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„Wenn es schon so anfängt!“

Für mich ist es unnötiges Drama: Wenn Menschen was aufbauschen, mit den Fingern auf andere zeigen, lauter Ausreden finden oder alles verkomplizieren.

Das sind meine apokalyptischen Reiter, wenn es um das Miteinander geht. Ob das jetzt mit Kunden ist, mit Dienstleistern oder im privaten Bereich. Schon jetzt weiß ich: Das wird nicht besser, sondern führt geradewegs in größere Nervereien.

Bei dir sind es vielleicht völlig andere Dinge.

Gleich ist, dass sich ziemlich schnell ein Alarmsignal meldet: Beim einen ist es ein Gefühl – eine Abneigung, ein Aufreger. Bei anderen unwillkürliche Körpersignale, wie das berühmte Augenrollen, lautes Durchatmen oder genervt ausgestoßene Töne. Und wieder andere hören eine innere Stimme, die sich widerwillig äußert oder zur Vorsicht mahnt.

„Hätte ich nur drauf gehört!“

Früher habe ich mich in solchen Phasen umgestimmt: Ich habe die Signale relativiert oder mit Logik gegengehalten. Mal war es Verständnis für andere Persönlichkeiten oder Verhaltensweisen. Mal waren es Versuche des Selbstmanagements: Mich einer für mich nervigen Person oder Verhaltensweise auszusetzen und lernen, gelassener – oder einfach überhaupt – damit umzugehen.

Dazu kommt, dass ich einige Jahre angestellt war. Da gab es, zumindest beruflich, nicht so viel Spielraum, von Haus aus abzuwinken. Denn man kann nicht einfach Kunden wegschicken oder sich neue Kollegen aussuchen.

Diese Phase war insofern gut,

  • weil ich überprüfen konnte, ob das „Wenn es schon so anfängt“ sich bewahrheitet, die nervigen Anzeichen tatsächlich klarer Vorbote für ein unerquickliches Miteinander waren.
  • und weil ich natürlich durchaus das eine oder andere über mich gelernt habe, manchmal mehr Geduld, Diplomatie oder einfach mehr Durchhaltevermögen aufgebracht habe.

Das Ganze hat meine Einschätzung der Warnsignale geeicht:

Ich weiß, ich kann meinem aufkommenden Unmut trauen.

Sobald sich bei mir ein „Wenn es schon so anfängt“-Gefühl rührt, weiß ich, ich muss einen Schnitt machen und mich aus der Situation befreien, auch wenn es zunächst mit einem Nachteil verbunden ist.

Denn wenn irgendeine Form von Verlust damit verbunden ist, fängt das Relativieren an. Gehts dabei um Geld, weil man als EinzelunternehmerIn einen Auftrag nicht bekommt, dann ist man oft eher geneigt, die inneren Warnsignale zu übergehen. Steht viel auf dem Spiel, hört man gerne mal das „ich sehe das Geld einfach als Schmerzensgeld an, verlange einfach mehr als sonst“. Das mag bei manchen funktionieren.

Für mich habe ich festgestellt, dass das persönliche Aushaltenmüssen von Drama und/oder Umständlichkeit mich unterm Strich noch mehr kostet. Im beruflichen Kontext zahle ich tatsächlich drauf, weil Umständlichkeit deutlich mehr Aufwand produziert. Doch selbst, wenn es „nur“ um meine Nerven und mein Wohlbefinden geht, ist mir das viel mehr wert.

Das dicke Ende, wenn ich in so einem unerfreulichen Miteinander bleibe, ist wesentlich kostenintensiver – vor allem der persönliche Tribut ist zu hoch.

Ein sofortiges Ziehen der Reißleine hingegen befreit. Ich trete für mich ein. Ich erspare mir jede Menge. Ich fühle mich sofort erleichtert.

Kein hätte, sondern habe.