Ursachen von Idioten-Verhalten

Kaum ein Mensch ist abgrundtief böse. Wenn wir im Alltag mit Angriffen, Beleidigungen und ignorantem Verhalten konfrontiert werden, hat das meistens seine Gründe. Gründe, die wir alle durchaus nachvollziehen können, weil es uns oft genug ganz genauso geht!

„Ich bin unausgeglichen.“ 

… unausgeglichen, ungeduldig, nicht genug gegessen, laufe dauernd auf Hochtouren, ohne mich zu entspannen, mein Nervenkostüm ist dünn.

„Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen.“

…mit dem falschen Fuß aufgestanden; „bad hair day“; bin einfach gerade grantig, habe mich über etwas/jemanden/mich selbst geärgert.

„Ich fühle mich überfordert.“

… jeder will ständig etwas von mir; ich bin für alles zuständig, muss dauernd Entscheidungen treffen, alles organisieren und jonglieren.

„Ich bin frustriert.“

… es läuft nicht so, wie ich will; ich bin mit mir, der Welt, dem Beruf oder dem Leben unzufrieden; ich fühle mich nicht ernst/wahrgenommen.

„Es geht mir nicht gut.“

… ich fühle mich unwohl; weil ich gesundheitlich angeschlagen oder regelrecht krank (z. B. Kopfschmerzen) oder psychisch belastet bin.

„Ich bin unsicher.“

… ich verhalte mich ungeschickt; Ich sage/tue etwas, das mir gar nicht entspricht, um zu kompensieren; ich bin sozial ungelenk.

„Ich bin gedankenlos.“

… ich tretet in einen Fettnapf; sage, was mir spontan in den Sinn kommt; bin taktlos, weil ich bestimmte Umstände nicht beachte …

„Ich schlage zurück.“

… ich fühle mich in die Ecke getrieben; gehe zum Gegenangriff über; trage nach; zahle heim; will den anderen sprüren lassen, wie es mir geht.

„Ich bin anders.“

… meine Erziehung, Persönlichkeit, Temperament ist anders; mein Verständnis von Kommunikation und Verhalten unterscheidet sich.

Damit sind wir auch schon beim wichtigsten Schlüsselfaktor für den Umgang mit schwierigen Situationen: Selbstmanagement. Genauer gesagt Impulskontrolle. Auch wenn die genannten Auslöser ungutes Verhalten begünstigen, heißt das natürlich nicht, dass es automatisch folgt. Viele Menschen haben Rachegedanken, schmieden im Kopf gemeine Pläne, würden aber nie danach handeln. Oder sie haben einen schlechten Tag, können sich aber insoweit selbst regulieren, dass sie es eben nicht an anderen auslassen. Diese Art von Impulskontrolle hat nicht jeder automatisch. Sie ist eng damit verbunden, wie selbstbewusst wir sind und welche Selbstregulierungsstrategien uns zur Verfügung stehen.

Oft gibt es gute Gründe, die dazu führen, dass Menschen sich ungeschickt verhalten. Viele haben mit Unsicherheiten, Unwohlsein und Überforderung zu tun. Es ist heilsam, sich das ehrlich vor Augen zu führen. Nicht, um es zu relativieren oder als Freibrief zu sehen. Sondern um sich und anderen zugestehen zu können, dass wir uns nicht immer perfekt verhalten. Dass nicht automatisch Bosheit dahintersteckt, dass selbst richtig krasses „Arschlochverhalten“ manchmal einen nachvollziehbaren Grund hat.

Das Wissen darum lässt uns gnädiger mit eigenen ungünstigen (Re)Aktionen gegenüber unserem Umfeld umgehen … etwa unser schlechtes Gewissen schneller loswerden, weil wir uns trotz allem Verständnis entgegenbringen können. Und es versetzt uns in die Lage, emotional nicht sofort in die Defensive zu gehen, Angriffe oder Bosheit anzunehmen, die gezielt gegen uns gerichtet zu sein scheint.

Das war ein kleiner Auszug aus meinem Büchlein „30 Minuten Arschlöcher zähmen“.

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