Wie viel Glück steckt im Erfolg?

Ich finde, Glück – also gutes Timing oder die richtige Person – spielen durchaus eine Rolle. Aber: Gelegenheiten kommen selten aus dem Nichts, sondern sind häufig selbst gemacht und wahrgenommen [im doppelten Wortsinn].

Voraussetzungen dafür sind meiner Meinung nach:

  • Weiß ich, was ich will?
  • Damit rausgehen!
  • Etwas dafür tun

und eben

  • Chancen wahr- und annehmen!

Schauen wir näher hin …

Weiß ich, was ich will?

Dieser Artikel steht nicht von ungefähr in der Kategorie „in Verbindung“. Ich meine nicht zwingend das Logische, Planende, Wo-will-ich-in-fünf-Jahren-sein. Es gibt Leute, die völlig klare Ziele haben und diese konsequent verfolgen. Doch für viele ist das einfach unklarer, sie lassen die Dinge sich ergeben, und das kann genauso wunderbar funktionieren, sofern man DABEI IST. Und eben während sich die Dinge entwickeln immer mal gegencheckt, wie und ob ich eine Verbindung dazu habe.

Nur so kann ich mit der Zeit klarer merken, was ich will. Sogar ganz ohne klares Ziel, auf das ich hinarbeiten will. Ich kann sozusagen die Entwicklung in meinem Sinn mitmachen oder eben etwas verändern, wenn ich merke, ich verliere jetzt die Verbindung dazu (weil es mir nichts gibt, ich keinen Drive verspüre oder es sich nicht so richtig anfühlt).

Damit rausgehen!

Ein weiterer kritischer Punkt: Ich kann nur Zufälle und Glück herbeiführen, wenn die Welt da draußen davon weiß.

Je nachdem, was es ist, kann das bedeuten, es einfach im Bekanntenkreis zu streuen. Oder auf die Website zu schreiben. Oder seinen Kunden zu sagen. Oder eine Ausstellung zu machen.

Dabei geht es erneut gar nicht unbedingt ums klar definierte „End-Ziel“. Schon vorher oder während des Prozesses ist es wichtig, sich zu zeigen. Wenn ich immer nur im stillen Kämmerlein bleibe, sinken die Chancen auf Glück und Zufall. Denn beides hat immer mit anderen Menschen zu tun.

Etwas dafür tun

Was mich ein wenig verrückt macht, ist die Wunsch-und-Hoff-Mentalität. Da beobachte ich zwei Sorten:

  • Die einen haben für sich gewisse Rituale, die ihre Wünsche und Ziele manifestieren. Sie halten sich damit auf Kurs, weil sie sich daran erinnern und bekräftigen das, was sie erreichen wollen.
  • Die anderen aber sitzen mit verschränkten Armen auf der Couch, machen überspitzt gesagt ganz fest die Augen zu und warten, dass Gutes auf sie niederprasseln wird, wenn sie es nur fest genug wünschen.

Und ja: Es gibt die absoluten Glücksfälle. Genauso wie es Leute gibt, die ein Buch schreiben und sofort einen Weltbestseller damit landen. Und wie jede Woche jemand im Lotto gewinnt.

Doch auf solche extremen Ausnahmen zu hoffen, heißt, sein Leben auf eine sehr schlechte Wahrscheinlichkeitsquote zu bauen.

Darum ist der Erfolg meiner Überzeugung nach zwar nicht unbedingt mit schwerer Arbeit verbunden und je nachdem, worum es geht, gar nicht mal überwiegend langwierig. Doch es geht schneller und sicherer, wenn man etwas für das, was man erreichen will, tut.

Im Regelfall ist es ein Prozess.
Der vermeintliche Durchbruch über Nacht ist näher betrachtet so gut wie immer etwas, dem eigenes Engagement vorangegangen ist.

Und mit „Erfolg“ meine ich alles, nicht nur berufliche Durchbrüche oder finanziellen Wohlstand. Leute, die super zeichnen oder schneidern können, die wahnsinnig gut tanzen oder einen bestimmten Sport beherrschen, die mit Leichtigkeit auf einem Instrument spielen, und und und – die sind nicht einfach talentiert damit geboren. Die haben geübt und geübt und geübt. Selbst diejenigen, denen der Zugang leichter gefallen ist, haben sich das erarbeitet und nicht einfach erwünscht. Damit schafft man sich die Grundlagen dafür, dass zusätzlich die richtige Person oder der richtige Zeitpunkt kommen kann.

Chancen wahr- und annehmen!

Schließlich geht es darum, Gelegenheiten zu ergreifen. Das wird allerdings nur möglich, wenn ich sie überhaupt als solche erkenne. Die größten Widersacher dabei sind, glaube ich:

Nicht soweit sein
Es gibt diese Erfolge, die sich manche wünschen, die bestimmte Erfahrungen oder/und Fähigkeiten erfordern. Wenn wer als Traum hat, ein Buch zu schreiben, aber nichts darüber weiß und keine Schreibroutine hat, dann kann es sein, dass sich die Gelegenheit ergibt, sich etwa tatsächlich ein Verlagsmensch von sich aus meldet, weil man dort ein Buch zu jenem speziellen Fachwissen rausgeben möchte, doch unsere Beispielperson hat in der Zwischenzeit gar nichts in puncto Schreiben getan. Sie hat halt das Ziel „eigenes Buch“ jahrelang vor sich hergetragen. Wird es jetzt ernst, kann es sein, dass sie den Kontakt nicht wahrnehmen kann, weil sie merkt „ich bin nicht so weit“ oder sie nimmt die Gelegenheit war, läuft aber Gefahr, nicht abliefern zu können – womit die Chance verschenkt ist. Das gilt natürlich für alle anderen Bereich auch, z. B. wenn wer gerne Führungsverantwortung übernehmen will, aber sich nicht in diese Richtung schon entwickelt hat, sondern nur gewartet.
Das Fixiertsein auf das End-Ziel
Wie schon gesagt: Fast alles ist ein Prozess. Gerade bei klaren, größeren Zielen gibt es in der Regel eine Entwicklung. Da wächst was und passiert nicht von jetzt auf gleich. Wer also nur auf die große Chance schielt, verpasst mögliche Stufen, die sehr viel kleiner sind aber wichtige Stationen – und Sprungbretter – wären.
Die Angst vor der eigenen Courage
Ich hatte es woanders schon erwähnt: Meiner Erfahrung nach sind gerade die guten Leute oft unsicherer, ob sie einer Sache gerecht werden können. Das ist eine gute Haltung, denn es bedeutet, die Dinge nicht zu unterschätzen. Leider bedeutet es aber auch, dass oft ein großes Zögern besteht … und die Wahrscheinlichkeit des Zurückruderns (oder auf später Verschiebens) groß ist.
Hemmungen und unangebrachte Rücksicht
Und dann gibt es noch die gefühlten Skrupel: Man könnte durch „Vitamin B“ einen guten Job bekommen, aber denkt, dass das nicht okay wäre. Was natürlich Unsinn ist: Es ist ganz natürlich, dass Menschen andere Menschen weiterempfehlen oder beauftragen, die sie bereits kennen oder für die jemand bürgt. Mal abgesehen davon, dass Connections ebenfalls irgendwoher kommen.  Dann gibts Leute, die lassen Gelegenheiten aus falsch verstandener Rücksicht auf andere verstreichen: Ich habe auf was hingearbeitet, ich bekomme eine große Chance, aber ein Geschäftspartner oder Freund bekommt sie nicht – also winke ich ab. Oder jemand Nahestehendem würde es nicht gefallen, wenn der eigene Erfolg größer ist.

Auch im Glück steckt Eigenleistung!