hätte

Talent?

Das, was einem leicht fällt. Wo man besonders gut drin ist. Was man manchmal einfach so zu können scheint.

Lass uns schauen, wo wirklich Talent dahintersteckt.

Ich picke spontan fünf Dinge raus, die mir leicht fallen, und wo ich für mich das Gefühl habe, dass ich sie besonders gut kann.

  • schreiben rund um Business und Selbstmanagement (Blogartikel, Selbstdarstellung, Werbetexte, Korrespondenz, Bücher, …)
  • mit einer positiven Grundhaltung an die Dinge herangehen – bitte nicht verwechseln mit rosaroter Brille oder übersprudelndem Cheerleadertum. Es geht hier eher um die „Das ist jetzt so und was machen wir jetzt?“-Haltung, gemixt mit einem „Wird schon!“
  • Englisch hören und lesen
  • Struktur: sortiert denken können + Struktur erkennen oder reparieren, wenn was nicht stimmig ist
  • mit Hula-Hoop-Reifen umgehen (das heißt nicht, dass ich schon besonders elegant und fehlerfrei bin, sondern dass ich sie sicher und gut handlen kann und mich damit wohlfühle)

Was davon ist Talent?

Meine positive Grundeinstellung ist definitiv eher angeboren. Erst wollte ich sagen „und anerzogen“, aber obwohl ich insgesamt meine Kindheit als friedlich und ermutigend bezeichne, war mein Umfeld keineswegs von der rundherum positiven Sorte. Von daher sage ich mal: Da steckt das meiste in meiner Persönlichkeit und dadurch habe ich bestimmt im Laufe der Zeit speziell auf entsprechende Vorbilder oder Anstöße geachtet und es so beibehalten beziehungsweise vielleicht in mancher Hinsicht verstärkt. Plus: Durch Erfahrung bestätigt, dass ich mit dieser Haltung besser fahre.

Das Strukturierte kann ich nicht recht einordnen. Ich würde auch hier sagen, dass das Aufgeräumte [im Kopf, nicht im Haushalt] ebenfalls eine Anlage ist: Also die Nah- und Fernsicht, das Bewahren des Überblicks, den Sinn dafür, wo Reihenfolge und Prioritäten sind. Da war ich immer schon ziemlich gut und habe das besonders natürlich im Berufsleben durch ganz verschiedene Positionen, Aufgaben und Probleme weiter herausgebildet.

Schreiben, Englisch, Reifen und die ganzen kleinen und größeren Skills und Inhalte, die jeweils drinstecken, da war ich am Anfang genauso unbeschlagen bis schlecht – wie das halt so ist, wenn man was noch nie gemacht hat. Das sind Bereiche, wo ich richtig viel, teilweise schon Jahrzehnte, kontinuierlich auf verschiedenste Art drangeblieben und stufenweise besser geworden bin und immer noch werde. Mir fällt gerade auf, dass das Bereiche sind, die ich fast täglich ausübe.

Jetzt du:

Meine Beispiele und was ich mir dazu denke, sind nur grob für dich skizziert, damit der Beitrag nicht zu lange wird. Ich schlage vor, du machst dir intensiver Gedanken darüber, wie das bei dir so ist.

Zum einen ist es total wertvoll, sich zu vergegenwärtigen, wo man selbst findet, „Da bin ich besonders gut drin! Und leicht fällt es mir auch noch!“ Ganz subjektiv, so, wie du das für dich definierst [nicht mit Perfektionsanspruch]. Das sind nicht immer komplexe Dinge, es kann sein, dass es ein Teilaspekt eines Hobbys oder deines Berufs ist, z. B. ein Ingenieur, der sagt: „Ich weiß immer sehr schnell, wo ein Fehler liegt oder liegen muss“ oder ein Therapeut, der sagt: „Ich merke es immer, wenn mir mein Gegenüber was verschweigt, was es eigentlich gern sagen möchte“ oder jemand, der sagt „Ich kann total flott Kopfrechnen“. Vielleicht ist es eine Haltung, die du für dich als total positiv wertest, etwa

  • Ich bleibe hartnäckig dran, bis ich eine Lösung habe.
  • Ich lasse mich nie abbringen, sogar wenn vieles gegen mich steht.
  • Ich kann diplomatisch und souverän argumentieren, sogar wenn ich innerlich koche.
  • Ich bin geduldig in Fitzelarbeit, ob es darum geht, mir irgendwas zusammenzupuzzlen oder mit Engelsgeduld sorgfältig Details zusammenzutragen.

Und dann mach dir genauer Gedanken darüber, seit wann du darin so gut bist, seit wann du es zu schätzen und gezielt einzusetzen weißt. Wo kommt es her? Ist es eher ein Teil deiner Persönlichkeit oder ist es was, das du von klein auf vorgelebt oder erklärt bekommen hast? Vielleicht machst du etwas schon sehr lange und kannst dich noch sehr gut erinnern, wie du dich am Anfang angestellt hast. Vielleicht warst du zu Beginn ganz passabel, aber erst mit der Zeit bist du besser geworden.

Was meine ich mit „besonders gut“ und „fällt mir leicht“?

Frag dich pro Fähigkeit, was du damit genau meinst. Denn diese nächste Konkretisierungsebene enthält den wirklichen Wert, um dich in Bezug auf die Fähigkeit näher einzuschätzen, und besondere Trumpfkarten wahrzunehmen, die du für deine Karriere oder privat spielen kannst.

An dieser Stelle ist es übrigens durchaus hilfreich, sich mit anderen zu vergleichen. Gerade weil wir das, was uns leicht fällt, leider allzu oft als selbstverständlich ansehen. Oder, noch schlimmer, es erst gar nicht wertschätzen, eben weil es für uns selbst nichts Besonderes ist. Im Vergleich zu anderen kommt das durch. In puncto Schreiben ist bei mir ein großer Teil von „leicht fallen“, dass ich superschnell bin. Mir kommt es normal vor, doch im Vergleich bin ich blitzschnell. Das ist, wie gesagt, nur ein Aspekt, aber ein sehr wichtiger, denn wenn ich weiß, andere sind viel langsamer, kann ich daraus weitere Schlüsse ziehen – etwa Angebote anbieten, die andere in der Form nicht bieten können. Aber ich weiß dann auch: Hey, ich darf nicht alles nur nach Zeit abrechnen, weil ich sonst etwas, das eigentlich ein Pluspunkt ist, nachteilig für mich einsetzen würde.

Manchmal fallen einem Dinge ein, wo man früher sehr gut war, es aber irgendwie aus den Augen verloren hat. Eine gute Gelegenheit, es wieder auszuprobieren oder gezielter für dich zu nutzen.

In erster Linie geht es mir um den realistischen Blick

Neue Vorhaben oder etwas, das du ganz frisch anfängst, fühlen sich am Anfang beschwerlicher an, man ist nicht aus dem Stand versiert. Leider grassiereren hier oft Ungeduld und ein innerer Kritiker, der dazu führt, dass wir uns zu harsch beurteilen. Oder, noch schlimmer, etwas frisch ausprobieren und dann sofort das Handtuch werfen. Da hab ich kein Talent dazu!