles. Welche Denk-Tendenzen hast du, wenns ums Schwarzsehen geht?

Schwarz-Rosa-Sehen

Der Schwarz-Rosa-Typ vereint beides: Er beschönigt nichts und sieht den Tatsachen ins Auge. Er sieht durchaus unangenehme Folgen auf sich zukommen und bereitet sich auf verschiedene Szenarien vor, die eintreten könnten. Auch auf den Worst-case, also auf das Schlimmste, das passieren könnte. Das macht er jedoch immer auf eine konstruktive Weise: Er geht davon aus, dass es eine Lösung gibt. Und selbst, wenn etwas total verfahren ist, packt er den Stier bei den Hörnern. Ändern kann man es jetzt eh nicht mehr, also schau ich lieber, wie die Kuh vom Eis kommen könnte. Und nicht vergessen: Fürs nächste Mal draus lernen!

Ich denke in Problemen

Bei den reinrassigen Schwarzsehern kommts auf die Ausprägung an: Wer realistisch auf Probleme und Komplikationen hinweist, hat Weitblick. Es ist realistisch und bringt weiter, Stolpersteine vorab zu sehen, der kritische Blick auf mögliche Schwierigkeiten zeigt wichtige Aspekte, Grenzen und mögliche neue Lösungswege auf. Dadurch lässt sich häufig überhaupt erst erkennen, was zu einem Problem geführt hat. Oder es wird deutlich, dass eine schon gefundene Lösung noch nicht optimal ist.

Geht es hier aber nicht um das konstruktive Schwarzsehen, sondern …

  • um gewohnheitsmäßiges Schwarzmalen, so dass man überall Probleme sieht – sogar wenn noch gar keine da sind!
  • werden vorhandene Probleme überdramatisiert,
  • bleibt bleibt es beim Runterreden, dann passiert aber nix weiter,

dann sabotiert man sich selbst … und zieht anderen den Boden unter den Füßen weg, weil man als zerstörerisch und nicht als hilfreich angesehen wird [„Du ziehst mich nur runter“/“Jetzt fühle ich mich zusätzlich zu meinem immer noch vorhandenen Problem noch schlechter“].

In dieser Ecke finden sich auch die Ich-habs-gleich-gewusst-Tendenzen.

Ich bin von Unsicherheit und Angst geprägt

Wir alle wollen Sicherheit, fühlen uns wohl im Bekannten. Da tun sich natürlich alle leicht, die in sich sicher sind – in ihrer Persönlichkeit oder fachlich. Mit fachlich meine ich jetzt gar nicht mal nur den Beruf, sondern alle Bereiche, in denen wir das Gefühl haben, wir wissen noch nicht genug. Dann meldet sich natürlich die Unsicherheit: als Eltern, bei einem bestimmten Hobby, als Haustierhalter, …

Wer nicht das Glück hat, innerlich davon auszugehen „Ich kann alles irgendwie handlen“ oder „da improvisiere ich dann“, der ist natürlich eher besorgt, unsicher und gestresst. Hier erscheinen Probleme übermächtigt oder führen zur Vermeidungshaltung: Das geht eh schief …, Das schaffe ich nicht …, Bestimmt … [negatives Ergebnis einsetzen].

Das Gemeine ist, dass ausgeprägte Ängstlichkeit keine Unterschiede macht: Verhältnismäßig kleine Hindernisse werden genauso behandelt wie ein großes Kaliber von Problem.

Ich denke in Horrorszenarien

Extreme Schwarzseher verwechseln Spekulationen mit Fakten. Da führt ein Fehler bei einem Kunden natürlich sofort dazu, dass der Kunde abspringen wird (vielleicht sogar Geld zurück haben will) und natürlich erzählt er es in der ganzen Branche rum, so dass man nie mehr einen Auftrag bekommt. – Ein Vortrag, den man versemmelt, führt dazu, dass man verlacht wird und irgendwann unter einer Brücke landet …

Das klingt jetzt total überzogen, aber wenn diese Horror-Gedankenketten automatisch losgehen, ist das alles andere als lustig. Es lähmt total. Was aber noch schlimmer ist, es nimmt jede Leichtigkeit und Freude, denn selbst wenn man dennoch etwas anpackt und alles rund läuft, war es trotzdem von vorn bis hinten stressig.

Wie siehts grad aus?

Ich finde es hilfreich, immer mal bei sich aktuell zu checken, wie man so über etwas denkt. Denn klar kann es sein, dass man einen Schwerpunkt hat, doch in der Regel wechselt das mit der Zeit. So gibts Lebensbereiche, wo die Zweifel und Befürchtungen größer sind. Manchmal ist es eine Phase, die einen vorsichtiger oder trüber sehen lässt.

Außerdem verändert man sich mit der Zeit. Es ist schon heilsam, das eigene Bild von sich immer mal abzugleichen. Denn wir leben ja, machen Erfahrungen und lassen uns durch Menschen in unserem Umfeld beeinflussen. Hin und wieder bekommen wir im Alltag gar nicht so mit, dass das frühere Ich gar nicht mehr so ist wie das Gegenwarts-Ich.