könnte

Start oder Ende festlegen

Alle paar Jahre habe ich mich beruflich verändert. Das war schon immer so. Es gibt ja Menschen, die leben auf, wenn sie Beständigkeit haben. Und es gibt welche, die Abwechslung suchen. Immer wenn ich das Gefühl hatte, ich habe jetzt alles gemacht, habe ich es noch eine Weile etabliert – denn selbst, wenn man sattelfest ist, lässt sich natürlich noch viel lernen und verstärken. Aber dann trat langsam eine Routine ein.

Routine hat ja zwei Seiten: Das Tolle daran ist, dass die Dinge einfach laufen. Man hat sich eingespielt, kennt sich aus, managt alles einfach so. Der andere Aspekt ist die Langeweile, die mitschwingen kann. Die Gleichförmigkeit von Fragestellungen, Abläufen und Lösungen.

Früher oder später hatte ich immer den Wunsch, etwas zu ändern. Oft geht das super im Kleinen: Man übernimmt eine Zusatzaufgabe, haut was raus und nimmt was Neues rein oder dreht an einer anderen Schraube (für oder mit wem arbeite ich, von wo aus, etc.). Doch dann kommt der Punkt, wo das auch nicht mehr reicht.

Irgendwann …

Damit ich die Dinge nicht endlos vor mir herschiebe, habe ich festgestellt, dass ich einen Start- oder Endpunkt brauche.

Als ich noch angestellt war, war der Startpunkt, dass ich mit meinem jeweiligen Chef darüber gesprochen habe, dass ich mich wegbewerben will. Ich bin nie im Schlechten gegangen, sondern da es immer so war, dass ich keine Perspektiven für mich gesehen habe, konnte ich das offen ansprechen.

Mit meinem Vorgesetzten zu sprechen, war für uns beide gut: So manches Mal konnten wir nämlich gemeinsam überlegen, das Aufgabengebiet zu verändern – und mein Weggehen dadurch erstmal auf Eis legen.

Erst dann habe ich angefangen, mich zu bewerben. Ich sage nicht, dass das gut ist oder für jeden funktioniert. Aber für mich war es immer so, dass ich erst so richtig in die Gänge komme, wenn das Tun beginnt.

Manchmal bedeutet das, eine Weiche zu stellen, mir selbst sozusagen einen fixen Countdown zu geben. Darum habe ich schon vor einem Jahr auf meiner Business-Website bekannt gemacht, dass ich Ende 2020 aufhöre. Einerseits waren so meine zahlreichen Stammkunden vorbereitet – und konnten schon letztes Jahr damit beginnen, Projekte anzugehen, die sie gerne mit mir zusammen noch auf den Weg bringen oder fertigstellen wollen.

Andererseits war es für mich wichtig: Ich habe mir praktisch ein End-Datum gegeben und bis dahin muss ich die Dinge irgendwie hinbekommen. Bestimmt bin ich nicht alleine damit, dass gerade die größeren Veränderungen – erst recht, wenn sie unklar ist – gerne zu lange vor sich hergeschoben werden. Dann wartet man, bis die Umstände sich so ergeben, dass es nahtlos passt.

Schwierig, denn klar gibts die perfekten Zufälle, aber die sind halt selten, sie sind vor allem nicht berechenbar und meistens bringen sie einen zu einem Platz, den wir nicht zu 100 % selbst bestimmen. Das kann ein Sechser im Lotto werden, aber vielleicht ist es bloß ein Dreier mit Zusatzzahl. Ganz nett, besser als vorher – aber nicht wirklich, was ich wollte.

Start oder Ende heißt übrigens nicht: Alles vorausplanen und alles wissen. Ich habe jetzt noch 11 Monate. Das meiste ist noch offen. Das ist noch nicht beunruhigend. Es ist aber auch nicht so, dass ich alles in trockenen Tüchern hätte und relaxt die Monate an mir vorbeiziehen lasse.

Start oder Ende bestimmen heißt allerdings schon: Ich setze mich in Bewegung.