Was steckt hinter deinem „Nein“?

Jemand bittet dich um etwas oder fragt, ob du eine bestimmte Sache übernimmst. Du verneinst. – Doch ist dir so richtig klar, warum du ablehnst?

Wenn ich mir überlege, was hinter einer Ablehnung steckt, dann finde ich immer ein WILL NICHT oder ein KANN NICHT.

Sagen wir, eine Freundin bittet mich, übers Wochenende ihren Schäferhund zu nehmen. Jetzt kann ein „Nein, ich kann nicht“ bedeuten:

Es gibt einen Konflikt, der es mir unmöglich macht. Ich bin selbst am Wochenende weg./Ein Mitbewohner hat Angst vor Hunden./…

Ich könnte schon, will aber zu diesem Zeitpunkt nicht. Der Hund ist mir zu viel Arbeit./Ich habe mich gefreut, an diesem Wochenende rumzuhängen./…

Ich traue es mir generell nicht zu. Es fehlt mir die Hunde-Erfahrung./Der Schäferhund ist schwierig und hört schon auf die Besitzerin nicht gut./…

Je nachdem, was genau der Fall ist, würde ich unter bestimmten Gegebenheiten vielleicht wollen. Vielleicht traue ich mit das Gassigehen nicht zu aus Angst, mit anderen größeren Hunden zusammenzutreffen, aber ich liebe Hunde und wenn ein Freund von mir mit seinem Hund mit rausgeht, sage ich gerne zu.

Besonders wenn du berufliche Gelegenheiten wahrnehmen möchtest, ist es sinnvoll, auf die wahren Gründe einer Absage zu achten, sonst kann es passieren, dass du vorschnell wichtige Chancen vergibst. Vielleicht bekommst du eine Anfrage für einen Vortrag vor Führungskräften und sagst lieber ab. Bei näherem Hinsehen stellt sich raus, dass du das eigentlich toll fändest und obwohl du gerne vor vielen Menschen sprichst, stehst du üblicherweise vor einer völlig anderen Zielgruppe auf der Bühne. Dass es hier hochrangige Führungskräfte sind, schüchtert dich ehrlich gesagt ein wenig ein: Wer weiß, ob sie nicht mehr wissen als du, kritischer sind oder schwierige Fragen stellen, die du möglicherweise nicht beantworten kannst?

Oder du wirst eingeladen, einen Gastbeitrag für eine Branchenzeitschrift zu schreiben. Der erste Impuls ist „Bloß nicht!“, weil dir eh schon die Arbeit bis zum Hals steht. Doch wenn da jetzt einfach schnell ein „Nein“ kommt, fragen sie jemand anderen. Dabei ist der Grund für die Absage nur die momentane Arbeitsbelastung. Wenn es in drei Monaten wäre, herzlich gerne, dann würdest du sogar am liebsten regelmäßig für sie schreiben.

Es lohnt sich, vor dem Neinsagen genau hinzusehen:

Warum lehne ich ab? Was daran WILL oder KANN ich aus meiner Sicht nicht? Mitunter kommt ein „Ich würde gerne, WENN …“ heraus. Sobald du dir eine konkrete Antwort gibst, lernst du etwas und kannst die Gelegenheit eventuell in veränderter Form beziehungsweise mit Unterstützung doch wahrnehmen. Oder es bleibt beim Nein, du gewinnst aber eine Einsicht, die dir gute Ideen dafür gibt, woran du arbeiten möchtest/was du in anderer Form aus der Anfrage für dich ziehen willst.