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Wo sind die flankierenden Maßnahmen?

Fast alles, was man so als Vorhaben durchzieht – ob private Dinge, wie Sport, Ernährung, ein Umzug oder Businessprojekte, wie eine neues Angebot, ein Blog, o. Ä. – braucht flankierende Maßnahmen. Doch die werden gerne mal links liegen gelassen oder zu sehr unterschätzt.

Aufs Ziel fokussiert

Ich kann kaum mehr zählen, wie oft in den letzten Jahren wer auf mich zugekommen ist, mit „Ich schreibe jetzt meinen eigenen Online-Kurs für passives Einkommen.“

Super Idee! Aber bevor wir daran arbeiten:

Ist dir bewusst, was da rundherum alles an Arbeit für dich mit dranhängt, unabhängig davon, den Kurs fertig zu machen und online zu stellen? Was du, wenn du noch keine gut besuchte Plattform hast, kontinuierlich an Marketing reinstecken musst, bis genug Leute den Kurs kaufen, damit sich das rechnet? Wie viel du zunächst in Vorleistung gehen musst, was Arbeit, Zeit und Geld betrifft? Was, sogar wenn du alles automatisierst an Verwaltungsaufwand drinsteckt, weil sich einige Kunden dennoch persönlich melden, die mit der Technik nicht klarkommen, die nur mal schnell was inhaltlich fragen wollen oder die rund um die Rechnung noch was brauchen?

Vor allem der Aspekt „du musst den Online-Kurs fleißig bekanntmachen“ fällt meistens völlig hintenrunter, was zugegebenermaßen mit daran liegt, dass der Aufwand rund um den Online-Kurs gern verschwiegen oder klein geredet wird. Gleichzeitig werden die Einnahmen, die praktisch einfach so „vom Internet“ geliefert werden, gerne umso größer gerechnet.

Online-Kurse sind jetzt nur ein Beispiel dafür, dass man oft zu sehr auf ein Ziel fixiert ist, aber drumherum nicht oder nicht genug tut. Oder stark anfängt, aber doch schnell die Lust verliert und dann dümpelt die Sache. „Die Sache“ steht jetzt ganz salopp für alles Mögliche: Das toll ausgearbeitete Seminar, das endlich veröffentlichte erste Buch, das online gestellte Dating-Profil, der lang ersehnte Hund, die endlich angeschaffte Bildbearbeitungssoftware, …

Der Erfolg, den dein Projekt haben kann

So gut wie alles, was keine Einmal-Aktion ist, sondern längerfristig Erfolg bringen soll, braucht flankierende Maßnahmen. Anders gesagt: Mit dem Realisieren des Hauptvorhabens ist es nicht getan.

Fast alle Vorhaben erfordern weitere „Energiezufuhr“, damit sie erfolgreich sein können. Jetzt sind diese flankierenden Maßnahmen mitunter die Dinge,

  • die einem weniger Spaß machen,
  • wo man sich unsicher fühlt
  • oder einen längeren Atem braucht.

Idealerweise: von vornherein mitplanen

Da die meisten zentralen Vorhaben komplexer sind – und damit mehr fordern, vor allem von der Zeit her, ist es wahnsinnig wichtig, realistisch zu sein. Also nicht nur auf das Hauptziel zu schielen, sondern sich realistisch zu fragen:

  • Was ist damit noch verbunden? Welche Arbeiten braucht es vorher, währenddessen, nachher, die damit zusammenhängen, dass mein Hauptvorhaben nicht nur umgesetzt ist, sondern erfolgreich sein kann?
  • Wie wirkt sich das auf meine realistische Zeitplanung aus?

Und:

  • Will ich es dann überhaupt noch?

Ich will mal ein privates Ziel aufgreifen. Schon immer möchte ich gerne einen Hund. Ein Hund ist super. Macht mein Leben sofort trillionenfach besser. Ich will einen Seniorenhund aus dem Tierheim. Nun versetz dich mal kurz in meine Lage: Welche Fragen müsste ich mir stellen? Worauf muss ich mich gefasst machen, was alles mit einem eigenen Hund verbunden ist, noch dazu mit einem alten? Welche Voraussetzungen muss ich schaffen, was ist an laufender Verantwortung/Aufgaben/Kosten damit verbunden? Was muss ich als berufstätige Frau in den 50ern mit alt werdenden Eltern noch alles bedenken? … Da kommt eine ganze Menge zusammen!

Rechnet man die flankierenden Maßnahmen mit ein, kann es passieren, dass sich das Vorhaben erledigt oder die Zeitplanung deutlich verändert. Auf jeden Fall ist der Blick realistischer, dass die Dinge nicht von jetzt auf plötzlich wie von selbst passieren.

Verschusselt? – Wiederbeleben!

Das ist auch die Erklärung für viele Projekte, die mit Herzblut erstellt und begeistert in die Welt getragen wurden – nur um für Enttäuschung zu sorgen: Der gut durchdachte Schritt in die Selbstständigkeit, der bisher kaum zu Aufträgen führte. Das tolle erste Buch, das einige Monate nach der Neuerscheinungs-PR wie Blei in den Regalen liegt. Das Seminar oder eben der Online-Kurs, den fast niemand haben will. Das persönliche Ziel, das du angestrebt hast, aber nie wirklich ganz erreicht hast – zum Beispiel frei von Lampenfieber vor großen Gruppen zu sprechen oder eine sportliche Fähigkeit wirklich souverän zu beherrschen.

Wenn du so ein Projekt hast (oder es enttäuscht aufgegeben hast), dann frag dich mal, ob du mit flankierenden Maßnahmen genug dafür getan hast, dass der Erfolg überhaupt möglich war.

Das ist übrigens kein Aufruf, ein totes Pferd zu reiten. Doch meiner Erfahrung nach ist das Pferd oft gar nicht tot, man hat es nur auf der Weide sich selbst überlassen.