Zwei Fragen, die mich immer weiterbringen

Ich stelle mir schon mein ganzes Erwachsenenleben konsequent zwei Fragen:

Was ist der Plan?
Was lernen wir daraus?

Diese einfachen Fragen sind genial, weil sie für alles nützlich sind:

  • Fürs Hinterfragen von sich selbst, eines Auftrags oder einer (Kunden)Beziehung.
  • Für Verbesserungen.
  • Fürs Planen und Auf-Kurs-bleiben.

Ganz besonders, wenn etwas unerfreulich ist oder einem der Arsch auf Grundeis geht.

„Was ist der Plan?“

Ich rede nicht von der üblichen Planung, wo man sich hinsetzt und großartig vorausplant, sondern das „Was ist der Plan?“ ist für mich die Ad-hoc-Frage, wenn ich gerade mittendrin stecke.

So kann das in etwa aussehen:

Etwas entwickelt sich nicht, wie ich mir das gedacht habe:

z. B.

  • „Für diesen tollen Workshop in drei Wochen gibt es erst eine Anmeldung. Was ist der Plan?“
  • „Ich dachte, ich mag bloggen, aber jetzt merke ich, dass es mir lästig wird und viel zu lange dauert. Aber aufgeben mag ich es auch nicht. – Was ist der Plan?“

Jemand oder etwas funkt mir irgendwie dazwischen:

z. B.

  • „Oh no! Ein gebrochenes Handgelenk, und das als Autorin! Was ist der Plan?“
  • „Wie? Der Kunde storniert mir so kurzfristig diesen riesigen Auftrag, für den ich sechs Wochen komplett blockiert und andere Anfragen schon abgesagt habe?! Was ist der Plan?“

Es gibt irgendeinen Denk-Knoten oder Stau mit anderen Beteiligten:

z. B.

  • „Oha, jetzt hat mir der Kunde erst so spät die Informationen gegeben, dass ich kaum noch Zeit dafür habe, die Deadline zu schaffen. Was ist der Plan?“
  • Mit anderen: Stell die Frage immer dann, wenn sich die Beteiligten verrückt machen, in einer Sackgasse gelandet sind, sich widersprechen oder eher auf eine Hürde konzentrieren, als auf die Lösung.

Jemand konfrontiert mich mit Hindernissen, ohne klar zu sagen, was das für mich bedeutet:

Ein „Was ist der Plan?“ fordert das Gegenüber zum einen heraus, etwas beizutragen. Zum anderen erhöht es die Chance, dass der andere spontan sagt, was er am liebsten tun würde (oder wozu er tendiert).

„Was lernen wir daraus?“

In unserem Leben gibt es kleine und große Ärgernisse. Manches sind nur Nervereien, die einfach stören. Anderes sind regelrechte Probleme. Wie man etwas sieht, ist unterschiedlich.

Hier mal ein eigenes Beispiel: Wenn ich einen Workshop mache und ich habe einen Teilnehmer dabei, der nicht mitmacht, dann ärgert mich das. Andere sagen: „Wieso? Ist doch seine Sache: Der hat bezahlt und wenn er nicht mitmacht, gut – hab ich weniger Arbeit!“

Mir ist das nicht egal. Erstens ärgert es mich, wenn jemand einen Kurs bucht und dann nicht aktiv dabei ist, weil die Person dann unter ihren Möglichkeiten bleibt und nicht so viel von meinem Workshop hat. Zweitens, weil andere Leute, die total gerne mitgemacht hätten, nicht zum Zug gekommen sind.

Nun kommt es nur selten vor, dass jemand nicht mitmacht, aber hin und wieder eben doch. Da es MICH total stört, frage ich mich „Was lerne ich daraus?“ Und hier kommt der Clou, denn diese Frage ist nur dann nützlich, wenn man richtig viel antwortet und nicht nur eine Moral von der Geschichte als Fazit zieht. Darum ist es gut, sie mit vielen „… und was noch?“ zu koppeln.

Das könnte ungefähr so aussehen:

Im Workshop hat jemand nicht richtig mitgemacht, trotzdem ich alles Mögliche versucht habe.

Was lernen wir daraus?

  • dass die Aufgabe vielleicht zu schwierig war
  • dass ich die Ausschreibung deutlicher machen muss

Und was noch?

  • dass ich diese bestimmte Person eventuell künftig nicht mehr anmelden lasse
  • dass ich mich zu sehr auf diese einen Person konzentriere als auf die 5 anderen, die superfleißig mitgemacht habe
  • dass ich von Anfang an mehr dafür tun will, dass die Leute direkt bei der Stange bleiben

Und was noch?

  • dass ich Teilnehmern noch mehr auf die Zehen steigen sollte, weil manche deshalb nicht mitmachen, weil sie sich bei Online-Workshops schwer mit der Selbstorganisation tun
  • dass ich …

Das Prinzip ist klar, darum kürze ich das Beispiel ab.

Es geht darum, viele verschiedene Lern-Effekte zu brainstormen, auf ganz lockere Art! Natürlich heißt das nicht, dass das alles direkt umgesetzt wird. Aber es sind Optionen, mit denen ich weiterarbeiten kann („Was ist der Plan?“).

Es ist aber eine hervorragende Frage für und mit anderen. Angenommen eine Branchenkollegin ruft dich an und erzählt von einem empörenden Verhalten eines Kunden. Du kennst „sowas“ natürlich, berichtest von deinen Erfahrungen und Ihr empört euch gemeinsam. Wenn jetzt die Frage kommt: „Und was lernen wir daraus?“ haben beide die Gelegenheit, das Gespräch zu drehen UND tatsächlich jede Menge daraus zu lernen.

Das Schöne ist, dass mehr Leute schnell auf viele Facetten kommt, manche sind total lustig, viele beleuchten die Sache aus weiteren Ecken. So wird sogar die unerfreulichste Sache aktiver gemeistert, der Lerneffekt ist vielschichtig.

Lustigerweise brauchst du anderen gar nicht das Prinzip dahinter zu erklären. Ich habe beruflich und privat schon oft einfach gesagt „Und was lernen wir daraus?“ Auch wenn es um eine Sache ging, die nur mich betraf – und dann hat mein Gegenüber sofort überlegt und die erste Antwort gefunden. Darauf habe ich ein weiteres „Learning“ ergänzt oder, wenn ich gerade nichts wusste, einfach nachgefragt: „Und was noch?

So ist man konstruktiv, ohne dass es sich so anfühlt. Nicht, dass Konstruktivität schlecht wäre, aber seien wir mal ehrlich: Gerade, wenn etwas bedrückt oder schief gelaufen ist, steht einfach erst mal das Gefühl im Vordergrund: Enttäuschung, Zorn, Verzweiflung, oder oder oder. Besonders, wenn man sich übervorteilt fühlt, ist man erst einmal auf das Fehlverhalten des anderen fixiert und will vielleicht gar nicht sehen, was man selbst künftig tun kann.

Das Wichtige dabei ist …

… sich diese Fragen wirklich zu stellen, sie nicht etwa als rhetorische Frage behandeln à la „Jaja, ich weiß schon, was da gelaufen ist“. Sondern sie tatsächlich erschöpfend und konkret beantworten! Dann können wir nämlich was damit anfangen. Und das bringt konsequent voran – nicht nur im Business.