Weiß ich! – Aber tu ichs?

Ganz früher hab ich Kundenservice-Trainings gemacht. Dabei habe ich stets beim Fundament begonnen: Blickkontakt aufnehmen, ein freundliches Gesicht machen und grüßen.

Die Teilnehmer waren empört: Dafür braucht man bitteschön kein Seminar! Das weiß ja wohl jeder!

Stimmt.

Trotzdem tuns viele eben nicht. Dazu können wir als Kunden im Einzelhandel, in der Gastronomie, in Reisebüros, an irgendwelchen Schaltern, etc., unsere eigene Statistik machen.

Am Tun hängts

Gute Tipps, Erfahrungen und Kniffe, die man so liest, hört oder sieht, sind wunderbar. Die Ratgeberliteratur boomt unter anderem deshalb, weil viele sich ein Buch nach dem anderen kaufen. Im Netz ist Content nach wie vor King.

Ich gehöre zu denen, die seit über zwanzig Jahren ihr Marketing über nützliche Texte betreibt.

Du bist jemand, der es liest. Sicher nicht nur momentan hier bei mir.

Die Frage ist: Was tust du damit?

Wenn du dir ein Buch kaufst, einen Kurs mitmachst, einen Artikel im Netz liest:

  • Konsumierst du nur – und dann aus den Augen aus dem Sinn? Vielleicht noch auf Social Media teilen?
  • Speicherst du es für später ab – und dann aus den Augen aus dem Sinn? 😉
  • Oder tust du was? Machst du Selbst-Checks à la „Mein Business – eine Standortbestimmung“, probierst du für dich interessante Übungen oder Anregungen für deinen Alltag praktisch aus?

Das Beste: Man reguliert sich automatisch runter

Konsumieren können wir endlos. Doch in dem Moment, wo du etwas tun willst, wirst du realistisch priorisieren – da kommen die kleinen Schritte ins Spiel, über die ich schon mal ein wenig anders geschrieben habe.

Es ist gar nicht möglich, alles, was man so hilfreich findet, direkt umzusetzen. Es wäre sogar kontraproduktiv, weil eine Veränderung eine gewisse Zeit braucht. Gar nicht unbedingt viel Zeit. Nicht immer geht es um Gewohnheiten, die man sich längerfristig angewöhnt.

Vieles braucht einfach nur unsere Aufmerksamkeit

Den Vertriebsleuten habe ich gesagt: Achtet einfach mal im Alltag bewusst darauf, ob Ihr es macht: Dem Gegenüber in die Augen schauen, freundlich schauen und begrüßen. Alleine das macht euren Service besser. Die Leute fühlen sich wohlkommen und wahrgenommen, Ihr schafft sofort ein Band. Ist doch super, dass es so simpel ist!

Erst recht, weil das so banal erscheint und weil man es natürlich weiß, kann man es jederzeit machen. In dem Moment, wo ich meine Aufmerksamkeit drauf richte, bin ich im Tun:

  • Ich tue es, sobald meine Aufmerksamkeit drauf liegt. Es braucht kein besonderes Know-how, keine Mühe, kein Training. Ich gebe der Begegnung mit dem Menschen, der reinkommt, einfach nur eine hohe Priorität, weil es mir wichtig ist.
  • Oder ich merke durch meine Aufmerksamkeit, wenn ich es bereits tue. Dann nehme ich es bewusster wahr, bin noch präsenter im Moment (bei mir und bei meinem Kunden) und kann mich bestätigen.

Andere Anregungen und Tipps sind Einmal-Aktionen

Sagen wir, du liest einen Text darüber, wie du eine gute ÜBER-MICH-Seite schreibst und denkst dir: „Oha, das ist was für mich. Meine ÜBER-MICH-Seite finde ich schon seit langem langweilig und nicht sonderlich überzeugend.“ Egal, ob du direkt den Anregungen aus dem Artikel folgst oder für dich entscheidest, dass das jetzt einfach der Anstupser war, dass du dir deine ÜBER MICH-Seite endlich vorknöpfst: Du kannst es direkt tun oder zeitnah im Kalender fix einplanen. Anstatt es zu bookmarken oder bei einem „Sollte ich eigentlich mal machen“ zu belassen.

Klar: Eine Einmal-Aktion kann komplexer sein. Wenn es, um bei der Website zu bleiben, eben nicht nur um eine einzelne Seite geht, sondern du schon längst deinen Internetauftritt überhaupt mal auf die Beine stellen oder generalüberholen „müsstest“, kann es etwas mehr Energie und Zeit fordern – und dennoch ist es eine Einmal-Aktion, die sich konsequent hinter sich bringen ließe. „Man“ muss es nur endlich tun.

Und dann gibts die längerfristigen Aktionen

… auch bei denen gibt es viele Dinge, die man weiß, aber nicht tut – weil es einem schwierig erscheint, man keine rechte Lust oder ein wenig Schiss davor hat.

Ein Paradebeispiel ist das Abnehmen. Eine Bekannte von mir leidet sehr darunter, dass sie seit zehn Jahren jedes Jahr stetig zunimmt. Seit die ersten unerwünschten acht Kilo drauf waren, liest sie einen Ratgeber nach dem anderen, wie man am besten abnimmt und verschlingt Tipps aus dem Internet. Sie weiß alles, was sie braucht. Doch sie tut nicht. In dem Fall blockiert sie sich sogar komplett, indem sie sagt: „Ich will abnehmen, aber ich werde nichts anders machen, als ich jetzt tue. Ich werde nichts an meinem Essen verändern. Mehr bewegen werde ich mich nicht.“

Das Prinzip kennen wohl die meisten von uns, aus unterschiedlichen Bereichen. Ein Dauerbrennerthema in der Arbeit mit Selbstständigen ist beispielsweise die Akquise – etwa die flankierenden Maßnahmen, wenn man ein neues Business oder ein neues Produkt hat. Beispielsweise einen Selbstlernkurs veröffentlicht hat, den es im eigenen Webshop gibt. Wie oft belassen es Leute dabei, dass es den Kurs jetzt zu kaufen gibt. Auch wenn man weiß, wie viele Newsletter-Abonnenten und WebbesucherInnen man so hat und dass das alleine nicht reicht. Die Werbetrommel will gerührt werden, und zwar regelmäßig.

Oder Social Media: Man startet einen Kanal, wünscht sich einschlägig relevante Follower (die etwas bei uns kaufen würden), aber dann macht man nichts. Der Newsletter, der einmal im Monat erscheinen sollte, erscheint unregelmäßig vielleicht fünf Mal im Jahr, wenns gut läuft. Man weiß, dass es anders sein muss, wenn es laufen soll. Aber tut es nicht.

Wann immer du beim Lesen eines Artikels nickst, weil du dich bestätigt fühlst, denkst „stimmt, das sollte ich mal tun“ oder „ups, ich fass mir gerade an die Nase“, halte bitte inne.

Freu dich über alles, was du weißt, oder einfach, wenn du für eine Sache bereits sensibilisiert bist. Das ist toll!

Check kurz ab, wie relevant es derzeit für dich ist. Wenn du aktuell Handlungsbedarf siehst, weil es dich weiterbringt, frag dich: WAS TUE ICH JETZT DAMIT?

Und dann tu was.

Es reicht vollkommen, hin und wieder ins Tun zu kommen. Solange du es nicht generell beim Konsumieren belässt.